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Atomkraftwerke: Weiterbetrieb geht – TÜV-Prüfer widersprechen Habeck

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Klatsche für Robert Habeck: Ein TÜV-Gutachten hält den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Isar 2 für machbar – im Gegensatz zum Minister. Was heißt das jetzt?

Berlin – Kehrtwende in der Debatte um Atomkraft: Ein neues Gutachten befeuert die Diskussion um eine längere Laufzeit in Deutschland. Anders als das Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) hält der TÜV-Süd den Weiterbetrieb vom Akw „Isar 2“ technisch für machbar. Es bestehe keine Sorge, dass sich bei einer erneuten Überprüfung „sicherheitstechnische Defizite ergeben würden“, schrieben die Prüfer in der Analyse, die die Grünen verärgern dürfte. Denn zusammen mit Habeck hatten sie den Ruf nach Laufzeitverlängerung als Phantomdebatte gebrandmarkt.

Atomkraftwerke in Deutschland: Tüv-Gutachten bescheinigt Isar 2 den Weiterbetrieb – zum Verdruss von Robert Habeck

Nach dem Beschluss zum Atomausstieg sind in Deutschland nur noch drei Atomkraftwerke am Netz: Emsland, Neckarwestheim 2 und eben Isar 2. Sie sollen aber eigentlich Ende des Jahres den Betrieb einstellen. Doch zumindest bei dem bayerischen Atomkraftwerk wäre eine Laufzeitverlängerung über den 31. Dezember 2022 hinaus möglich, heißt es in dem Tüv-Gutachten, das im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums in Auftrag gegeben worden ist und über das n-tv berichtete. Von „routinemäßigen Instandsetzungsmaßnahmen“ abgesehen seien keine Maßnahmen nötig, um den Weiterbetrieb zu gewährleisten. Dies gelte auch für die Sicherheitsvorschriften hieß es.

Will die Atomkraftwerke definitiv abschalten in Deutschland: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Damit widersprechen die Prüfer der Darstellung Habecks. Erst am Mittwoch hatte das Ministerium einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ausgeschlossen und dabei auf die mangelnde Gewährung von Sicherheitsstandards verwiesen. Rückendeckung erhielt er dabei von seiner Partei und seinen grünen Ministerkollegen. So bezeichnete Umweltministerin Steffi Lemke entsprechende Forderungen als Phantomdebatte. Der Ausstieg aus der Atomkraft sei unumkehrbar, hatte sie klargestellt. Denn unabhängig von möglichen Sicherheitsbedenken sei auch die Beschaffung von neuen Brennelementen problematisch. Denn diese müssten aus Russland bezogen werden.

Atomkraft: Längere Laufzeiten als Ausweg aus der Gas-Krise – Habeck plädiert trotzdem für Abschaltung

Doch der Handlungsdruck in der Politik ist groß. Durch den Ukraine-Krieg sind die Energiekosten enorm gestiegen. Vor allem Gas ist ein knappes Gut geworden, nachdem Russland die Lieferung nach Deutschland gedrosselt hat. Am Donnerstag rief Habeck die zweite Alarmstufe im Notfallplan Gas aus. Damit die Kosten für die Verbraucher nicht völlig aus dem Ruder laufen, sucht die Bundesregierung händeringend nach Alternativen. Unter anderem hatte Habeck als Ausweg aus dem Dilemma bereits einen längeren Betrieb der Kohlekraftwerke initiiert und den Bau eines Flüssiggasterminals in Auftrag gegeben. Doch zur Atomkraft hieß es: Nein danke.

Doch ob das reicht? Große Teile der Union, aber auch der FDP halten den Plan für unzureichend. Sie dringen parallel auch auf einen Weiterbetrieb einiger Atomkraftwerke, zumindest zeitlich befristet. Allen voran Finanzminister Christian Lindner (FDP) sieht in der aktuellen Energiekrise darin eine Alternative, um den Preisdruck bei den Energiekosten aufzufangen – ebenso Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der eindringlich für eine Laufzeitverlängerung warb.

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Das Gutachten vom TÜV Süd gibt ihnen nun teilweise recht. Auch ohne neue Brennelemente sei ein Weiterbetrieb von Isar 2 bis August 2023 möglich. Insgesamt könne so eine zusätzliche Strommenge von etwa 5160 Gigawattstunden erzeugt werden, zitierte Focus Online aus dem Gutachten. Aufgrund bisheriger Erfahrung wäre eine Beschaffung neuer Brennelemente innerhalb von 12 Monaten realisierbar. Sprich: Es könnte auch nach dem Herbst in 2023 ein Betrieb in Isar 2 aufrechterhalten werden. Die Debatte dürfte also noch nicht zu Ende sein – auch wenn Habeck sich das wünscht.

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/Michael Kappeler/dpa

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