Russland-Kampfjets im NATO-Raum: Trump warnt vor „großem Ärgernis“ – Experte sieht neue Eskalationsstufe
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Felix Busjaeger
Felix Durach
Laura May
Jens Kiffmeier
Russische Kampfjets fliegen über Estland und Polen. Reaktionen aus der Nato folgen direkt. Droht nur die Eskalation des Ukraine-Kriegs? Der Kreml reagiert.
Update, 11:50 Uhr: Die Verletzungen des NATO-Luftraums hat westliche Staaten in der Nacht zum Samstag in Aufruhr versetzt. Inmitten der angespannten Lage hat die Ukraine ihre Attacken auf Russlands Wirtschaft fortgesetzt. Erneut brannten Öl-Raffinieren. Wie unter anderem Astra berichtet, wurde eine strategische Einrichtung in der Oblast Saratow getroffen. Die Anlage ist für 2,54 % der gesamten Ölraffinerie-Kapazität Russlands verantwortlich.
Wie verheerend der Angriff der Ukraine auf Russland war, ist bislang nicht bekannt. Die Streitkräfte von Wolodymyr Selenskyj setzen allerdings seit Monaten auf gezielte Attacken gegen die russische Wirtschaft. Ziel ist es, Exporte zu erschweren und so die Finanzierungsmöglichkeiten für den Ukraine-Krieg zu schwächen.
Update, 10:45 Uhr: Der estnische öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtet, dass der Vorsitzende der estnischen Oppositionspartei Isamaa, Urmas Reinsalu, nach dem Zwischenfall mit russischen Kampfjets die Schließung der Ostgrenze fordert. „Die Sicherheitslage wird auch an der Ostgrenze deutlich angespannter, und ich denke, dies ist eine angemessene Reaktion auf das Verhalten Russlands“, sagte er demnach.
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Laut Ukrainska Pravda erklärte der estnische Innenminister Igor Taro zuletzt, dass die Schließung der Landgrenze derzeit nicht zur Diskussion stehe. Dies wird dadurch begründet, dass die russischen Jets den Lauftraum verletzt hätten – und eine Schließung der Landgrenze eine Art Provokation an Land erfordern würde.
Zwischenfall über Estland mit Kampfjets aus Russland
Update: 9:30 Uhr: Nach dem Zwischenfall über Estland mit Kampfjets aus Russland galt in der Nacht zum 20. September unter anderem in Polen höchste Alarmbereitschaft. Als Reaktion auf die jüngsten Angriffe im Ukraine-Krieg hätten die polnischen Streitkräfte „alle erforderlichen Kräfte und Mittel mobilisiert“. Das teilte das Kommando der polnischen Streitkräfte mit. „Die Kampfjets wurden in Bereitschaft versetzt und die bodengestützten Luftabwehr- und Radaraufklärungssysteme auf höchste Kampfbereitschaft gebracht“, hieß es in einer Mitteilung. Laut polnischen Medien wurde der Einsatz am späteren Morgen beendet.
Update, 8:16 Uhr: Als Reaktion auf die erneute Verletzung des Luftraums eines NATO-Landes hat der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärt, dass eine starke europäische Luftverteidigung nötiger denn je sei. Russlands Präsident Putin provoziere nicht nur, sondern teste die europäische Verteidigungsfähigkeit.
Transparenzhinweis
Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben zum Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Update, 7:47 Uhr: Nach dem Kampfjet-Vorfall über Estland sieht Militärexperte Carlo Masala eine neue Eskalationsstufe erreicht und spricht von einem neuen „Level der Provokation“. Gegenüber der Bild sagte er: „Der estnische Luftraum wurde dieses Jahr bereits viermal verletzt, aber nie von drei MIGs gleichzeitig und nicht 12 Minuten lang.“
„Also, ich bin nicht begeistert davon. Ich bin nicht begeistert davon. Ich mag es nicht, wenn das passiert“, kommentierte derweil US-Präsident Donald Trump die jüngste Entwicklung im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Gegenüber Reportern im Weißen Haus mutmaßte er, dass der Kampfjet-Zwischenfall ein „großes Ärgernis“ werden könnte.
Update vom 20. September, 6:06 Uhr: Russlands Regierung hat die Darstellung Estlands bestritten, dass drei russische Kampfjets den Luftraum des baltischen Nato-Landes verletzt haben sollen. „Der Flug wurde unter strikter Einhaltung der internationalen Luftraumregeln durchgeführt, ohne die Grenzen anderer Staaten zu verletzen“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit.
„Während des Fluges wichen die MiG-31-Jets nicht von der abgesprochenen Flugroute ab und verletzten nicht den estnischen Luftraum“, hieß es weiter. Vielmehr habe die Route über neutrale Gewässer, mehr als drei Kilometer nördlich der estnischen Ostsee-Insel Vaindloo geführt. Die Angaben aus Moskau ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Zwischenfall mit Russland-Kampfjets über Estland: NATO reagiert
Erstmeldung: Tallinn – Russische MiG-31 Kampfjets haben am Freitag (19. September 2025) nicht nur den estnischen Luftraum verletzt, sondern offenbar auch die Sicherheitszone der polnischen Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee bedroht. Drei Maschinen hielten sich zunächst fast zwölf Minuten lang ohne Genehmigung über estnischem Gebiet auf. Wenig später flogen zwei Kampfflugzeuge im Tiefflug über die polnische Anlage. Estlands Außenminister Margus Tsahkna bezeichnete den Vorfall als „beispiellos brutal“.
