EU-Migrationskommissar

Ein Drittel weniger Flüchtlinge in die EU – Kritik an deutscher Asylpolitik

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Während Deutschland seine Grenzen sichert, geht die irreguläre Migration in die EU zurück: Die Zahl der Grenzübertritte ist um 30 Prozent gesunken.

München – Der Ukraine-Krieg tobte seit wenigen Monaten, da brach in der EU Alarmstimmung aus: Plötzlich suchten, anders als erwartet, nicht nur Frauen und Kinder aus der Ukraine Zuflucht – auch auf der Balkanroute drängten immer mehr Migranten nach Mitteleuropa. Viele Syrer und Afghanen, aber auch Inder, Tunesier, Marokkaner, Pakistani. Die Westbalkanroute wurde zum Einfallstor in die EU, allein im Jahr 2022 registrierte die Grenzschutzbehörde Frontex hier rund 140 000 irreguläre Einreisen. Das waren zweieinhalbmal mehr als im Vorjahr, der höchste Wert seit 2015.

Frontex meldet weniger Flüchtlinge und neue Fluchtrouten in die EU

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Die Westbalkanroute ist längst nicht mehr der Hauptkorridor für Migranten auf ihrem Weg in die EU. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat Frontex 3100 irreguläre Grenzübertritte aus dem Balkan sowie aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens festgestellt – das ist ein Minus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die meisten von ihnen sind Türken (800).

Die EU wertet das als Erfolg ihrer Asyl-Politik. „Das zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen, gerade auch das verstärkte Engagement mit Partnerländern außerhalb der EU“, sagt EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Der Österreicher meint damit Abkommen mit Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Serbien, die Brüssel in den vergangenen Jahren ausgehandelt hat: Sie regeln, dass Frontex eigene Mitarbeiter in den Nicht-EU-Staaten einsetzen darf.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Ein Drittel aller EU-Grenzübertritte: Zentrale Mittelmeerroute wird zum neuen Brennpunkt

Die Hauptroute für Geflüchtete ist nun das zentrale Mittelmeer – also der Seeweg von Nordafrika nach Italien. Bis Ende April hat Frontex hier etwa 15.700 irreguläre Einreisen gezählt, das sind mehr als ein Drittel aller Grenzübertritte in die EU. Die Zahl liegt auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Vergleicht man sie aber mit früheren Statistiken, ist auch hier ein deutlicher Rückgang zu erkennen: Während im Jahr 2023 die italienische Insel Lampedusa zum Sinnbild einer neuen Migrationskrise wurde, gab es im darauffolgenden Jahr nur noch 66.800 Ankünfte aus Tunesien und Libyen in Italien – ein Minus von 59 Prozent. Frontex führt das auf EU-Deals mit den nordafrikanischen Ländern zurück, insbesondere mit Tunesien.

Irreguläre Grenzübertritte nach Routen im Jahr 2025 (Januar bis April): Die meisten Flüchtlinge kommen über das zentrale Mittelmeer in die EU.

Syrien-Rückkehr dämpft Flüchtlingsbewegungen nach Europa

Insgesamt ist die Zahl der irregulären Grenzübertritte in die EU in den ersten vier Monaten dieses Jahres um knapp 30 Prozent gesunken – auf rund 47 000. Ein wichtiger Grund dafür ist Syrien, erklärt Chris Melzer vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR gegenüber unserer Zeitung. Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember vergangenen Jahres sind nach Schätzungen des UNHCR rund 400 000 Syrer aus dem Ausland wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

„Das Land ist zwar nach wie vor nicht sicher“, so Melzer, „aber viele Menschen warten jetzt ab und hoffen auf Frieden.“ Geflüchtete blieben deshalb eher in der Nähe, etwa im Libanon, in Jordanien oder in der Türkei, „in der Hoffnung, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können“ – die wenigsten würden jetzt noch weiter nach Europa reisen.

Flüchtlinge in die EU: Östliche Mittelmeerroute verliert an Bedeutung – Kanaren im Fokus

Die derzeit zweitwichtigste Fluchtroute nach Europa führt über das östliche Mittelmeer – also von Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien und der Türkei nach Griechenland. Auch hier ist die Zahl der irregulären Einreisen dieses Jahr um 30 Prozent auf rund 12.200 gesunken.

Ein Grund dafür dürften strengere Kontrollen und Pushbacks vor der griechischen Küste sein – sie führen zu einer Verlagerung der Fluchtrouten zu den Kanarischen Inseln. Dort sind im vergangenen Jahr rund 46.800 Flüchtlinge aus Westafrika angekommen – so viele wie nie zuvor.

Kontrollen an den Binnengrenzen sollten eigentlich immer das letzte Mittel sein.

Panu Poutvaara, Leiter des Ifo-Zentrums für Migrationsforschung

Kritik an deutscher Grenzpolitik trotz sinkender Migrationszahlen in der EU

Für die neue schwarz-rote Regierung könnten die Frontex-Zahlen unterdessen ein Problem sein. Denn Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärt die verstärkten Kontrollen an den deutschen Grenzen mit einer gescheiterten EU-Asylpolitik. Panu Poutvaara, Leiter des Ifo-Zentrums für Migrationsforschung, hält die Maßnahme für „problematisch“.

„Kontrollen an den Binnengrenzen sollten eigentlich immer das letzte Mittel sein“, sagt der Experte unserer Zeitung. Dobrindt verteidigte aber am Freitag bei der Vorstellung des neuen Regierungsprogramms seinen härteren Asyl-Kurs: „Was die illegale Migration anbelangt, hat die Integrationsfähigkeit eines Landes schlichtweg eine Belastungsgrenze, und deswegen müssen wir handeln.“

Rubriklistenbild: © Sameer Al-doumy/dpa

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