Kanzler im Interview

„Erwachsene Demokratie“: Merz weist US-Belehrungen zur AfD bei Fox News energisch zurück

  • schließen
  • Simon Schröder
    schließen

Nach dem Treffen mit Trump betont Merz im Interview bei Fox News Deutschlands Unabhängigkeit. Der Kanzler verzichtet auf US-Ratschläge zur AfD.

Update, 6. Juni, 5.52 Uhr: Nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump hat Kanzler Friedrich Merz klargestellt, dass er jegliche Einmischung in die deutsche Debatte über Meinungsfreiheit und den Umgang mit der AfD ablehnt. In einem Interview mit dem rechtsgerichteten US-Sender Fox News erklärte Merz: „Deutschland ist eine erwachsene Demokratie.“ Er hob hervor, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrsche und jeder die Möglichkeit habe, für das Parlament zu kandidieren. „Deshalb brauchen wir keine Lektionen von außen“, fügte der Kanzler hinzu. Diese Aussagen waren auch eine Reaktion auf frühere Kommentare von Trump und US-Vize J.D. Vance, die wiederholt die Ausgrenzung der Rechtspopulisten kritisiert hatten.

Interview nach Trump-Treffen: Merz stellt sich den Fragen von Fox-News

Update, 23.22 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei dessen Antrittsbesuch im Weißen Haus überraschend freundschaftlich empfangen. Er bezeichnete den CDU-Politiker bei einer Pressebegegnung in seinem Büro, dem Oval Office, als „respektierten“ und „guten Mann“ und versprach: „Wir werden eine großartige Beziehung zu Ihrem Land haben“. 

Es gab sogar Lob für die von Trump früher scharf kritisierten deutschen Anstrengungen im Verteidigungsbereich. Und die Vorwürfe von hochrangigen Vertretern der US-Regierung, Deutschland schränke die Meinungsfreiheit ein und grenze Parteien wie die AfD aus, kam nicht zur Sprache. Merz war darauf vorbereitet, sie zurückzuweisen.

Auch dem US-Sender Fox News soll Merz bereits ein Interview gegeben haben – das wohl erst später ausgestrahlt wird. Wie der Kanzler die mutmaßlich zweite Herausforderung des Tages gemeistert hat, dürfte sich damit zeigen. Ein Interview mit dem US-Sender CNN soll ebenfalls noch am späten Abend ausgestrahlt werden.

Nach Trump-Treffen steht für Merz heikler TV-Auftritt bei Fox News an

Erstmeldung: Washington, D.C. – Friedrich Merz trifft heute auf Donald Trump. Der Besuch im Weißen Haus wird international mit Spannung erwartet. Nach dem Treffen geht es für den Bundeskanzler direkt weiter. Auch den US-Medien muss Merz Rede und Antwort stehen. Trotz der wenigen Stunden, die der CDU-Chef in der US-Hauptstadt verbringen wird, sind gleich zwei Interviews für nach dem Treffen mit US-Präsident Trump angesetzt. Vor allem das Interview bei Trumps Lieblingssenders Fox News könnte für Merz zur zweiten Herausforderung des Tages werden.

US-Präsident Donald Trump empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.

Fox News: Sprachrohr Trumps und potenzielles Minenfeld für Merz

Generell gilt der rechts-konservative Sender für Donald Trumps Regierung als Sprachrohr. Üblicherweise unterstützt Fox News oftmals die Sichtweise von Trump. Das könnte sich auch auf Merz‘ Interview auswirken. Je nachdem wie das Treffen zwischen den beiden ablaufen wird, könnte die Interview-Atmosphäre mehr oder weniger gut für den Bundeskanzler ausfallen. Sollte es – entgegen aktueller Annahmen – erneut zum Eklat im Weißen Haus kommen, könnte der Fox-News-Auftritt ebenfalls deutlich kritischer ausfallen.

