USA vor Kriegseintritt?

Balance mit dem Bunkerknacker: Trump riskiert weltweite Blamage

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Flammen über Nahost? Nur der B-2-Bomber der US-Luftwaffe kann die 14-Tonnen schwere GBU-57-Bombe ins Ziel bugsieren. Der Kampfjet ist aber durchaus anfällig für die Erfassung durch Radar und damit für die Luftabwehr des Iran.
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Er kann 60 Meter dicken Beton durchbrechen – theoretisch. Den Beweis hat der US-Bunkerknacker nie liefern müssen. Was geschieht, wenn die USA scheitern?

Washington D.C. – „Ein B-2-Bomber, der in der Lage ist, lautlos außergewöhnliche Entfernungen zurückzulegen und einen MOP abzuwerfen, ist so ziemlich das Mächtigste, was es gibt – noch vor der Atomkraft“, schreibt Jason Lalljee. Der Autor des Online-Magazins Axios malt aus, was passiert, wenn US-Präsident Donald Trump in den Krieg in Israel eingreift. Der Iran ist als Beinahe-Nuklearmacht in der Region Naher Osten ein militärischer Brocken, der schwer zu knacken sein wird. Wenn überhaupt, müssen die USA deshalb unbedingt ihr schwerstes konventionelles Geschütz auffahren – die GBU-57 Massive Ordnance Penetrator (MOP), den 14 Tonnen schweren „Bunkerknacker“ der US-Luftwaffe. „Die Bombe, die Irans Tiefbunker zerschmettern soll“, wie der Stern sie bezeichnet.

Bunkerbrechende Waffen erzielen ihre Wirkung aus einer Kombination von schierer Masse und Sprengkraft. Die Masse des MOP reicht, um bis zu 100 Meter tief in den Boden einzudringen – die letztendliche Tiefe hängt auch von der Höhe ab, aus der die Bombe abgeworfen wird, also letztendlich der Beschleunigung und der sich daraus ergebenden Energie beziehungsweise der Beschaffenheit des Bodens unter dem Aufschlagpunkt.

USA riskieren Ansehen: „Amerikas Bunkersprengbombe wird im Iran nicht unbedingt funktionieren“

Die Wirkung wiederum hängt von ihrem zu zerstörenden Ziel ab. „Amerikas riesige Bunkersprengbombe wird im Iran nicht unbedingt funktionieren“, urteilt beispielsweise aktuell der britische Economist. Der Grund dafür seien fehlende Informationen über die tatsächliche Stärke des verbauten Betons beispielsweise der im Fadenkreuz stehenden Aufbereitungs-Anlage Fordo: Während die GBU-57 Standardbeton von 60 Metern durchdringen könne, sinke die Eindringtiefe bei doppelt so starkem Beton auf acht Meter, schreibt das Blatt.

„Für Trump geht es jetzt darum, das Gesicht zu wahren. Jetzt ist er in einer schwierigen Lage: Er wollte mit Iran verhandeln. Er wird den Israelis gesagt haben, dass er nicht will, dass sie angreifen. Und dann haben sie es trotzdem getan.“

John Bolton, Spiegel

Der Economist geht ergänzend davon aus, dass die kinetische Energie von 60 Metern Eindringtiefe lediglich erreicht würde mit Standardbeton – der einem Druck von 20 Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) standhalte. Laut dem Blatt habe der Iran wahrscheinlich schon ultrahochfesten Beton entwickelt beziehungsweise verbaut. Der Economist rechnet damit, dass dieser Beton das Sechsfache an Druck aushalten könne – ultrahochfester Beton muss generell 150 Newton pro Quadratmillimeter Druck standhalten.

