Zwei Militärschiffe beschädigt

„Massivster Angriff der jüngsten Zeit“: Ukraine attackiert russische Marine an der Krim

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Die Ukraine hat einen erfolgreichen Militärschlag gegen Russland auf der Krim ausgeführt. Videos sollen den Angriff zeigen.

Sewastopol – Bei einem Angriff auf die Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim hat die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge unter anderem zwei russische Schiffe getroffen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Sonntagvormittag.

„Die ukrainische Luftwaffe hat in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsnachrichtendienst der Ukraine und der ukrainischen Marine einen starken Angriff auf russische Militäreinrichtungen auf der Krim durchgeführt“, teilte das Kommunikationszentrum des Militärs des Landes am Sonntag mit.

Den ukrainischen Streitkräften sei es gelungen, „die Landungsschiffe Jamal und Asow sowie ein Kommunikationszentrum und weitere Infrastrukturen der russischen Schwarzmeerflotte zu treffen“, hieß es demnach. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Novosti benannte den Angriff auf Sewastopol in ihrem ersten Pressebericht vom Sonntag als eine „massive Attacke“. Darüber hinaus hieß es, durch „herabfallende Raketentrümmer“ sei eine Person ums Leben gekommen und vier weitere verletzt worden. Zudem seien Wohngebäude und Fahrzeuge beschädigt worden.

Von Putin gesandter Gouverneur: „Massivster Angriff der jüngsten Zeit“

Am Samstagabend hatte die russische Armee den Abschuss mindestens zehn ukrainischer Raketen gemeldet. Sie seien Richtung der Halbinsel Krim unterwegs gewesen und hätten Sewastopol als Ziel gehabt, wie der von Wladimir Putin eingesetzte Gouverneur Sewastopols, Michail Raswoschajew, auf seinem Telegram-Kanal mitteilte. Auch bestätigte er, dass bei dem „massivsten Angriff der jüngsten Zeit“ ein 65-Jähriger getötet und vier weitere Menschen verletzt worden. Entstandene Schäden an Schiffen der russischen Kriegsmarine erwähnte Raswoschajew dabei nicht.

Auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) ist mittlerweile vermeintliches Videomaterial des ukrainischen Militärschlags veröffentlicht worden. Es soll eine große Explosion in Sewastopol zeigen, in deren Umfeld Flammen und eine schwarze Rauchwolke zu sehen sind. Zudem schien die russische Luftabwehr ankommende Geschosse abzufangen. Laut Angaben der Newsweek konnte das Filmmaterial bislang aber nicht unabhängig verifiziert werden.

Rauchschwaden über der Sewastopoler Werft

Offenen Geheimdienstberichten zufolge wurden bei dem Angriff drei von Großbritannien gelieferte Storm-Shadow-Raketen eingesetzt, wie die der US-Nachrichtendienst Newsweek berichtete. Dabei beruft sich die Newsweek auf Angaben des in Militärangelegenheiten einflussreiche Telegramchannel „Rybar“. Ihm zufolge wurden neben Storm-Shadow-Raketen auch die in Frankreich hergestellten SCALP-Geschosse beim Angriff auf Sewastopol eingesetzt.

Dem jüngsten Angriff gingen ukrainische Militärschläge auf die von Russland besetzte Krim voraus

Mit ihrem jüngsten Angriff auf Sewastopol hat die Ukraine zum wiederholten Mal die Schwarzmeerflotte der russischen Kriegsmarine ins Visier genommen, die zum Teil auf der Krim stationiert ist. Der Kampf um die Krim ist politisch enorm aufgeladen. Nachdem Wladimir Putin sie 2014 annektiert hatte, schwor die ukrainische Regierung, sie Russland nicht ohne Weiteres zu überlassen.

Kiew setzte die luftgestützten Langstreckenraketen des Typs Storm Shadow bereits bei einem Militärschlag auf russische Werften in Sewastopol im September 2023 ein, um ein russisches Kriegsschiff und das in Sewastopol stationierte U-Boot „Rostow am Don“ zu treffen. Auch bemühte die Ukraine selbst hergestellte Marinedrohnen im Einsatz gegen die russische Kriegsmarine im Schwarzen Meer.

Wladimir Putin ist nun weitaus vorsichtiger, seine neueren, größeren Schiffe auf der Krim zu behalten. Mehrere von ihnen verlegte er bereits nach Noworossijsk in die Region Krasnodar – einem anderen Stützpunkt der russischen Kriegsmarine im Schwarzen Meer, wie der pensionierte ukrainische Marinekapitän Andrii Ryzhenko Anfang März gegenüber Newsweek erklärte. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Malgavko

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