Donald Trumps berüchtigte Handschlag-Strategie

Handschlag auf Augenhöhe – und es wird ordentlich gequetscht: US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.  © SAUL LOEB / AFP
Donald Trumps Handschlag
Berühmt, berüchtigt und bekannt: Donald Trumps Handschlag ist eines der Markenzeichen des US-Präsidenten und vereint Machtspiel und Macho-Pose. Zu spüren bekamen das schon zahlreiche Politikerinnen und Politiker auf der ganzen Welt – hier Russlands Präsident Wladimir Putin im Juli 2017 in Hamburg. © imago
Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen.
Donald Trump war noch frisch im Amt und genoss die mediale Aufmerksamkeit, die ihm durch seinen überraschenden Sieg bei der US-Wahl zukam. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen. © imago
Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan
Mehrere Biografen Donald Trumps beschreiben, dass ihm sein Handschlag schon immer wichtig gewesen sei. Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan, soll der Meinung sein, dass ein Handschlag darüber entscheidet, wer im anschließenden Gespräch Dominanz ausstrahlt und wer nicht. © IMAGO
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard, beschäftigen die politische Medienlandschaft seit seinem Eintritt in die politische Arena. Die Washington Post beschrieb den Präsidenten als jemand, der „unbeholfene, intensive und manchmal geradezu seltsame Händedrücke“ gebe. © imago
James Comey. Der ehemalige Direktor des FBI
imago418416130.jpg © imago
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps. Bei ihrem Treffen im Oval Office im Weißen Haus packte der US-Präsident zu - und ließ nicht mehr los. Ganze 19 Sekunden soll der Handschlag zwischen Trump und Abe gedauert haben. Japans Premierminister war von Trumps Händedruck sichtlich überrascht und reagierte mit nervösem Lächeln und ungläubigem Augenrollen. © imago
Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch
Wie schon bei Comey versuchte Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch, den Trump während seiner ersten Amtszeit zum Obersten Richter am Supreme Court ernannte. Beim Handedrücken zog Trump den Arm Gosuchs zu sich und brachte den obersten Richter sichtbar aus dem Gleichgewicht. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron
Den Höhepunkt des Händeschüttelns erlebte die Welt mit Donald Trump und Emmanuel Macron. Mehrfach während ihres Treffen schüttelten der amerikanische und der französische Präsident die Hände - fast immer in absonderlicher Art.  © IMAGO/Ron Sachs
Aufeinandertreffen mit Macron
Bei den Aufeinandertreffen mit Macron, wie hier beim G7-Gipfel in Kanada, wurde besonders deutlich, dass der Handschlag für Donald Trump vor allem ein Machtspiel ist. Frankreichs Präsident aber schien darauf vorbereitet und reagierte ebenfalls mit Angriff statt Verteidigung. Auf den Bildern war zu sehen, wie er Trumps Hand mit aller Kraft drückte, bis sogar seine Knöchel weiß wurden. Trump versuchte erfolglos, Macrons Arm zu verdrehen. © Evan Vucci/afp
Emmanuel Macron und Donald Trump
Emmanuel Macron beschrieb seine Reaktion auf Donald Trumps Handschlag-Taktik im Nachgang. „Mein Händedruck mit ihm war nicht unschuldig“, so Frankreichs Präsident. Man müsse Trump „zeigen, dass wir keine kleinen Zugeständnisse machen werden, auch nicht symbolische.“ Das galt für Macron offensichtlich selbst bei dem Austausch von Begrüßungsfloskeln. © Michael Kappeler/dpa
Emmanuel Macron und Donald Trump
Über die Jahre entwickelten die Alpha-Männer Emmanuel Macron und Donald Trump dann doch noch einen zivilisierten Händedruck. Den präsentierten sie der Weltöffentlichkeit in Rom, als beide Staatschefs zur Beerdigung von Papst Franziskus zu Gast waren. „Er ist ein toller Kerl - klug, stark und hält gerne meine Hand“, beschrieb Trump Macron, der „ein sehr guter Mensch“ und ein „sehr harter Kerl“. © imago
G7-Gipfel in Kanada
Ähnlich wie bei Emmanuel Macron wurde auch der Handschlag zwischen Donald Trump Marc Trudeau zum Politikum. Kanadas Premierminister wollte wie schon Frankreichs Präsident nicht klein beigeben. Es entwickelte sich ein kurzes Handgemenge, dass Trudeau aber mit einem Lächeln quittierte. © Evan Vucci/dpa
UFC-Kommentator Joe Rogan
UFC-Kommentator Joe Rogan beschrieb in seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“, wie er sich auf das Händeschütteln mit Donald Trump vorbereitet hätte. Der Kampfsport-Experte sagte, er habe damit gerechnet, dass ihn der US-Präsident durch einen Ruck aus dem Gleichgewicht habe bringen wollen. „Ich habe mich breiter gestellt, um eine feste Basis zu haben“, so Rogan. Der US-Präsident sei deshalb trotz mehrfacher Versuche mit seinem Trick an ihm gescheitert. © imago
Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation
Doch Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation für seinen Gegenüber maximal unangenehm zu gestalten. Eine davon präsentierte er 2018 in Brüssel beim Handschlag mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Als die beiden beim Nato-Gipfel aufeinandertrafen, packte Trump zu und lehnte sich mit seinem Oberkörper nach vorne. Stoltenberg reagierte mit diesem Eindringen in seinen persönlichen Raum mit dezentem Rückzug. © imago
Bundeskanzlerin Angela Merkel r CDU trifft US Praesident Donald Trump im Rahmen des G20 Gipfels
Beim Handschlag mit Altkanzlerin Angela Merkel hielt sich Donald Trump vornehm zurück. Die Bundeskanzlerin bekam beim G20-Gipfel einen eher unterkühlten Händedruck vom US-Präsidenten. © Inga Kjer/dpa
UN Generalversammlung in New York
Ganz gesittet gestaltete sich 2017 in Donald Trumps Heimatstadt New York das Händeschütteln. Bei der UN-Generalversammlung traf Trump auf António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. © Shealah Craighead/dpa
Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt
Nancy Pelosi beschloss, bei ihrem Handschlag mit Donald Trump den Spieß umzudrehen. Die damalige Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt. Pelosi streckte ihm im Anschluss die Hand mit soviel Ablehnung entgegen, wie ein Blick und eine Geste nur ausstrahlen können. © imago
Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office
Wer die Gunst Donald Trumps genießt, der bekommt beizeiten einen ganz speziellen Händedruck vom US-Präsidenten. Trump legt dann liebevoll seine linke Hand auf die rechte seines Gegenübers und tätschelt diese. In den Genuss dieser Geste kam Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office. © imago
Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus.
Den doppelten Händedruck für besonders gute Freunde bekam auch Indiens Premierminister Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus. © imago
Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago
Zu den guten Freunden Donald Trumps gehörte auch Brasiliens ehemaliger Präsident, Jair Bolsonaro. Der hatte sich im Wahlkampf mit seinem Rechtspopulismus und Skandalen den Spitznamen „Tropen-Trump“ erarbeitet. Der US-Präsident quittierte das im März 2020 bei einem Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago mit dem doppelten Händedruck. © imago
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani. Bei einem Treffen mit Trump im Jahr 2016 schien der ehemalige Bürgermeister New Yorks auch auf den besonderen Handschlag mit dem damaligen Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt zu hoffen. Trump gönnte seinem Ex-Anwalt diese Ehre aber offenbar nicht. © imago
Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump
Sein Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump ein Augenzwinkern oben drauf. © imago
US-Präsident Trump im Nahen Osten - Katar
Bei seinem Staatsbesuch in Katar bemühte Donald Trump sich offensichtlich um Zurückhaltung. Das galt auch für seinen Händedruck, den hier der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, während eines Staatsdinners im Lusail-Palast entgegen nahm. © Alex Brandon/dpa
Keir Starmer und Donald Trump
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reiste vor kurzem zum Antrittsbesuch nach Washington DC. Im Weißen Haus traf er auf Donald Trump. Der Handschlag blieb folgenlos und unspektakulär. © Carl Court/dpa
Cyril Ramaphosa und Donald Trump
Auf den absonderlichen Handschlag zwischen Cyril Ramaphosa und Donald Trump im Weißen Haus folgte der Eklat im Oval Office. Trump beschuldigte den südafrikanischen Präsidenten, in seinem Land einen Völkermord an weißen Landbesitzern geschehen zu lassen. Um seine Behauptungen zu untermauern, konfrontierte der US-Präsidenten seinen Amtskollegen sogar mit gefälschten Videomaterial. © imago