Neben der kinetischen Energie durch Masse multipliziert mit Beschleunigung entfaltet eine Bombe Energie durch die Detonationswirkung: Eine Explosion von Sprengstoff entlade Gase, die sich mittels einer Druckwelle kugelförmig in alle Richtungen ausbreiteten. Von einer Detonation sei die Rede, „wenn die Druckwelle mit Überschallgeschwindigkeit voranprescht“, informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Iran: Wie stark und dick der iranische Beton ist, kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden

Laut dem Economist sei die Bombe auf maximale Wirkung hin konstruiert, allein schon aufgrund ihres schmalen Profils. Anders als Standard-Freifallbomben soll sie ihre Wirkung möglichst punktförmig konzentrieren. Der Großteil des Gewichts entfalle zudem auf die Ummantelung aus Stahl, um sie schwerer zu machen: „Die Hülle besteht aus einer speziellen, ultrastarken Legierung namens Eglin-Steel (benannt nach dem Luftwaffenstützpunkt in Florida, auf dem sie entwickelt wurde)“, schreibt das Blatt. Nur maximal drei Tonnen am Gesamtgewicht sollen auf den Sprengstoff entfallen.

„Wie stark und dick der iranische Beton ist und wie stark die amerikanische Bombe modernisiert wurde, kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden“, resümiert der Economist, laut einer Aussage von Gregory Vartanov, die der Rüstungstechniker 2021 im Magazin Aerospace & Defence Technology getätigt hat: Bomben aus Eglin-Stahl seien nicht stark genug, um den besten ultrahochfesten Beton zu knacken. Erschwerend käme hinzu, dass der USA wohl die Erfahrungswerte mit ihrer Spezialwaffe fehlten: „Offiziell haben die USA ihre größte konventionelle Bombe noch nie eingesetzt“, behauptet Patrick Hoeveler in der Flugrevue.

Israel-Iran-Krieg birgt Risiken: Zwei Bomben für Zerstörung von Fordo nötig?

20 Stück sollen die USA im Arsenal haben, jede zu einem Stückpreis von dreieinhalb Millionen US-Dollar. Die Waffe war bereits in den 1990er-Jahren angedacht worden und sollte ausländischen Mächten klarmachen, dass die USA sie bis in ihre tiefsten Entwicklungs- oder Depotbunker hinein vernichten könnten. Allerdings hat sich parallel zur Rüstungs- auch die Verteidigungstechnik entwickelt und die GBU-57 könnte bereits vor ihrem ersten Kriegseinsatz aus der Zeit gefallen sein.

Bunkerknacker-Revival unter Clinton

Obwohl bunkerzerstörende Waffen bereits im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden waren, sollen die Ursprünge der GBU-57 in die Amtszeit des 42. US-Präsidenten Bill Clinton fallen.

Entsprechend seiner Direktive PDD-60 sollten die USA imstande sein, als Reaktion auf Angriffe oder Vorbereitungen zu Angriffen, „inakzeptablen Schaden“ an den Vermögenswerten zu verursachen, die ein potenzieller Feind am meisten schätzt, wie die Federation of American Scientists aus der Direktive zitiert. Die US-Regierung und später auch die Nato gingen davon aus, dass „Schwellenländer der Dritten Welt“ den Besitz von ABC-Waffen anstrebten und diese entweder in unterirdischen Bunkern entwickelten oder dort lagerten. Die US-Militärs seien davon ausgegangen, dass sie von den geschätzten 10.000 Bunkeranlagen weltweit rund 90 Prozent mit ihren bisher entwickelten Waffen hätten ausschalten können.

Für die restlichen zehn Prozent fehlten Bomben, die zwei Eigenschaften besitzen sollten: Sie hatten als sogenannte Bunker-Buster-Bomben in einen unterirdischen Bunker einzudringen und als „Agent Defeat Weapon“ (ADW) (zu Deutsch: Mittel zur Zerstörung von Kampfstoffen) die dort deponierten Massenvernichtungsmittel des Gegners rückstandslos zu zerstören.

Als weitere Hürde erweist sich bis heute, dass die schließlich entwickelte GBU-57 Massive Ordnance Penetrator (MOP) so schwer geworden war, dass lediglich der B-2-Bomber die Waffe transportieren kann.