Die russischen Militärmaschinen drangen zunächst über der Insel Vaindloo im Golf von Finnland ein, etwa 200 Kilometer von St. Petersburg entfernt. Das berichtet der estnische öffentliche Rundfunk ERR. Der MiG-31 ist ein schwerer Abfangjäger, der die russische Hyperschallrakete Kinschal tragen kann.
Zusätzlich zur Luftraumverletzung in Estland meldete der polnische Grenzschutz auf X einen weiteren besorgniserregenden Vorfall: Die russischen Kampfjets flogen im Tiefflug über die Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee und drangen dabei in deren Schutzbereich ein. Die polnischen Behörden informierten umgehend die Streitkräfte über den Zwischenfall.
Das estnische Außenministerium reagierte sofort und bestellte den Geschäftsträger der Russischen Föderation in Estland ein. Ihm wurde eine diplomatische Note übergeben, in der gegen die Verletzung des Luftraums protestiert wurde. Der estnische Außenminister Margus Tsahkna äußerte sich mit deutlichen Worten zu dem Vorfall: „Russland hat in diesem Jahr bereits viermal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel ist. Aber der heutige Einflug von drei Kampfflugzeugen in unseren Luftraum ist beispiellos brutal.“ Tsahkna fügte hinzu: „Russlands zunehmende Versuche, Grenzen zu testen, und seine wachsende Aggression müssen mit einer raschen Verstärkung des politischen und wirtschaftlichen Drucks beantwortet werden.“
Estland bestellt russischen Diplomaten ein – EU-Außenbeauftragte Kallas warnt vor Putins Strategie
Verschärfend wirkten die Umstände der Luftraumverletzung: Die russischen Maschinen waren weder angemeldet, noch sendeten sie ihre Transponder-Signale. Zudem bestand keine Funkkommunikation mit der estnischen Luftverkehrskontrolle. Wie das Portal Politico meldet, ließ die NATO F-35-Kampfjets der italienischen Luftstreitkräfte aufsteigen, um die MiGs abzufangen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach mit Blick auf den Vorfall am Freitag von einer „äußerst gefährlichen Provokation“. Sie verwies darauf, dass es die dritte Verletzung des EU-Luftraums innerhalb weniger Tage gewesen sei und dies die Spannungen in der Region weiter verschärft. „Putin stellt die Entschlossenheit des Westens auf die Probe. Wir dürfen keine Schwäche zeigen“, schrieb die Estin auf der Plattform X und sicherte ihrem Heimatland die volle Solidarität der EU zu.
Name
Mikojan-Gurewitsch MiG-31
Typ
Abfangjäger
Länge
22,69 Meter
Besatzung
2
Einsatzradius
Zwischen 720 und 1400 Kilometern
Höchstgeschwindigkeit
Mach 2,83 (ca. 3500 km/h)
Die Vorfälle in Estland und an der polnischen Bohrplattform fügen sich in eine beunruhigende Reihe von Grenzüberschreitungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein. Erst kürzlich hatten NATO-Kampfjets russische Drohnen über Polen abgeschossen. Diese Häufung deutet auf eine gezielte Strategie Russlands hin, sowohl Luftraumgrenzen als auch kritische Infrastruktur der NATO-Mitgliedstaaten zu testen.
Wegen des Zwischenfalls in Estland und Polen forderte Militärexperte Fabian Hoffmann (Uni Oslo) ein entschlossenes Handeln der westlichen Militärallianz. „Die Lage ist äußerst ernst einzuschätzen. Russland testet weiterhin die Grenzen, und die NATO muss früher oder später reagieren, sonst verliert das Bündnis seine Glaubwürdigkeit“, sagte der Fachmann der Bild-Zeitung und fügte hinzu: „Jetzt sollte eine klare Warnung erfolgen, dass beim erneuten Eindringen russischer Militärflugzeuge in den Nato-Luftraum dieser aktiv verteidigt und die Flugzeuge abgeschossen werden.“
Estland zieht Artikel 4 im Vertrag – NATO kündigt Verstärkung der Ostflanke an
Als Reaktion auf die wiederholten Provokationen haben die NATO-Verbündeten angekündigt, die Verteidigung an der Ostflanke des Bündnisses zu verstärken. Die wiederholten Provokationen Russlands stellen eine ernsthafte Herausforderung für die NATO dar und könnten zu einer Neubewertung der Sicherheitsstrategie in der Region führen. Anfang der kommenden Woche wollen die Mitglieder zu einer Beratung zusammenkommen. Estland berief das Treffen basierend auf Artikel 4 des NATO-Vertrages ein.
Das Baltikum wurde wegen seiner geografischen Lage von Experten wiederholt als mögliches nächstes Ziel für den Expansionsdrang von Russlands Präsident Wladimir Putin angesehen. Estland grenzt im Osten direkt an Russland und ist somit Teil der NATO-Ostflanke. Im Fokus ist dabei auch immer wieder die Suwałki-Lücke – ein knapp 100 Kilometer breiter Landkorridor, der die russische Exklave Kaliningrad mit Russlands engem Verbündeten Belarus verbindet. Durch die Besetzung dieses Landstreifens könnte Russland und Belarus den Landweg des Baltikums zur restlichen NATO abschneiden. (Quellen: ERR/Politico/Reuters/dpa/AFP/Bild) (lm/jek)