Konfliktthemen gibt es zumindest einige. Zumindest beim Thema Nato und Deutschlands Verteidigungsausgaben könnte der US-Präsident aber mittlerweile besänftigt sein. Wenige Stunden vor dem Treffen mit Merz hatte die Nato beim Treffen der Verteidigungsminister neue Rekordinvestitionen zur Aufrüstung der Mitgliedsländer des Verteidigungsbündnisses verkündet. Doch auch diese Aspekte könnten bei Fox News auf den Tisch kommen.

Deutsche Innenpolitik: Ein sensibles Thema mit Konfliktpotenzial für Merz bei Trump

Ein Thema, das auch beim Merz-Auftritt bei Fox News heikel werden könnte, ist die deutsche Innenpolitik. Der Kanzler erklärte noch vor dem Treffen mit Donald Trump: „Wenn wir auch über die deutsche Innenpolitik noch sprechen, können wir das gerne tun“, sagte er vor dem Treffen im Weißen Haus in Washington. „Ich werde allerdings auch sehr klar meine Meinung dazu sagen, wenn es notwendig ist.“ Laut einem Bericht der New York Times könnte der Republikaner bei dem Besuch die angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland zum Thema machen.

Merz im Interview nach Treffen mit Trump: Die Termine in der Übersicht

  • 22.35 Uhr: Merz im Interview bei CNN
  • 23.15 Uhr: Merz im Interview bei Fox News

Heikles Thema bei Trump-Treffen mit Merz: Meinungsfreiheit und AfD

Das Thema Meinungsfreiheit in Deutschland hatte US-Vizepräsident JD Vance bereits im Februar bei der Münchner Sicherheitskonferenz zum Anlass für scharfe Kritik an Deutschland und anderen europäischen Staaten genommen. Vance hatte unter anderem eine politische Isolierung der AfD in Deutschland beklagt und gesagt, es sei „kein Platz“ für Brandmauern. Merz, damals noch Kanzlerkandidat, hatte dies als „Einmischung“ in den Bundestagswahlkampf scharf zurückgewiesen. Später hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Dies hatten mehrere Vertreter der US-Regierung kritisiert, US-Außenminister Marco Rubio hatte sogar von „verkappter Tyrannei“ in Deutschland gesprochen. Aktuell klagt die AfD gegen die Einstufung des Verfassungsgerichts.

Demnach könnte das Thema auch bei Fox News nach dem Treffen mit Trump aufkommen. Der rechts-konservative Sender ist der AfD gegenüber auch eher unkritisch eingestellt. Ob es jedoch auch die deutsche Innenpolitik gehen wird, ist unklar. Jedenfalls wäre es ein Thema, das ein großes Konfliktpotenzial bieten könnte. (sischr/dpa)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

Kommentare