„Außergewöhnlich“: China wird zur Marine-Supermacht – und sticht die USA aus
VonNail Akkoyun
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Das Reich der Mitte fordert die USA zur See heraus. Chinas Marine wächst rasant durch beispiellose Schiffbau-Kapazitäten. Verschiebt sich die Machtbalance?
Peking – China hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Aufstieg zur maritimen Supermacht vollzogen. Mit einer rasanten Entwicklung im Schiffbau und einer umfassenden Modernisierung seiner Streitkräfte fordert das Reich der Mitte zunehmend die traditionelle Vormachtstellung der USA heraus.
Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen
Aktuell verfügt die Volksrepublik China über die zahlenmäßig größte Marine der Welt mit 234 Kriegsschiffen, während die US-Navy 219 Schiffe in ihrer Flotte zählt. Diese Entwicklung könnte einen Wendepunkt in der globalen maritimen Machtbalance markieren.
Peking sticht die USA aus: China-Schiffbau „etwa 200-mal größer“
Nick Childs, Marine-Experte des Londoner International Institute for Strategic Studies, beschreibt die Situation gegenüber der BBC folgendermaßen: „Die Größenordnung ist außergewöhnlich … in vielerlei Hinsicht atemberaubend“. Besonders bemerkenswert sei die Schiffbaukapazität Chinas, die Childs als „etwa 200-mal größer als die der Vereinigten Staaten“ einstuft.
Und tatsächlich: Zwischen 2019 und 2023 produzierten allein die vier größten Werften des Landes 39 neue Kriegsschiffe, berichtet das Londoner Institut. Diese Produktionsrate übertrifft jene der westlichen Nationen bei weitem und unterstreicht Chinas Ambitionen, zur führenden Seemacht aufzusteigen.
Neue globale Seemacht: China-Kriegsschiffe entstehen in Rekordgeschwindigkeit
Alexander Funaiole vom CSIS China Power Project betont die strategische Bedeutung der chinesischen Schiffbaukapazitäten: „In jedem länger andauernden Konflikt ist es ein enormer strategischer Vorteil, wenn man über Werften verfügt, die schnell neue Schiffe produzieren können“. Diese Fähigkeit könnte in einem potenziellen Konflikt von entscheidender Bedeutung sein, so der Experte im Gespräch mit der BBC.
Doch Peking geht es nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität. Der Spiegel berichtet, Chinas Marine habe inzwischen neben Hyperschallgleitern und Tarnkappenjets auch fortschrittliche U-Boote und mehrere Angriffsschiffe im Repertoire. In einigen technologischen Bereich habe China bereits die Führung übernommen – zur Sorge des Westens. Möglichkeit, das Waffenarsenal feierlich zu präsentieren, hatte China in der Nacht zum Mittwoch während einer Militärparade in Peking.
Aufrüstung und Taiwan-Manöver: China beteuert friedliche Absichten
China betont hingegen die friedlichen Absichten ihres Landes. Prof. Hu Bo, Direktor des Zentrums für Maritime Strategiestudien an der Peking-Universität, sagte der BBC: „Wir haben kein Interesse daran, uns in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, insbesondere nicht militärisch“.
Dennoch bleibt die internationale Gemeinschaft angesichts der rasanten militärischen Entwicklung Chinas wachsam. So befürchten Experten einen chinesischen Angriff auf Taiwan in den nächsten Jahren. Der kleine Inselstaat ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung und gilt den in den Augen Pekings seit dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs im Jahr 1949 als abtrünnige Region.
1949 siegten die Kommunisten; Mao Zedong rief in Peking die Volksrepublik China aus, während sich die Nationalisten nach Taiwan zurückzogen. Dass es die Volksrepublik 1945 noch nicht gab, wird bis heute als Grund genannt, Pekings Darstellung der Kriegszeit zu kritisieren – vor allem in Taiwan, das sich selbst regiert, von Peking aber als eigenes Territorium beansprucht wird. (nak)