Russland ohne Putin scheint heute undenkbar. Der Kremlchef regiert über ein Land, das auf eine turbulente Vergangenheit zurückblickt.
Moskau – Wladimir Putin hat in Russland seit fast einem Vierteljahrhundert die Führung inne. Im August 2024 wird es ein Vierteljahrhundert her sein, dass er die Kontrolle von dem geschwächten Präsidenten Boris Jelzin und später selbst die Position im Kreml übernahm.
| Land | Russland |
|---|---|
| Fläche | 17.074.636 km² |
| Bevölkerungszahl | 144.526.636 (2018) |
| Bevölkerungsdichte | 8 Einwohner pro km² |
| Hauptstadt | Moskau |
| Amtssprache | Russisch |
| Staats- und Regierungsform | Semipräsidentielle föderale Republik |
| Staatsoberhaupt | Präsident Wladimir Putin |
| Regierungschef | Ministerpräsident Michail Mischustin |
Russlands Staatsoberhaupt Wladimir Putin
Gemäß der Verfassung konnte Putin nach zwei Amtszeiten im Jahr 2008 nicht erneut kandidieren. Er lehnte damals eine Verfassungsänderung ab, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglicht hätte. Dmitri Medwedew übernahm für vier Jahre die höchste Position in Russland, doch die dominante Figur blieb Wladimir Putin, der während dieser Zeit das Amt des Ministerpräsidenten bekleidete. Später kehrte er in die Position des Präsidenten zurück.
Im Jahr 2020 initiierte Putin eine Verfassungsänderung, die dem russischen Präsidenten mehr Macht verleiht und die bisherigen Amtszeiten aller Präsidenten für null und nichtig erklärt. Diese Verfassungsänderung ermöglicht es ihm, weiterhin im Amt zu bleiben und sichert ihm über das Ende seiner Amtszeit hinaus lebenslange Immunität zu. So könnte er 2030 erneut bei den russischen Wahlen kandidieren und bis 2036 regieren. Ohne Wladimir Putin scheint in Russland nichts zu funktionieren.
Russland: Die frühe Geschichte
Putin regiert über ein Land, das auf eine turbulente jüngere Vergangenheit zurückblickt und mehrere enorme gesellschaftliche Umbrüche hinter sich hat. Seit dem Ende der Sowjetunion erlebte der Staat eine rasante Modernisierung und sucht heute seine Position in der globalen Welt. Die Hauptstadt ist Moskau.
Bedingt durch die Größe des Landes lebten schon in der Frühzeit zahlreiche verschiedene Völker im heutigen Russland. Am Schwarzen Meer gründeten die Griechen in der Antike Kolonien, während der Kaukasus von nomadischen Reitervölkern wie den Skythen und Sarmaten beherrscht wurde. Zu diesen gehörten vermutlich die kriegerischen Damen, die in Griechenland als Amazonen in die Geschichte eingingen.
Als erster Vorläufer des heutigen Russlands gilt die Kiewer Rus, das erste ostslawische Reich, dessen Fläche in etwa das heutige Belarus, die Ukraine und das westliche Russland bis zum Ural umfasste. Ihre größte Blüte und Ausdehnung erlebte die Kiewer Rus im 10. Jahrhundert. Allerdings konnte sich der Vielvölkerstaat nicht lange halten. Er war immer wieder Angriffen von außen und internen Konflikten ausgesetzt.
Russland und die Mongolen
Unter Dschingis Khan hatten die Mongolen erste erfolgreiche Feldzüge gen Westen unternommen. Sein Enkel Batu Khan führte die Expansionspolitik fort und eroberte große Teile der Kiewer Rus. Seine Kriegszüge ab 1237 gingen als Mongolensturm in die russische Geschichte ein. Er begründete die Goldene Horde, ein Khanat, das sich von der Krim im Westen bis an die chinesische Grenze im Osten erstreckte.
Lediglich der Norden um Nowgorod konnte sich als Republik eine weitgehende Selbstständigkeit erhalten. Allerdings weckte die schwache Position Begehrlichkeiten des Deutschen Ordens und der Schweden. Beide wurden in der Schlacht an der Newa 1240 von Alexander Newski und seinen Truppen zurückgeschlagen. Newski gilt heute als Nationalheld von Russland und wurde von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen.
Russland: Das Reich der Zaren
Der Goldenen Horde gegenüber blieb Newski tributpflichtig. Dafür erhielt sein jüngster Sohn Daniil Alexandrowitsch das kleine Teilfürstentum Moskau als Lehen, das damals noch unbedeutend war. Geschickt vergrößerte er seinen Machtbereich immer weiter und baute Moskau zur Residenzstadt aus. Dabei profitierte er vom allmählichen Zerfall des Mongolenreiches und dem Ende der Goldenen Horde.
Im 14. Jahrhundert kam es zum Machtkampf zwischen dem orthodoxen Moskauer Reich und dem westlich angrenzenden katholischen Königreich Litauen. Der siegreiche Iwan III. erklärte sich 1503 zum Großfürsten von ganz Russland. Er begann mit dem Bau des Moskauer Kremls in seiner heutigen Form und machte den Doppeladler zu seinem Symbol. Er führte auch den Titel Zar ein, der sich aus dem lateinischen „Caesar“ und dem griechischen „Kaisar“ ableitete.
Russland bis zum Ende des Zarenreiches
In den folgenden Jahrhunderten dehnten die Zaren die Macht weit über die früheren Stammgebiete der Kiewer Rus bis an den Pazifik und ans Schwarze Meer aus. 1613 kam mit Michael Fjodorowitsch der erste Romanow auf den Thron. Unter seinem Enkel Peter der Große entwickelte sich Russland zur europäischen Großmacht. Er gründete die nach ihm benannte Stadt St. Petersburg als neue Hauptstadt.
