Baltikum: Experte ordnet Wladimir Putins unterschwelligen Krieg ein
VonPatrick Mayer
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Die NATO verstärkt ihre Ostflanke im Baltikum. Ein Experte erklärt russische Provokationen. Und was er von Wladimir Putin dennoch nicht erwartet.
Tallinn – Was plant Russlands Präsident Wladimir Putin neben dem Ukraine-Krieg noch? Während das verbündete Nordkorea in Russland für Probleme sorgt, gehen die Provokationen des Kreml gegen die NATO weiter, gegen den Westen, wie es Putin oft formuliert. Nicht zuletzt dort, wo auch die Bundeswehr stationiert ist – im Baltikum. Oliver Morwinsky, ein Experte für die Ostseeregion, erwartet weiter einen „Krieg unterhalb der Schwelle“ durch das russische Regime gegen die Verteidigungsallianz.
Die Festung liegt im russischen Iwangorod direkt an der Grenze zu Estland, die der Narwa-Fluss bildet. Moskau-Autokrat Wladimir Putin provoziert auch hier.
Morwinsky leitet für die Konrad-Adenauer-Stiftung das Büro im lettischen Riga. Von hier aus hat er die drei nach Größe und Einwohnerzahl recht kleinen baltischen Staaten im Blick. „Angriffe auf Unterseekabel und Pipelines sowie GPS-Jamming in der Ostsee und im Golf von Finnland sehen wir bereits. Wir hatten Pipeline- und Kabelschäden seit 2023 und eine klar steigende GNSS-Störungslage“, erklärt der Staatswissenschaftler auf Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA. GNSS steht für Global Navigation Satellite System und ist der Oberbegriff für alle satellitengestützten Navigationssysteme.
Bedrohung durch Wladimir Putin: Experte erwartet russische Provokationen in Estland
Russland gehe es darum, im Baltikum die „Wirtschaft zu schädigen, die Mobilität zu verlangsamen und die Gesellschaft zu verunsichern“, erzählt er. Zwar sei im südlichen Baltikum an der litauisch-polnischen Grenze die US-Militärpräsenz in Polen für Putin ein Problem. Gerade Estland im nördlichen Baltikum sei jedoch ein Ziel russischer Provokationen. Von hier sind die Amerikaner und die militärisch starken polnischen Landstreitkräfte vergleichsweise weit entfernt.
Morwinsky erwartet in Estland „kleinteilige Verletzungen der Grenzordnung, mittels Drohnen, Cyber und Desinformation“. Putins Ziel ist es seiner Ansicht nach, die „Handlungsfähigkeit Estlands“ und den Zusammenhalt der NATO zu „testen, ohne eine große Eskalation zu provozieren“, meint der Baltikum-Experte. Als gefährdet sieht er die Stadt Narwa mit ihren rund 52.000 Einwohnern, die am gleichnamigen Fluss direkt an der estnisch-russischen Grenze gegenüber der russischen Kleinstadt Iwangorod liegt.
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Als Beispiel für die hybride Kriegsführung durch die Russen dort nennt er den Vorfall, als Moskau im Mai 2024 „einseitig Navigationsbojen im Narva-Fluss“ entfernen ließ und anschließend „estnische Proteste ignorierte“. Es werde wohl auch künftig „graue Grenzprovokationen“ geben, wie er es nennt, einen konventionellen „Panzerkeil“ erwartet er dagegen nicht. Also, dass die russische Armee mit Panzerverbänden über Narwa in Richtung der nur 165 Kilometer entfernten Hauptstadt Tallinn vorstoßen könnte.
Bedenken wegen Wladimir Putin: Baltikum fühlt sich durch Russland bedroht
Obwohl die baltischen Armeen Schwachstellen aufweisen und zwischen Estland, Lettland und Litauen vor allem recht klein sind. Litauen hat schließlich nur rund 2,88 Millionen Einwohner, Lettland 1,86 Millionen und Estland 1,37 Millionen. Für die Abschreckung rät Morwinsky auf Anfrage von Merkur.de zu einer dichten Luftabwehr, einer schnellen Sperrfähigkeit von Straßen, Tiefenfeuer-Fähigkeiten mit Artillerie, geschützten Logistik-Knotenpunkten und zusammengefasst zu einer „sichtbaren NATO-Präsenz“. (Quelle: Eigene Recherche) (pm)