Luftverteidigung

Nato sucht Antwort auf Putins Luftangriffe: Fachleute befürchten einen Schnellschuss

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Der Himmel wird zum Gefechtsfeld eines möglichen Konflikts zwischen Russland und der Nato. In der Ukraine beweist Wladimir Putin einen langen Atem.

Kiew – Da hat Niklas Masuhr danebengelegen. Aber gewaltig. Oder die Amerikaner lagen daneben. Oder Wladimir Putin führt sie alle an der Nase herum: Im Februar hat Russlands Diktator im Ukraine-Krieg sein drittes Feuerwerk in Form von massiven Luftschlägen gezündet – zum Preis von fast 400 Millionen Euro, wie das Magazin DefenseExpress berichtet. Zuvor soll er im Januar dieses Jahres schon fast 600 Millionen Euro verpulvert haben.

Niklas Masuhr hätte solch massive Schläge am Ende des zweiten Kriegsjahres nie für möglich gehalten. Vor mehr als einem Jahr hatte der Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung klipp und klar eine andere Lagebeurteilung skizziert.

Speerspitze der neuen Luftverteidigung: Eine Arrow-3-Abfangrakete auf einem israelischen Militärstützpunkt (Archivbild). Deutschland will knapp fünf Milliarden Euro in zwei Luftverteidigungssysteme investieren.

„Wenn man Beobachtern wie dem Institute for the Study of War (ISW) in Washington, D.C. glaubt, dann war der jüngste massive Raketenschlag mit etwa 100 Raketen auf die Ukraine vorerst einer der letzten großen Angriffe. Russland kann es sich bald nicht mehr erlauben, selbststeuernde Präzisionswaffen wie Iskander- oder Kalibr-Raketen für einen solch komplexen Schlag einzusetzen – also Raketen. Der russischen Armee geht die Präzisionsmunition aus. Es gab bereits von Beginn an nur begrenzte Vorräte, und ein gewisser Anteil davon wird wohl auch für eine eventuelle Eskalation mit der Nato zurückgehalten.“ Eine glatte Fehleinschätzung.

Putins Rüstungsindustrie: ein unerschöpfliches Arsenal – dank deutscher Hilfe

Denn die Gegenwart an der Front sieht aktuell anders aus. Während viele Offensiven an den Frontabschnitten feststecken, weitet Putins Armee seine Luftangriffe im Ukraine-Krieg aus. Deutsche wie andere westliche Unternehmen spielten der russischen Rüstungsindustrie dabei immer noch fleißig in die Karten, ergeben Recherchen der Redaktion vom ARD-Magazin Monitor. Während die internationale Unterstützung für die Ukraine bröckelt, scheint das russische Waffenarsenal unerschöpflich zu sein. Das liege wohl auch daran, dass trotz zahlreicher Sanktionen der Europäischen Union weiterhin westliche Technologie nach Russland geliefert werde. Trotz aller Sanktionen ein Schrecken ohne absehbares Ende.

Das hat die Ukraine zuletzt angeflogen:

20 Shahed-136/131-Drohnen aus Chauda (Krim);

29 Marschflugkörper Kh-101/Kh-555/Kh-55 von Tu-95MS-Bombern aus Engels (Kaspisches Meer);

04 Kh-22-Marschflugkörper von Tu-22M3-Bombern aus Sewastopol, Kursk;

03 Kalibr-Marschflugkörper von Schiffen im Schwarzen Meer;

03 ballistische Iskander-M-Raketen aus Tarhankut (Krim) & Woronesch (Russland);

05 S-300-Boden-Luft-Raketen aus der Region Belgorod (Russland).

Quelle: Kiew Post

Experten gehen weiterhin davon aus, dass das vorrangige Ziel dieser Attacken zu sein scheint, den Widerstandswillen der Ukraine zu brechen. Die humanitäre Lage soll derart verschlechtert werden, dass aus der ukrainischen Bevölkerung heraus Druck auf die Regierung in Kiew ausgeübt wird. Erschwerend komme hinzu, dass auch der russischen Seite aktuell der Schwung fehle, andere weitgreifende Operationen durchzuführen, um die Initiative zurückzugewinnen. Masuhr: „Solche Raketenangriffe sind das einzige Mittel, das Russland aktuell bleibt, um die Ukraine zu treffen.“ Ein teurer Feldzug. Die Kiew Post legt Schätzungen des Forbes Magazine zugrunde.

Kosten der einzelnen Waffentypen (geschätzt)

Shahed-136 – 47.000 Euro

Kh-101-Rakete – 12 Millionen;

Kh-555 – 3,7 Millionen;

Kh-55 –1,9 Millionen;

Kh-22 – 930.000;

Kalibr – 6 Millionen;

Iskander – 2,8 Millionen;

S-300 – bis zu 500.000.

Quelle: Forbes

Angesichts der Dimension der russischen Offensiven diskutiert die Nato kontrovers – der Politik schwant Böses, die Wissenschaft sieht dagegen Russlands Felle mit jedem Tag des Ukraine-Feldzuges deutlicher davonschwimmen. Einen Anflug von Panik verbreiten aktuell eher als geruhsam bekannte Skandinavier: Dänemark sollte seine Militärinvestitionen beschleunigen, nachdem neue Erkenntnisse darauf hindeuten, dass Russland schneller als erwartet aufrüstet und dass es innerhalb von drei bis fünf Jahren ein NATO-Land angreifen könnte, sagte der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen der Zeitung Jyllands-Posten. „Russlands Kapazität zur Produktion militärischer Ausrüstung ist enorm gestiegen“, sagte er.

