„Halte nichts von Angstmacherei“

Wissen die USA mehr zu Putins Atomdrohung? Linke warnt vor „Fehler“ - so schätzen Experten die Lage ein

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Der US-Präsident warnte vor einem Atomschlag Russlands. Die Linke forderte die Bundesregierung zu einer Stellungnahme auf. Derweil schätzen Experten die Atom-Lage ein.

München – Im Zuge des Ukraine-Krieges wird die Angst vor dem Einsatz von Nuklearwaffen immer größer. Der Krieg von Russlands Machthaber Wladimir Putin läuft anders, als er es sich vorgestellt hatte. Der Druck auf ihn wird größer - seine Rhetorik für den Einsatz nuklearer Waffen schärfer. US-Präsident Joe Biden nimmt Putins Drohungen ernst und warnt vor einem Atomkrieg. Die Linke forderte die Bundesregierung zu einer klaren Position auf. Derweil schätzen Experten die Gefahr der Nutzung von Nuklearwaffen ein.

Atomwaffen im Ukraine-Krieg - Linke drängt Bundesregierung zur Stellungnahme

Auch in Deutschland macht sich die Sorge eines Atomkrieges breit. Die Linke forderte eine Stellungnahme der Bundesregierung sowie eine Friedensinitiative. „Wenn der US-Präsident vor einem atomaren Armageddon warnt, müssen bei der Bundesregierung alle Alarmglocken schrillen“, sagte der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, am Freitag in Berlin. Während die USA bereits im Februar mit einem Angriff Russlands auf die Ukraine rechnete, habe die Bundesregierung die Gefahr unterschätzt, so der Linken-Politiker.

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken.

„Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen“, unterstrich Bartsch. Zu Recht hätten immer mehr Menschen vor einem Atomkrieg Angst. „Der Bundeskanzler sollte sich gemeinsam mit der Außenministerin an die Bevölkerung wenden und die nächsten außenpolitischen Schritte seiner Regierung erklären“, forderte der Bartsch. „Wir brauchen Friedensinitiativen aus Berlin, Paris und Washington.“

Einsatz von Atomwaffen - Militärzug bereitet Experten wenig Sorgen

Amerikanische Geheimdienste halten nach Indikatoren für einen möglichen nuklearen Waffeneinsatz Ausschau. Den Einsatz von großen strategische Atombomben hält man für eher unwahrscheinlich - nicht aber den Einsatz von kleineren „taktischen“ Atomwaffen. Die russische Luftflotte und die Raketensysteme sind Berichten zufolge in der Lage, taktische Atomwaffen zu tragen. Sie haben zwar eine geringere Sprengkraft, können allerdings leicht gegen konventionelle Sprengköpfe ausgetauscht werden.

Joe Biden mahnte, dass es erstmals seit der Kuba-Krise eine atomare Bedrohung gäbe. Vor wenigen Tagen wurde Aufnahmen eines russischen Militärzuges geteilt, der sich an die ukrainische Grenze bewegte. Britische Medien berichteten, dass der Zug in Verbindung mit einer Abteilung der russischen Armee steht, dir für atomare Waffen zuständig ist.

Westliche Fachleute machen sich über den Militärzug mit möglichen nuklearen Waffen weniger Sorgen. Auf den Videoaufnahmen sei nichts zu sehen gewesen, wie der amerikanischen Proliferationsexperte Jeffrey Lewis laut FAZ twitterte. Die Transporte seien zudem ständig in Russland zu beobachten.

Russlands Atomwaffen - Experten schätzen die Gefahr als „gering“ ein

Seit Monaten versuchen die Amerikaner etwa durch Simulationen aus dem Pentagon zu ermitteln, wie die USA auf den russischen Aggressor in unterschiedlichen Situationen reagieren kann. Die Ergebnisse sind ernüchternd, denn sie unterscheiden sich „dramatisch voneinander, abhängig davon, ob Wladimir Putins Ziel eine abgelegene ukrainische Militärbasis ist, eine kleine Stadt oder eine Explosion zu ,Demonstrationszwecken‘ über dem Schwarzen Meer“, berichtete die US-Zeitung New York Times.

Die Gefahr vor dem Einsatz nuklearer Waffen wird unterschiedlich eingeschätzt. „Früher war sie null, jetzt ist sie etwas höher. Aber sie ist weiterhin sehr gering“, sagte der Nuklearwaffenexperte Moritz Kütt vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Uni Hamburg dem ARD-Hauptstadtstudio.

„Ich halte gar nichts von Angstmacherei“, sagte Wolfgang Ischinger, ehemaliger Chef der Münchner Sicherheitskonferenz in einem Interview mit ntv. „Und ich sehe, dass im Augenblick relativ viele das Geschäft Putins machen, um genau das insbesondere in Deutschland zu erzeugen“, schätzte Ischinger die Lage ein. (vk/dpa)

Rubriklistenbild: © Denis Balibouse/dpa

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