Erneute Angriffe auf Israel

Islamistische Terrormiliz mit Hass auf Israel – das steckt hinter der Hamas

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Kämpfer der radikal-islamistischen Hamas bei einer Parade im Juli 2023 in Gaza-Stadt.
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Immer wieder kommt zu Konflikten zwischen Israel und der radikal-islamistischen Hamas. Wer steckt hinter der Terrororganisation und was sind ihre Ziele?

Tel-Aviv – Am 7. Oktober 2023 kam es zu der wohl größten Gewalteskalationen in Israel der letzten Jahre. Terroristen überquerten die Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Israel und griffen Soldaten und Zivilbevölkerung an. Gleichzeitig flogen Raketen auf diverse israelische Städte wie Tel Aviv.

NameHamas
Gründung1987
Einstufungsunnitisch-islamistische palästinensische Terrororganisation
HauptquartierGaza-Stadt, Gaza-Streifen
AnführerIsmail Haniyya
Militärischer ArmKassam-Brigaden

Die Zahl der Toten im Krieg in Israel lag bereits am Tag nach dem Beginn des Angriffs im hohen dreistelligen Bereich. Es ist die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen der israelischen Regierung und der radikal-islamistischen Hamas. Doch wo kommt die Terrororganisation her und was sind ihre Ziele?

Hamas greift Israel an: Das steckt hinter der islamistischen Terrororganisation

Die Organisation wurde 1987 als eine Abzweigung der in Ägypten beheimateten radikal-islamistischen „Muslimbrüder“ gegründet. Das Wort „Hamas“ ist arabisch und bedeutet „Eifer“ oder „Kampfgeist“ und ist zugleich ein Akronym für die Bezeichnung „Islamische Widerstandsbewegung“. Die Organisation wird als sunnitisch-islamistische palästinensische Terrororganisation eingestuft. In ihrer Gründungscharta hält die Hamas ihre ideologischen Beweggründe, sowie Ziele fest. Verfasst wurde die Charta hauptsächlich von Ahmad Yasin, einem der Gründer der Organisation.

In der Charta beruft sich Yasin auf die „Protokolle der Weisen von Zion“, einer weltweit bekannten antisemitischen Verschwörungserzählung. Diese wurden zwar bereits in den 20er Jahren als Fälschung entlarvt, jedoch weiterhin von Antisemiten weltweit als Grundlage für deren Ideologie benutzt. So auch von Adolf Hitler und der NSDAP.

Antisemitische Beweggründe: Was sind die Ziele der Hamas?

In der Hamas-Charta wird Israel und den Zionisten mit Verweis auf diese Verschwörungserzählung ein Streben nach Expansion des Staatsgebietes vorgeworfen. „Über Palästina hinaus werden sie sich vom Nil bis zum Euphrat ausbreiten“, heißt es in der Charta. Mitglieder der Hamas werden als jene beschrieben, die „Allah fürchten und die Flagge des Dschihad gegen die Tyrannen erheben“. Basierend auf der Charta gilt es als Hauptziel der Hamas, Israel in einem Heiligen Krieg zu beseitigen und einen islamischen Staat auf dem Gebiet zu errichten.

Für die Durchsetzung dieser Ziele setzt die Hamas vor allem auf militärische und terroristische Mittel. Seit 1993 kam es wiederholt zu Angriffen und Selbstmordattentate auf israelische Zivilisten und Soldaten. Diese werden hauptsächlich von den Angehörigen der Kassam-Brigaden durchgeführt, die als militärische Flügel der Hamas gilt.

Wahlsieg und Machtübernahme: der Aufstieg der Hamas im Gaza-Streifen

In den Gebieten des Gaza-Streifens trat die Hamas jedoch auch als wohltätige Organisation auf und gründete soziale Einrichtung für die verarmte Bevölkerung. Das förderte die Beliebtheit der Organisation und sorgte für einen unerwarteten Erfolg bei den Wahlen im palästinensischen Autonomiegebiet im Jahr 2006. Bei diesen erhielt die Hamas die absolute Mehrheit der Mandate.

2007 übernahm die Hamas nach mehreren bürgerkriegsähnlichen Gefechten Kämpfer der Fatah-Bewegung um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die vollständige Kontrolle über den Gaza-Streifen. Seitdem weigert sich die Hamas, weitere demokratische Wahlen abzuhalten. Die Vorgänge werden von internationalen Beobachtern als Putsch eingestuft.

Immer wieder Kämpfe zwischen Israel und Hamas

Seit der Machtübernahme im Gaza-Streifen kam es immer wieder zu Anschlägen oder Gefechten zwischen israelischem Militär und Hamas-Kämpfern. Die folgenschwersten Kämpfe fanden im Rahmen der „Operation Protective Edge“ im Sommer 2014 statt, als das israelische Militär als Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss der Hamas den Gaza-Streifen angriff. Nach Zahlen der Vereinten Nationen kamen bei den Angriffen über 2100 Menschen im Gaza-Streifen ums Leben – hauptsächlich Zivilisten. Auf israelischer Seite gab es 67 Tote, vor allem Soldaten.

Die Chronologie der Hamas

  • 1987: Gründung der Hamas als „islamische Widerstandsbewegung“
  • 2006: Sieg bei den Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten
  • 2007: Kampf um Gaza – Die Hamas übernimmt im Gaza-Streifen die militärische Oberhand
  • Sommer 2014: Gaza-Krieg – Über 2200 Opfer bei Kämpfen zwischen Hamas und Israel
  • Mai 2021: Israel-Gaza-Konflikt 2021 – Über 250 Opfer und mehrere tausend Verletzte bei Gefechten zwischen Hamas und Israel
  • Oktober 2023: Angriff der Hamas auf Israel

Geiselnahmen und Entführungen: Was sind die Mittel der Hamas?

Die Hamas setzt bei ihrem Vorgehen auch immer wieder auf Geiselnahmen und Entführungen. Als prominentester Fall gilt die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2006. Der bei seiner Entführung erst 20 Jahre alte Schalit wurde fünf Jahre lang im Gaza-Streifen gefangen gehalten, ehe er durch einen Gefangenenaustausch im Oktober 2011 zurück nach Israel gelangte. Im Gegenzug ließ die Regierung in Tel-Aviv, 1027 palästinensische Häftlinge frei.

Auch bei den Angriffen auf Israel im Oktober 2023 setzt die Hamas offenbar verstärkt auf Entführungen und Geiselnahmen. Die Zahl der Entführten soll dabei im dreistelligen Bereich liegen.

Iran als Schutzmacht: Woher hat die Hamas ihre Waffen?

Wegen ihres Vorgehens wird die Hamas von vielen Staaten und internationalen Vereinigungen als Terrororganisation eingestuft. Darunter unter anderem auch die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und Deutschland. Andere Staaten wie die Türkei, Russland oder die Schweiz unterhalten jedoch weiterhin diplomatische Beziehungen zur Hamas.

Als größter Unterstützer der Hamas gilt neben anderen arabischen Staaten vor allem der Iran. Die Regierung in Teheran inszeniert sich als Schutzmacht für unterdrückte Muslime und unterstützt die Terrororganisation mit Geldern, Waffen und Know-How zum Bau eigener Kriegsgeräte. Ähnlich verhält es sich mit der libanesischen Terror-Miliz Hisbollah, die als Verbündeter der Hamas gilt. Als die Hamas am 7. Oktober 2023 ihre Angriffe auf Israel startete, flogen auch vom Libanon aus Mörsergranaten auf israelische Ziele. (fd)

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