Quelle: Gerhard Piper, Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit

Das scheint als die hauptsächliche Schwierigkeit zu gelten, wie die Financial Times (FT) nahelegt: „Um Fordo zu zerstören, wofür die MOP ausdrücklich entwickelt wurde, wären wahrscheinlich mindestens zwei Bomben nötig, die jeweils genau dieselbe Stelle treffen“, sagt Robert Pape. Der US-Militärhistoriker will herausgefunden haben, dass viele Bombenangriffe in der Vergangenheit der USA unterblieben seien, weil der Nationale Sicherheitsrat schwerlich garantieren konnte, dass die Ziele komplett zerstört würden.

„Wie kann der Nationale Sicherheitsrat der USA im Fall Iran sicher sein, dass er alles bekommt?“, fragt Pape in der FT. Ihm zufolge sei dies das entscheidende Problem – das neben der Treffergenauigkeit die Schwierigkeiten des Anflugs beinhaltet. „Wir haben jetzt die vollständige und totale Kontrolle über den Luftraum über dem Iran“, schreibt Donald Trump aktuell auf seinem Kanal Truth Social. Was zunächst unbewiesen ist; der B-2-Bomber ist kein Kampfjet, der auf einem Radar ohne jegliche Signatur bleibt.

USA haben mit Militärschlag viel zu verlieren: „Für Trump geht es jetzt darum, das Gesicht zu wahren“

Um sicherzugehen, dass die angreifende Plattform ihr Ziel erreicht, müssen sowohl Radaranlagen als auch Luftabwehrbatterien des Gegners weitestgehend neutralisiert werden, warnt Pape. Ein einzelner B-2 Spirit Stealth-Bomber wird auf einen Stückpreis von mindestens zwei Milliarden US-Dollar geschätzt, 20 Maschinen haben die USA im Bestand, laut verschiedenen Medienberichten soll aktuell höchstens die Hälfte davon einsatzfähig sein. Sechs von diesen einsatzfähigen Maschinen seien auf die Insel Diego Garcia im Indischen Ozean verlegt worden, berichtete der Nachrichtensender CNN bereits im April.

Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert

Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv.
Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv. Ausgelöst werden sie vom Iron Dome, dem Raketenschutzschirm über Israel, der hier ballistische Geschosse aus dem Iran abfängt. © Ohad Zwigenberg/dpa
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran.
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran. © Ilia Yefimovich/dpa
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Raketenangriffe aus dem Iran
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran müssen immer wieder Gebäude und Bezirke in Tel Aviv und anderen Teilen Israels evakuiert werden. Diese Personen mussten ihr Wohnhaus in der israelischen Millionenmetropole aufgrund eines Raketeneinschlags verlassen. © Baz Ratner/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz in offiziellen Bunkeranlagen, von denen es im ganzen Land mehrere gibt. In Tel Aviv wurde eine Tiefgarage zu einem Luftschutzbunker für die Bevölkerung umfunktioniert. Eine Frau hat sich ihr Kind umgebunden und kühlt den Nachwuchs mit einem Hand-Ventilator, während sie auf das Ende der Raketenangriffe aus dem Iran wartet. © Baz Ratner/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – einem Vorort von Tel Aviv
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.  © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa

Wenn der Einsatz fehlschlage – entweder aufgrund des Abschusses des Trägers oder weil die MOP in ihrer Wirkung versagten – hätten sich die USA als Weltpolizist bis auf die Knochen blamiert. Was auch Trumps ehemaliger Sicherheitsberater aus dessen erster Amtszeit klar geäußert hat: „Für Trump geht es jetzt darum, das Gesicht zu wahren“, sagte John Bolton aktuell gegenüber dem Spiegel. „Jetzt ist er in einer schwierigen Lage: Er wollte mit Iran verhandeln. Er wird den Israelis gesagt haben, dass er nicht will, dass sie angreifen. Und dann haben sie es trotzdem getan.“

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