„Beispiellos brutal“

Russland-Kampfjets im NATO-Raum: Trump warnt vor „großem Ärgernis“ – Experte sieht neue Eskalationsstufe

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  • Felix Durach
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Russische Kampfjets fliegen über Estland und Polen. Reaktionen aus der Nato folgen direkt. Droht nur die Eskalation des Ukraine-Kriegs? Der Kreml reagiert.

Update, 11:50 Uhr: Die Verletzungen des NATO-Luftraums hat westliche Staaten in der Nacht zum Samstag in Aufruhr versetzt. Inmitten der angespannten Lage hat die Ukraine ihre Attacken auf Russlands Wirtschaft fortgesetzt. Erneut brannten Öl-Raffinieren. Wie unter anderem Astra berichtet, wurde eine strategische Einrichtung in der Oblast Saratow getroffen. Die Anlage ist für 2,54 % der gesamten Ölraffinerie-Kapazität Russlands verantwortlich.

Russische Kampfjets Su-35 am Himmel bei einer Parade in Moskau. (Archivfoto)

Wie verheerend der Angriff der Ukraine auf Russland war, ist bislang nicht bekannt. Die Streitkräfte von Wolodymyr Selenskyj setzen allerdings seit Monaten auf gezielte Attacken gegen die russische Wirtschaft. Ziel ist es, Exporte zu erschweren und so die Finanzierungsmöglichkeiten für den Ukraine-Krieg zu schwächen.

Update, 10:45 Uhr: Der estnische öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtet, dass der Vorsitzende der estnischen Oppositionspartei Isamaa, Urmas Reinsalu, nach dem Zwischenfall mit russischen Kampfjets die Schließung der Ostgrenze fordert. „Die Sicherheitslage wird auch an der Ostgrenze deutlich angespannter, und ich denke, dies ist eine angemessene Reaktion auf das Verhalten Russlands“, sagte er demnach.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Laut Ukrainska Pravda erklärte der estnische Innenminister Igor Taro zuletzt, dass die Schließung der Landgrenze derzeit nicht zur Diskussion stehe. Dies wird dadurch begründet, dass die russischen Jets den Lauftraum verletzt hätten – und eine Schließung der Landgrenze eine Art Provokation an Land erfordern würde.

Zwischenfall über Estland mit Kampfjets aus Russland

Update: 9:30 Uhr: Nach dem Zwischenfall über Estland mit Kampfjets aus Russland galt in der Nacht zum 20. September unter anderem in Polen höchste Alarmbereitschaft. Als Reaktion auf die jüngsten Angriffe im Ukraine-Krieg hätten die polnischen Streitkräfte „alle erforderlichen Kräfte und Mittel mobilisiert“. Das teilte das Kommando der polnischen Streitkräfte mit. „Die Kampfjets wurden in Bereitschaft versetzt und die bodengestützten Luftabwehr- und Radaraufklärungssysteme auf höchste Kampfbereitschaft gebracht“, hieß es in einer Mitteilung. Laut polnischen Medien wurde der Einsatz am späteren Morgen beendet.

Update, 8:16 Uhr: Als Reaktion auf die erneute Verletzung des Luftraums eines NATO-Landes hat der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärt, dass eine starke europäische Luftverteidigung nötiger denn je sei. Russlands Präsident Putin provoziere nicht nur, sondern teste die europäische Verteidigungsfähigkeit.

Transparenzhinweis

Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben zum Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Update, 7:47 Uhr: Nach dem Kampfjet-Vorfall über Estland sieht Militärexperte Carlo Masala eine neue Eskalationsstufe erreicht und spricht von einem neuen „Level der Provokation“. Gegenüber der Bild sagte er: „Der estnische Luftraum wurde dieses Jahr bereits viermal verletzt, aber nie von drei MIGs gleichzeitig und nicht 12 Minuten lang.“

„Also, ich bin nicht begeistert davon. Ich bin nicht begeistert davon. Ich mag es nicht, wenn das passiert“, kommentierte derweil US-Präsident Donald Trump die jüngste Entwicklung im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Gegenüber Reportern im Weißen Haus mutmaßte er, dass der Kampfjet-Zwischenfall ein „großes Ärgernis“ werden könnte.

Update vom 20. September, 6:06 Uhr: Russlands Regierung hat die Darstellung Estlands bestritten, dass drei russische Kampfjets den Luftraum des baltischen Nato-Landes verletzt haben sollen. „Der Flug wurde unter strikter Einhaltung der internationalen Luftraumregeln durchgeführt, ohne die Grenzen anderer Staaten zu verletzen“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit.

„Während des Fluges wichen die MiG-31-Jets nicht von der abgesprochenen Flugroute ab und verletzten nicht den estnischen Luftraum“, hieß es weiter. Vielmehr habe die Route über neutrale Gewässer, mehr als drei Kilometer nördlich der estnischen Ostsee-Insel Vaindloo geführt. Die Angaben aus Moskau ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Zwischenfall mit Russland-Kampfjets über Estland: NATO reagiert

Erstmeldung: Tallinn – Russische MiG-31 Kampfjets haben am Freitag (19. September 2025) nicht nur den estnischen Luftraum verletzt, sondern offenbar auch die Sicherheitszone der polnischen Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee bedroht. Drei Maschinen hielten sich zunächst fast zwölf Minuten lang ohne Genehmigung über estnischem Gebiet auf. Wenig später flogen zwei Kampfflugzeuge im Tiefflug über die polnische Anlage. Estlands Außenminister Margus Tsahkna bezeichnete den Vorfall als „beispiellos brutal“.

