„Schlichtweg nicht in der Lage“?

Ricarda Lang rollt drei beunruhigende Theorien zu Jens Spahn aus – eine betrifft mögliche AfD-Koalition

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Im Zusammenhang mit der gescheiterten Richterwahl fürs Bundesverfassungsgericht rechnet Ricarda Lang (Grüne) mit Jens Spahn (CDU) ab.

Berlin – Üblicherweise ist die Wahl der Richterinnen und Richter fürs Bundesverfassungsgericht mehr Routine und geht ohne großartige Irritationen über die Bühne. Diesmal ist es anders, denn die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf (SPD) scheiterte vorerst. Warum? Ihr fehlte die nötige Zweidrittelmehrheit im Bundestag, vor allem, weil die von der SPD vorgeschlagene Kandidatin in der Union polarisiert.

Ricarda Lang hält es für möglich, dass Jens Spahn „mit der rechtspopulistischen Wut spielt“

Für Brisanz sorgt an dieser Stelle, dass die Nominierung von Brosius-Gersdorf mit der CDU/CSU abgesprochen war. Deshalb stellt sich die Frage, weshalb dann überhaupt die Mehrheit fehlte. Eine Frage, die sich laut Grünen-Politikerin Ricarda Lang besonders der Fraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU) gefallen lassen muss, wie sie im Podcast mit Journalist Paul Ronzheimer klarstellte.

Ihrer Meinung nach gebe es drei Antworten darauf, die sie alle drei nicht beruhigend finde. Nach Langs erster Theorie könne Spahn „schlichtweg nicht in der Lage dazu“ gewesen sein. Ihre zweite Theorie: „Er ist ein Spieler. Er spielt mit der rechtspopulistischen Wut und denkt, dass er die Welle surfen kann, sie am Ende aber immer wieder unter Kontrolle bekommen kann.

Besonders folgenschwer wäre Langs drittes Szenario. Demnach würde Spahn „ganz bewusst darauf hin“ arbeiten, „dass diese Regierung scheitert, um eine andere Koalition, zum Beispiel mit der AfD, möglich zu machen.“

Ricarda Lang (Grüne) kritisiert Jens Spahn (CDU) drastisch. (Montage)

Ricarda Lang geht auch mit Kanzler Friedrich Merz ins Gericht

Welche der Theorien der Wahrheit entspricht, wüsste Lang nicht. Es gebe ihrer Meinung nach allerdings zwei Möglichkeiten: „Entweder es ist so, dass Jens Spahn seine eigene Fraktion nicht hinter sich hat“, was gefährlich für die Stabilität der Regierung wäre, oder es sei so, „dass Friedrich Merz (CDU) als Kanzler Jens Spahn nicht unter Kontrolle hat.“ In diesem Fall wäre die Demokratie in Gefahr.

