VonJana Stäbenerschließen
Auf dem Weg nach München wird Aurel Mertz bei einer Schleierfahndungskontrolle angehalten. Sein Vorwurf: Bayern ist ein „Racial Profiling State“.
Der Comedian und Podcaster Aurel Mertz beglückt seine Instagram und Twitter-Follower:innen immer wieder mit lustigen Anekdoten aus dem Alltag oder macht sich auf seinen Social-Media-Kanälen über Politiker-Aussagen wie die von Christian Lindner zur Gratismentalität lustig. Bei dem, was er am Donnerstag, 15. Juni 2023, teilt, ist ihm aber gar nicht zum Lachen zumute: Der Polizei Bayern wirft er vor, Racial Profiling betrieben zu haben.
Aurel Mertz über Polizisten in Bayern – „Racial Profiling State“
„Fahre gerade für mein Stand-Up-Programm auf der Autobahn nach München. Dann umkreist uns ein Polizeiauto, bis es uns herauswinkt“, erzählt Mertz und nennt Bayern und die Polizei dort einen „Racial Profiling State“ (siehe unten). Es habe sich bei der Durchsuchung um eine sogenannte „Schleierfahndungskontrolle“ gehandelt, schreibt er.
Um ihn herum seien lauter Autos gewesen, die zu schnell fuhren, aber man habe trotzdem ihn angehalten. „Dann schön ohne Einwilligung durch unsere Koffer und Klamotten wühlen, weil Schleierfahndung einfach Freifahrtschein, um Schwarze, Indigene und People of Color (BIPOC) zu schikanieren.“
Fahre gerade für mein Stand Up Programm auf der Autobahn nach München. Dann umkreist uns ein Polizeiauto bis es uns raus winkt. „Schleierfahndungskontrolle“ der Typ hat so oft zu uns ins Auto geschaut. Racial Profiling State @polizeibayern alles durchwühlt. Natürlich nix gefunden
— Aurel😻 (@aurelmertz) June 15, 2023
Einer der Polizisten habe dann versucht, ihn dazu zu bringen, einen früheren Drogenkonsum zu gestehen. „Weil ein einfaches Nein natürlich nicht reicht. Wie er einfach unbedingt einen Verdachtsgrund neben der Hautfarbe braucht“, regt sich Mertz über das seiner Meinung nach erlebte Racial Profiling, das ein Gericht in den Niederlanden verbietet. „Achso und schei** übrigens auf eure Statistiken, wenn man nur POC kontrolliert, dann findet man auch nur POC-Täter!“, beendet er seinen Thread.
Racial Profiling ist nur ein Grund, warum die „All Cops Are Beautiful“-Werbung bei Ausländer:innen nicht gut ankommt.
Polizei Bayern erklärt, was Schleierfahndungskontrollen sind
BuzzFeed News Deutschland hakt bei der Polizei Bayern nach. Die teilt uns mit, man habe Aurel Mertz schon bei Twitter kontaktiert und um Details gebeten, um den Vorfall zu untersuchen. „Leider haben wir bislang keine Rückmeldung erhalten“, sagt Polizeihauptkommissar Jakob Siebentritt. Sobald Informationen zu dem Vorfall vorliegen, werde man eine Überprüfung der Maßnahmen veranlassen.
Bei einer „Schleierfahndungskontrolle“ könne die Polizei auf bestimmten Straßen und im Grenzgebiet Straßen „zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität“ die Identität von Personen feststellen, erklärt Siebentritt. „Nach Art. 13 Abs. 2, Art. 21 Abs. 1 Nr. 4 und Art. 22 Abs. 1 Nr. 4 PAG dürfen dabei auch Personen und mitgeführte Gegenstände (zum Beispiel Fahrzeuge) durchsucht werden. Die genannten Rechtsgrundlagen knüpfen dabei nicht an das Erscheinungsbild, die Nationalität oder Ähnliches der betroffenen Personen, sondern einzelfallabhängig an bestimmte Situationen und Örtlichkeiten an.“
Eine Schleierfahndung ist nicht willkürlich sondern an einen rechtlichen Rahmen gebunden. Können Sie uns mitteilen, wo genau die Kontrolle stattgefunden hat? Wir würden dieser gern genauer auf den Grund gehen.
— Polizei Bayern (@PolizeiBayern) June 15, 2023
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