Die russischen Militärmaschinen drangen zunächst über der Insel Vaindloo im Golf von Finnland ein, etwa 200 Kilometer von St. Petersburg entfernt. Das berichtet der estnische öffentliche Rundfunk ERR. Der MiG-31 ist ein schwerer Abfangjäger, der die russische Hyperschallrakete Kinschal tragen kann.

Zusätzlich zur Luftraumverletzung in Estland meldete der polnische Grenzschutz auf X einen weiteren besorgniserregenden Vorfall: Die russischen Kampfjets flogen im Tiefflug über die Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee und drangen dabei in deren Schutzbereich ein. Die polnischen Behörden informierten umgehend die Streitkräfte über den Zwischenfall.

Das estnische Außenministerium reagierte sofort und bestellte den Geschäftsträger der Russischen Föderation in Estland ein. Ihm wurde eine diplomatische Note übergeben, in der gegen die Verletzung des Luftraums protestiert wurde. Der estnische Außenminister Margus Tsahkna äußerte sich mit deutlichen Worten zu dem Vorfall: „Russland hat in diesem Jahr bereits viermal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel ist. Aber der heutige Einflug von drei Kampfflugzeugen in unseren Luftraum ist beispiellos brutal.“ Tsahkna fügte hinzu: „Russlands zunehmende Versuche, Grenzen zu testen, und seine wachsende Aggression müssen mit einer raschen Verstärkung des politischen und wirtschaftlichen Drucks beantwortet werden.“

Estland bestellt russischen Diplomaten ein – EU-Außenbeauftragte Kallas warnt vor Putins Strategie

Verschärfend wirkten die Umstände der Luftraumverletzung: Die russischen Maschinen waren weder angemeldet, noch sendeten sie ihre Transponder-Signale. Zudem bestand keine Funkkommunikation mit der estnischen Luftverkehrskontrolle. Wie das Portal Politico meldet, ließ die NATO F-35-Kampfjets der italienischen Luftstreitkräfte aufsteigen, um die MiGs abzufangen.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach mit Blick auf den Vorfall am Freitag von einer „äußerst gefährlichen Provokation“. Sie verwies darauf, dass es die dritte Verletzung des EU-Luftraums innerhalb weniger Tage gewesen sei und dies die Spannungen in der Region weiter verschärft. „Putin stellt die Entschlossenheit des Westens auf die Probe. Wir dürfen keine Schwäche zeigen“, schrieb die Estin auf der Plattform X und sicherte ihrem Heimatland die volle Solidarität der EU zu.

NameMikojan-Gurewitsch MiG-31
TypAbfangjäger
Länge22,69 Meter
Besatzung2
EinsatzradiusZwischen 720 und 1400 Kilometern
HöchstgeschwindigkeitMach 2,83 (ca. 3500 km/h)

Die Vorfälle in Estland und an der polnischen Bohrplattform fügen sich in eine beunruhigende Reihe von Grenzüberschreitungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein. Erst kürzlich hatten NATO-Kampfjets russische Drohnen über Polen abgeschossen. Diese Häufung deutet auf eine gezielte Strategie Russlands hin, sowohl Luftraumgrenzen als auch kritische Infrastruktur der NATO-Mitgliedstaaten zu testen.

Wegen des Zwischenfalls in Estland und Polen forderte Militärexperte Fabian Hoffmann (Uni Oslo) ein entschlossenes Handeln der westlichen Militärallianz. „Die Lage ist äußerst ernst einzuschätzen. Russland testet weiterhin die Grenzen, und die NATO muss früher oder später reagieren, sonst verliert das Bündnis seine Glaubwürdigkeit“, sagte der Fachmann der Bild-Zeitung und fügte hinzu: „Jetzt sollte eine klare Warnung erfolgen, dass beim erneuten Eindringen russischer Militärflugzeuge in den Nato-Luftraum dieser aktiv verteidigt und die Flugzeuge abgeschossen werden.“

Estland zieht Artikel 4 im Vertrag – NATO kündigt Verstärkung der Ostflanke an

Als Reaktion auf die wiederholten Provokationen haben die NATO-Verbündeten angekündigt, die Verteidigung an der Ostflanke des Bündnisses zu verstärken. Die wiederholten Provokationen Russlands stellen eine ernsthafte Herausforderung für die NATO dar und könnten zu einer Neubewertung der Sicherheitsstrategie in der Region führen. Anfang der kommenden Woche wollen die Mitglieder zu einer Beratung zusammenkommen. Estland berief das Treffen basierend auf Artikel 4 des NATO-Vertrages ein.

Das Baltikum wurde wegen seiner geografischen Lage von Experten wiederholt als mögliches nächstes Ziel für den Expansionsdrang von Russlands Präsident Wladimir Putin angesehen. Estland grenzt im Osten direkt an Russland und ist somit Teil der NATO-Ostflanke. Im Fokus ist dabei auch immer wieder die Suwałki-Lücke – ein knapp 100 Kilometer breiter Landkorridor, der die russische Exklave Kaliningrad mit Russlands engem Verbündeten Belarus verbindet. Durch die Besetzung dieses Landstreifens könnte Russland und Belarus den Landweg des Baltikums zur restlichen NATO abschneiden. (Quellen: ERR/Politico/Reuters/dpa/AFP/Bild) (lm/jek)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Alexander Strela

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