Die rasante Entwicklung von Ricarda Lang – in Bildern

Ricarda Lang war zunächst Sprecherin der Grünen Jugend.
Ricarda Lang war zunächst Sprecherin der Grünen Jugend. Hier ist sie 2018 bei einer außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Hannover zu sehen. © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa | Julian Stratenschulte
Ricarda Lang (4.v.l.) ist 2019 dabei, als sich der Grünen-Vorstand zur Jahresauftaktklausur am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder trifft.
Ricarda Lang (4.v.l.) ist 2019 dabei, als sich der Grünen-Vorstand zur Jahresauftaktklausur am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder trifft.  © picture alliance/dpa | Patrick Pleul
September 2019: Ricarda Lang (2.v.r.) bibbert gemeinsam mit Robert Habeck (3.v.l.) den Ergebnissen der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen entgegen.
September 2019: Ricarda Lang (2.v.r.) bibbert gemeinsam mit Robert Habeck (3.v.l.) den Ergebnissen der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen entgegen. © picture alliance/dpa | Annette Riedl
Politik mit Leib und Seele: Als neue stellvertretende Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen spricht Ricarda Lang im November 2019 auf dem Bundesparteitag der Grünen.
Politik mit Leib und Seele: Als neue stellvertretende Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen spricht Ricarda Lang im November 2019 auf dem Bundesparteitag der Grünen. © picture alliance/dpa | Guido Kirchner
Ricarda Lang spricht im Mai 2020 bei einer Kundgebung von Attac gegen eine Bewaffnung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen.
Ricarda Lang spricht im Mai 2020 bei einer Kundgebung von Attac gegen eine Bewaffnung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen.  © picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Auf eine Club-Mate mit den Grünen-Spitzenpolitikern Robert Habeck und Annalena Baerbock: Ricarda Lang (Mitte).
Auf eine Club-Mate mit den Grünen-Spitzenpolitikern Robert Habeck und Annalena Baerbock: Ricarda Lang (Mitte) im November 2021.  © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht im November 2020 beim digitalen Bundesparteitag.
Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht im November 2020 beim digitalen Bundesparteitag. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Die stellvertretende Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang versteht sich blendend mit Timon Dzienus, dem Bundessprecher der Grünen Jugend. Hier bei der Delegiertenkonferenz der Grünen Jugend im Jahr 2021.
Bei der Europawahl 2019 scheiterte Ricarda Lang noch, doch bei der Wahl 2021 zog sie über die Landesliste in den Bundestag ein. Im Bild ist Lang im November 2021 mit Grüne-Jugend-Sprecher Timon Dzienus zu sehen.  © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Ricarda Lang von Bündnis 90/Die Grünen spricht bei der Orientierungsdebatte zu einer SARS-CoV-2-Impfpflicht im Bundestag.
Ricarda Lang wird 2022 zur Grünen-Chefin gewählt. Hier spricht sie im Januar 2022 bei der Orientierungsdebatte zu einer SARS-CoV-2-Impfpflicht im Bundestag. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Treffen der Koalitionsspitzen
Die Ampel regiert. Hier zu sehen: Ricarda Lang, Lars Klingbeil und Omid Nouripour (l-r) während eines Koalitionsausschusses im September 2022.  © picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Verstehen sich blenden: Klimaaktivistin Luisa Neubauer (l.) und die damalige Grünen-Chefin Ricarda Lang beim Bundesparteitag im Oktober 2022.
Verstehen sich blendend: Klimaaktivistin Luisa Neubauer (l.) und die damalige Grünen-Chefin Ricarda Lang beim Bundesparteitag im Oktober 2022. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Beim Bundesparteitag der Grünen ging es im Oktober 2023 darum, wie die Klimakrise zu meistern ist. Im Bild: Ricarda Lang (l.) mit Cem Özdemir.
Beim Bundesparteitag der Grünen ging es im Oktober 2022 darum, wie die Klimakrise zu meistern ist. Im Bild: Ricarda Lang (l.) mit Cem Özdemir.  © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Da war die Ampel-Regierung noch frohen Mutes: Die Grünen-Spitze um Omid Nouripour (l-r) und Ricarda Lang sowie Christian Lindner (FDP) und die SPD-Politiker Saskia Esken sowie Lars Klingbeil.
Da war die Ampel-Regierung noch frohen Mutes: Die Grünen-Spitze um Omid Nouripour (l-r) und Ricarda Lang sowie Christian Lindner (FDP) und die SPD-Politiker Saskia Esken und Lars Klingbeil. © picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Ricarda Lang setzt sich stets fürs Gute ein: Hier ist sie beim Geschlechter-Gipfel im Hotel Adlon für mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.
Ricarda Lang setzt sich stets fürs Gute ein: Hier ist sie beim Geschlechter-Gipfel im Hotel Adlon für mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu sehen. © picture alliance/dpa | Annette Riedl
Omid Nouripour und Ricarda Lang (M.) werden im November 2023 an der Grünen-Spitze wiedergewählt.
Kurzes Bangen: Omid Nouripour und Ricarda Lang (M.) werden im November 2023 an der Grünen-Spitze wiedergewählt.  © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Ricarda Lang stimmt auf die Europawahl 2024 ein.
Ricarda Lang stimmte Ende 2023 auf die Europawahl 2024 ein.  © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Im Dezember nach dem Angriff der Hamas auf Israel protestieren Demonstranten unter dem Motto „Deutschland steht auf - Nie wieder ist jetzt!“ gegen Antisemitismus. Unter den Protestierenden ist auch Ricarda Lang.
Im Dezember nach dem Angriff der Hamas auf Israel protestieren Demonstranten unter dem Motto „Deutschland steht auf – Nie wieder ist jetzt!“ gegen Antisemitismus. Unter den Protestierenden ist auch Ricarda Lang. © picture alliance/dpa | Carsten Koall
Ricarda Lang nimmt gemeinsam mit Janine Wissler (Die Linke) und den Mitarbeitern des Jüdischen Krankenhauses Berlin (JKB) an einer Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus. Die Mitarbeiter des JKB streikten.
Ricarda Lang nimmt gemeinsam mit Janine Wissler (Die Linke) und den Mitarbeitern des Jüdischen Krankenhauses Berlin (JKB) an einer Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus teil. Die Mitarbeiter des JKB streikten im Januar 2024. © picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Ricarda Lang nimmt an der Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV) teil.
Ricarda Lang bei der Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV).  © picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
Nochmal Wahlergebnisse und Ampel „schöntrinken“: Ricarda Lang stürzt auf einer Party nach der Wahl in Sachsen ein Bier runter, allerdings ein alkoholfreies.
Nochmal Wahlergebnisse und Ampel „schöntrinken“: Ricarda Lang stürzt auf einer Party nach der Wahl in Sachsen ein Bier runter, allerdings ein alkoholfreies.  © picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Die Ampel ist im November 2024 am Ende und Ricarda Lang gibt zumindest die Parteispitze bei den Grünen frei.
Die Ampel ist im November 2024 am Ende und Ricarda Lang gibt die Parteispitze bei den Grünen frei. © picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Bei ihrer Verabschiedung als Grünen-Chefin kommen Ricarda Lang die Tränen.
Bei ihrer Verabschiedung als Grünen-Chefin kommen Ricarda Lang die Tränen.  © picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Neben Ricarda Lang zieht sich auch Omid Nouripour von der Grünen-Spitze zurück.
Neben Ricarda Lang zieht sich auch Omid Nouripour von der Grünen-Spitze zurück. © picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Franziska Brantner (l.) folgt auf Ricarda Lang an der Grünen-Spitze.
Franziska Brantner (l.) folgt auf Ricarda Lang an der Grünen-Spitze.  © picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Seit ihrem Rückzug von der Grünen-Spitze wirkt Ricarda Lang wie befreit und wie noch lange nicht am Ende.
Seit ihrem Rückzug wirkt Ricarda Lang wie befreit und ist noch lange nicht am Ende. © picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Der Bundeskanzler wird von Lang ebenfalls nicht verschont. Die Grünen-Politikerin kritisierte Merz dafür, dass er sich bei der Wahl der Richter fürs Bundesverfassungsgericht nicht um die Mehrheit gekümmert habe. Außerdem ärgerte sich Lang darüber, dass er die gescheiterte Wahl im Nachgang als „lapidar“ abtat. Ob und wann es eine Verfassungsrichterwahl geben wird, ist weiterhin unklar.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / dts Nachrichtenagentur/Future Image

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