1762 gelangte Katharina die Große nach einer Intrige gegen ihren Mann, Zar Peter III., an die Macht. Auch sie führte zahlreiche Modernisierungen durch und fügte dem russischen Reich durch Kriege gegen die Osmanen neue Territorien hinzu. Im Jahr 1812 marschierte Napoleon in Russland ein und kam erst vor Moskau zum Stehen. Zar Alexander I. drängte die französischen Truppen bis Deutschland zurück und wurde als Retter Europas gefeiert.
Allerdings geriet Russland im Zeitalter der Industrialisierung ins Hintertreffen und galt als rückständig. Erst 1861 wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben. Radikalen Kräften genügten die Reformen nicht. Vor allem in den Großstädten gärte es. 1881 wurde Zar Alexander II. in St. Petersburg von einem jungen Revolutionär ermordet. Die folgende repressive Politik mündete in der ersten Russischen Revolution von 1905.
Russland als Teil der Sowjetunion
Hatte die erste Revolution 1905 noch nichts bewirkt, kam es im März 1917 unter Wladimir Iljitsch Lenin und den kommunistischen Bolschewiki zum Sturz der Monarchie. Wenige Monate später übernahmen die Kommunisten mit der Oktoberrevolution endgültig die Macht im Staat. Der letzte Zar Nikolaus II. wurde am 17. Juli 1918 mit seiner Familie in Jekaterinburg ermordet. Russland ging Ende 1922 in die Sowjetunion auf. Als Sowjet („Rat“) wurden zunächst die demokratischen Arbeiter- und Soldatenräte bezeichnet, die jedoch schon bald von Bolschewiki entmachtet wurden.
Die Nachfolge des verstorbenen Lenin trat 1924 Josef Stalin an, der die Sowjetunion mit Terror und Säuberungsaktionen überzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA, unter dem auch das in eine pro-amerikanische westliche Hälfte und eine pro-sowjetische östliche Hälfte geteilte Europa litt. Der 1985 an die Macht gekommene Michail Gorbatschow öffnete die Sowjetunion erstmals vorsichtig und reformierte den Staat. In den sowjetischen Teilstaaten kam es zu offenen Rebellionen, die schließlich in der Auflösung der Sowjetunion resultierten.
Russland und seine Politik heute
Seit 1993 ist Russland ein demokratisch-föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der direkt von der Bevölkerung gewählt wird. Seit 1999 bekleidet Wladimir Putin dieses Amt. Er hatte es nach dem Rücktritt von Boris Jelzin zunächst kommissarisch übernommen und gewann die folgende Präsidentschaftswahl am 26. März 2000 mit 52,9 Prozent der Stimmen.
An der Spitze der Regierung steht der Ministerpräsident von Russland. Der jeweilige Kandidat wird vom Staatspräsidenten vorgeschlagen und vom russischen Parlament, der Duma, gewählt. Aktueller Ministerpräsident ist seit 16. Januar 2020 Michail Mischustin, der zuvor die russische Steuerbehörde geleitet hatte.
Die von Staatsoberhaupt Putin betriebene Politik ist nicht unumstritten. So ist die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Religiöse Minderheiten sind ebenso von Diskriminierung betroffen, wie Homosexuelle. Korruption ist ein weiteres Problem.
Präsidenten, die Russland seit 1991 regiert haben
| Name | Amtszeit |
|---|---|
| Boris Jelzin | 10. Juli 1991 bis 31. Dezember 1999 |
| Wladimir Putin | 31. Dezember 1999 bis 7. Mai 2008 |
| Dmitri Medwedew | 7. Mai 2008 bis 7. Mai 2012 |
| Wladimir Putin | seit 7. Mai 2012 |
Russlands Krieg in der Ukraine
Am 24. Februar 2022 erteilte der russische Präsident Wladimir Putin den Auftrag für einen militärischen Überfall auf die Ukraine. Dieser folgte auf den langwierigen Ukraine-Konflikt und eine mehrmonatige Truppenkonzentration Russlands an den Grenzen des Nachbarstaates. Die von Russland als „Spezialoperation“ bezeichnete Invasion ziele auf die „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ des Landes ab.
Bereits seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim im Süden der Ukraine im Jahr 2014 war das Verhältnis zwischen den beiden Ländern belastet. Zudem wurde in Russland das propagandistische Bild eines Nachbarlandes verbreitet, das vom Westen gesteuert und zu einem Anti-Russland aufgebaut werden solle. Am 21. Februar 2022 erklärte Russland die beiden Donbass-Regionen Luhansk und Donezk zu unabhängigen Volksrepubliken. Drei Tage später überschritten mehr als hunderttausend russische Soldatinnen und Soldaten die Grenze zur Ukraine und läuteten den Beginn des Ukraine-Kriegs ein.
Auch im Jahr 2024 ist der Ukraine-Krieg noch nicht beendet. Von Putin ist die Anspannung der ersten Kriegstage inzwischen abgefallen. Er hat seinen Angriff auf das benachbarte Land längst als einen Krieg gegen den Westen und die Nato neu interpretiert. Mit seinem „Kampf gegen den äußeren Feind“ konnte er viele Russen für sich gewinnen. Trotz der Kritik, die ihm einen immer totalitäreren Kurs vorwirft, tritt Putin selbstbewusst für eine neue Weltordnung ein, die seiner Meinung nach bereits im Entstehen ist.
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