VonJakob Kochschließen
Die Versenkung der „Caesar Kunikow“ hat Folgen für den einst totgeglaubten Admiral Viktor Sokolov. Putin beruft stattdessen nun einen alten Bekannten an die Spitze der Schwarzmeerflotte.
Sewastopol – Die Zahlen sind dramatisch: Ein Drittel der einst mächtigen Schwarzmeerflotte hat Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs verloren. Damit konnte sie sogar weitgehend aus dem Westteil des Meeres verdrängt werden. Geradezu peinlich für den russischen Aggressor – und offenbar für Präsident Putin ein Grund, akut personelle Konsequenzen zu ziehen: Er setzte Admiral Viktor Sokolov, den Kommandanten der russischen Schwarzmeerflotte, mit sofortiger Wirkung ab – das berichten übereinstimmend mehrere bekannte russische Militärblogger. Das Fass zum Überlaufen brachte der Angriff auf die „Caesar Kunikow“ – die Ukraine versenkte das russische Kriegsschiff mit einer „Wolfsrudeltaktik“ aus dem Zweiten Weltkrieg.
Nach Krim-Angriff der Ukraine auf russisches Kriegsschiff: „Veränderungen in der Schwarzmeerflotte“
Unmittelbar nach der Attacke auf die „Caesar Kunikow“ schrieb der Telegramkanal Rybar, der Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium hat, dass es „Veränderungen in der Schwarzmeerflotte“ gebe. „Nach vorläufigen Informationen wurde Kommandant Sokolov entlassen“, hieß es. Viktor Sokolov war vergangenes Jahr kurzzeitig bereits für tot erklärt worden. Er sollte damals bei einem großangelegten ukrainischen Angriff auf das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol getötet worden sein. Schnell musste Russland damals Videos veröffentlichen, die dessen Gesundheit beweisen sollten. Nun soll der totgeglaubte Admiral also von seinen Aufgaben entbunden worden sein.
Sein Nachfolger für den Ukraine-Krieg steht offenbar auch schon fest: Der russische Telegramkanal Rybar meldet: „Die Aufgaben des Kommandanten der Schwarzmeerflotte werden vom Stabschef der Schwarzmeerflotte wahrgenommen“. Auf der Website der Schwarzmeerflotte wird nun Vizeadmiral Sergei Pinchuk (52) auf der Spitzenposition genannt. Pinchuk war von 2016 bis 2021 Kommandeur der Kaspischen Flottille. Er ist auch im Westen ein alter Bekannter: Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine wurde Pinchuk 2022 auf die schwarze Liste der Europäischen Union gesetzt.
Ukraine-Krieg: „Caesar Kunikow“ nahe der Krim mit Seedrohnen des Typs „Magura V5“ versenkt
Bei der Versenkung der „Caesar Kunikow“ kamen wie bei der „Iwanowez“ Anfang des Monats Seedrohnen des Typs „Magura V5“ zum Einsatz. Jede dieser Drohnen hat eine Reichweite von circa 800 Kilometer und kann bis zu 300 Kilogramm Sprengstoff laden. Ausgestattet mit mehreren HD-Kameras liefern die Seedrohnen Videomaterial von ihren Kamikaze-Einsätzen. Ivan Sybyriakov, Leiter des Zentrums für unbemannte Systeme beim ukrainischen Rüstungsunternehmen SpetsTechnoExport (STE), lobte kürzlich die Drohnen. Neben Kamikaze-Angriffen können sie auch Aufklärungs- und Überwachungsmissionen durchführen.
Laut dem Sprecher der ukrainischen Marine, Dmytro Pletenchuk, wurden bereits mehr als 25 Einheiten der russischen Schwarzmeerflotte zerstört. Vor allem nach der Zerstörung der „Iwanowez“ Anfang Februar wurde die russische Flotte deutlich geschwächt, verkündete kürzlich die Führung in Großbritannien. Der Schlag beeinflusse Kommando- und Kontrollfähigkeiten und zwinge die Flottenführung dazu, ihre Manöver westlich der seit 2014 von Moskau annektierten Halbinsel Krim zu überdenken, so das britische Verteidigungsministerium.
Die Aktion habe die Anfälligkeit der Schwarzmeerflotte gezeigt. Ihre Hauptaufgaben, darunter der Beschuss der Ukraine mit weitreichenden Raketen und die Kontrolle des Schwarzen Meeres, könne sie jedoch nach wie vor erfüllen, hieß es.
