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Eben noch mitten im Spionage-Skandal, ist AfD-Europaspitzenkandidat Krah bereits zurück im Wahlkampf. Mit der AfD-Parteispitze ist das offenbar abgesprochen.
Holzkirchen – Schwer zu sagen, was lauter ist: Das Knattern des auf Glanz polierten Jaguar-Cabriolets – oder die „Nazis raus“-Rufe von der anderen Straßenseite. Der Mann hinterm Lenkrad gibt Gas, im Leerlauf, der Motor jault auf. Dann setzt er zurück in den Innenhof des Gasthauses in Holzkirchen (Kreis Miesbach) und öffnet die Beifahrertür. Ein paar seiner Fans wollen Fotos mit ihm im gurgelnden PS-Monster – und Maximilian Krah tut ihnen den Gefallen natürlich gern.
AfD-Mann Krah nach Spionage-Skandal zurück im Wahlkampfmodus
Ganz recht, Krah. Der Mann, den die AfD bis vor Kurzem aus dem EU-Wahlkampf heraushalten wollte, mischt plötzlich wieder mit. Die verordnete Zurückhaltung sei vorbei, sagt er, ab jetzt sei er wieder im Normalmodus. Jeden Tag mindestens ein Auftritt, bis zum Wahltermin am 9. Juni. Wer das so entschieden hat, ist nicht ganz klar. Krah sagt, es sei mit der Parteispitze abgesprochen. Eben noch mitten im Spionage-China-Russland-Skandal, drängt der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl also wieder nach vorn.
Seine Rückkehr ist nicht unbedingt glanzvoll, aber provokant inszeniert. Die Organisatoren haben den Jaguar gemietet, zwei blonde Frauen im Dirndl schwenken dazu AfD- und Deutschlandfahnen. Den Auftritt nennen sie die „reaktionärste Wahlkampfparty des Jahres“, den Gast selbst „Dr. Mad Max Krah“. Eine Anspielung auf die Actionfilmreihe „Mad Max“ um einen Mann auf Rachefeldzug.
Krah teilt gegen Europas „Eliten“, „Gender-Ideologie“ und das „übergriffige Brüssel“ aus
Es geht dann mäßig hart zur Sache, rhetorisch zumindest. 25 Minuten dauert Krahs Rede, in der er das Bekannte abliefert. Es geht um das übergriffige Brüssel und die „Gender-Ideologie“, um den Krieg in der Ukraine und Europas „Eliten“, die ihn angeblich befeuern. „Wir sind mehr“, ruft er den geschätzt 30 Gästen im Saal entgegen. „Und wir sorgen dafür, dass es bei der Wahl ein böses Erwachen gibt für die da draußen.“ Er meint damit die Demonstranten, die sich gegenüber dem Gasthof Oberland aufgebaut haben. Es sind vielleicht 20, auch die Antifa ist da.
Eigentlich war alles anders geplant. Krah sollte in Miesbach auftreten, im Freien, doch der Wirt sagte kurzfristig ab. Er sei bedroht, sein Sohn körperlich angegangen worden, sagte er unserer Zeitung. Also verlegte Organisator Jurij Kofner den Auftritt, gab den neuen Ort erst kurzfristig bekannt. Das öffentliche Interesse ist trotzdem groß, Presse, Kamerateams, selbst die Deutsche Welle ist gekommen, um den Mann zu sehen, dem problematische Nähe zu den Diktaturen in China und Russland nachgesagt wird: Da sind die Festnahme seines Ex-Mitarbeiters Jian G. wegen Spionageverdachts und Vorermittlungen wegen möglicher Bestechung durch Peking- und Moskau-nahe Kreise gegen Krah.
„Problempanda“ Krah verdreht Vorwürfe – und zeigt mit dem Finger auf Behörden
Der 47-Jährige lässt die Vorwürfe kühl an sich abprallen, mehr noch: Er dreht sie um. Das Skandalöse sei, dass ihn die Behörden nicht vor seinem Ex-Mitarbeiter gewarnt haben. Krah, dem selbst Parteifreunde China-Lobbyismus vorwerfen, spricht nun von einer „Einmischung von Geheimdiensten in die Europawahl, gegen unsere Partei“. Die Zuhörer in Holzkirchen glauben ihm das; genau wie Bayerns AfD, deren Chef Stephan Protschka unlängst „Solidarität“ mit Krah forderte – und mit Petr Bystron, dem zweiten skandalumwitterten AfD-Spitzenmann.
Andere in der Partei machen die Skandale um die zwei Kandidaten mit dafür verantwortlich, dass die Umfragewerte gerade nach unten sausen. Intern, schrieb das RND kürzlich, heiße Krah inzwischen anspielungsreich „Problempanda“. Daran, dass Mad Max Problempanda Krah diesen Wahlkampf durchzieht, lässt er jedenfalls keinen Zweifel. Ende Mai kommt er wieder nach Bayern, geplant ist ein Auftritt mit Bystron und AfD-Chef Tino Chrupalla in Starnberg. Dann vermutlich ohne Jaguar. (Marcus Mäckler)
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