Denkbar sei, dass Russland innerhalb von drei bis fünf Jahren Artikel 5 und die Solidarität der NATO auf die Probe stelle. „Das war nicht die Einschätzung der NATO im Jahr 2023, sondern neue Erkenntnisse, die jetzt zum Vorschein kommen“, so Lund Poulsen. Bundesverteidungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte noch von bis zu acht Jahren Vorbereitungszeit gesprochen. Kurzfristig dürfte die Gefahr eines Angriffs auf das Bündnis gering sein, argumentiert dagegen Lydia Wachs vom Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik: Russlands militärische Fähigkeiten, inklusive seiner Flugkörper, reichten zwar aus, um den Krieg in der Ukraine fortzusetzen –jedenfalls seien keine unmittelbaren Engpässe erkennbar – allein die durchschnittliche Zahl an eingesetzten Marschflugkörpern und ballistischen Raketen spräche Bände.

Putins Raketen-Verluste: 44 von 64 Flugkörpern ein Opfer der Flugabwehr

Gleichzeitig benötigt das Land die verbliebenen Kapazitäten wohl für seine politisch-militärischen Ziele in der Ukraine. Mittel- bis langfristig wird damit gerechnet, dass Russland aber wohl imstande sein wird, seine Fähigkeiten in vollem Umfang wiederherzustellen. Wobei Wachs damit kalkuliert, dass Russlands selbst dann zu wenige Marschflugkörper und Raketen haben dürfte, um mit der Nato einen längeren konven­tionellen Krieg zu führen. Der Krieg in der Ukraine zehrt die russischen Arsenale zweifellos aus; darüberhinaus leide die Präzision der Waffen. Von den zuletzt in die Ukraine eingedrungenen 64 Flugkörpern hat die ukrainische Flugabwehr 44 vom Himmel geholt. Davon 26 Marschflugkörper Kh-101/Kh-555/Kh-55, 3-Kalibr-Marschflugkörper und 15 Drohnen.

Russland war bislang augenscheinlich außerstande, die ukrainische Flugabwehr zu zerstören oder signifikant zu schwächen, und setzt auch deswegen seine Luftstreitkräfte eher risikoarm ein. Dennoch sind Flugkörper für Wladimir Putin das Mittel der Wahl, weswegen der Schulterschluss der Nato-Partner um so wichtiger wird. Seit Mitte vergangenen Jahres ist der zweite Schritt der „Sky Shield Initiative“ erreicht. „Zur Stärkung der gemeinsamen Luftverteidigung schließen sich aktuell 19 europäische Staaten zusammen, die entsprechende Waffensysteme beschaffen und den Betrieb sicherstellen wollen“, sagte der Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius (SPD), Ende vergangenen Jahres in Brüssel. Die Rahmenbedingungen für den kooperativen Einkauf werden somit konkreter, um Kosten für Europa zu sparen und die Betriebskosten niedrig zu halten.

Putins künftiger Schrecken: Arrow-3 – Experten runzeln darüber die Stirn

Daher beschafft Deutschland zusätzlich zum Beispiel Waffensysteme des Typs IRIS–T SLM (Infrared Imaging System – Tail/Thrust Vector-controlled, Surface Launched Medium Range), die sich auch bereits in der Ukraine unter Gefechtsbedingungen bewährt haben. Systeme, die in der Lage sind, das deutsches Territorium gegen weitreichende Raketen zu schützen, fehlen der Bundeswehr dagegen bisher. Die Bundesregierung beschafft deshalb für rund vier Milliarden Euro das israelisch-amerikanische Raketenabwehrsystem Arrow 3 – eine Art Satellit, der die feindliche Rakete in einer Höhe von rund 100 Kilometern auf ihrer Flugbahn rammt und dadurch zerstört

Im politischen Berlin stößt der Kauf auf breite Zustimmung, doch international sorgt er für Stirnrunzeln. Anders als das bereits vorhandene Patriot- und das kürzlich bestellte Iris-T-Luftverteidigungssystem der Bundeswehr scheint Arrow-3 nämlich gänzlich untauglich, russische Raketen oder Marschflugkörper abzufangen. Arrow verteidigt hoch oben in der Erdatmosphäre – die russischen Raketen tauchen darunter durch. Simon Højbjerg Petersen, Experte für die Abwehr ballistischer Raketen, bezeichnete den Kauf von Arrow-3 als „die seltsamste Beschaffungsentscheidung, die ich seit langem gesehen habe.“, schreibt Frank Kuhn.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Kuhn ist Projektkoordinator des Clusters Natur- und Technikwissenschaftliche Rüstungskontrollforschung (CNTR) am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung und argumentiert kritisch gegen Arrow-3: Die größte Bedrohung für Deutschland und Europa gehe derzeit vor allem von russischen Kurzstreckenraketen des Typs 9K720 Iskander und der Hyperschallwaffe Kh-47M2 Kinzhal sowie von russischen Marschflugkörpern aus. Allen diesen Waffensystemen ist allerdings gemein, dass sie die Erdatmosphäre während ihres Fluges gar nicht verlassen. „In anderen Worten: Arrow-3 kann russische Kurzstreckenraketen oder Marschflugkörper überhaupt nicht abfangen“, schreibt Kuhn.

Der Spiegel sieht im Kauf schlichtweg einen „Schnellschuss“, Kuhn drängt sich der Eindruck auf, „dass die Beschaffung, ähnlich wie der Kauf des russischen S-400-Luftverteidigungssystems durch die Türkei, in erster Linie aus symbolischen Gründen erfolgt ist. Mit Blick auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete Zeitenwende in der Außen- und Sicherheitspolitik wäre das ein fatales Signal.“ Bleibt abzuwarten, inwieweit Kuhn damit ins Schwarze getroffen hat.

Rubriklistenbild: © -/ISRAELI MINISTRY OF DEFENSE/dpa

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