Experte über Russland-Angriff: Donald Trump würde für Wladimir Putin zum Problem
VonPatrick Mayer
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Nimmt Wladimir Putin das Baltikum ins Visier? Ein Experte schildert von einem Litauen-Szenario der Russen. Die deutsche Bundeswehr müsste dann kämpfen.
Vilnius – Was plant Kreml-Autokrat Wladimir Putin abseits von Ukraine-Krieg und russischer Atomwaffen-Drohgebärden? Diese Frage beschäftigt das Militärbündnis NATO intensiv, nicht zuletzt mit Blick auf das Baltikum und dessen Grenzen zu Russland sowie zu Belarus. Ein Experte zu den baltischen Ländern wähnt die Gefahr einer „Kneifzange aus Kaliningrad und Belarus“. Doch: Dann würde, Stand heute, plötzlich Donald Trump zum direkten Problem für Putin werden.
Denn: Dieser Experten-Einschätzung zufolge ist ein Szenario ein möglicher russischer Angriff über den Suwalki-Korridor - und somit über polnisches Territorium. Aber: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sind derzeit rund 10.000 US-Soldaten im Rahmen der NATO-Allianz in Polen stationiert. Die Suwalki-Lücke ist laut Oliver Morwinsky ein „65-Kilometer-Flaschenhals an der südlichen Grenze Litauens. Sie bleibt die Achillesferse der Region“, erklärt der Baltikum-Experte Merkur.de von IPPEN.MEDIA.
Angriff Russlands? Donald Trump macht Polen für Wladimir Putin zum Risiko
Der Staatswissenschaftler Morwinsky leitet das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Baltischen Staaten im lettischen Riga. Er gilt als Kenner der Ostseeregion. „Ein möglicher Angriff (Russlands, d. Red.) könnte über Polen kommen, mit entsprechenden Front-Befestigungen, die viele Kräfte bündeln würden“, meint er: „Das würde ein aktives Eingriffen der USA oder einer großen ‚Koalition der Willigen‘ erfordern.“ Um einen möglichen russischen Überfall hier an der Ostflanke zurückzuschlagen.
Der Suwalki-Korridor verläuft nahe der polnischen Kleinstadt Suwalken entlang der polnisch-litauischen Grenze zwischen der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad im Westen und Belarus im Osten, das mit dem Moskau-Regime verbündet ist. Luftlinie sind es 65,4 Kilometer, die Grenzlinie am Boden beträgt 104 Kilometer. Internationale Befürchtungen lauten, dass die russische Armee hier das Baltikum mit Litauen, Lettland und Estland in einem schnellen Militärschlag von den NATO-Partnern abschneiden könnte. In Litauen stehen auch Verbände der deutschen Bundeswehr.
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Störaktionen in Form von hybrider Kriegsführung gebe es bereits reichlich von der russischen Seite, erklärt der Baltikum-Experte und nennt als Beispiele „Drohnen am Flughafen, Schmugglerballons und Päckchen mit Sprengstoff“. Bezeichnend: Der Flughafen Vilnius musste in den vergangenen Wochen wegen der Sichtung größerer Ballons und größerer Drohne wiederholt vorübergehend den Betrieb einstellen. Auch dahinter soll den Einschätzungen aus Tallinn zufolge Russland stecken.
USA unter Donald Trump: Tausende Soldatinnen und Soldaten in Polen stationiert
Doch: Wird Trump für Putin zum Hindernis, während die Russen zeitgleich etwa in der Arktis expandieren? Der damalige polnische Präsident Andrzej Duda hatte die amerikanische Militärpräsenz in seinem Land Anfang 2023 sogar auf 11.000 US-Soldaten beziffert. Im April desselben Jahres wurde laut Security.Table ein Komplex für die langfristige Lagerung und Wartung von NATO-Ausrüstung in Polen eingeweiht.
Also für schwere Waffen. In sieben riesigen Hallen sind der Quelle zufolge seither etwa 2700 Panzer, schwere Artilleriesysteme und gepanzerte Transporter des Verteidigungsbündnisses untergebracht. Das soll der Militärallianz ermöglichen, im Falle eines russischen Überfalls schnell mit geschlossenen mechanisierten Verbänden darauf zu reagieren. Nicht überliefert ist dagegen, mit welchen Kapazitäten die Amerikaner unter Trump daran noch beteiligt sind.
An der NATO-Ostflanke: Donald Trump zieht US-Soldaten aus Rumänien ab
Nachdem drei russische MiG-31-Kampfjets am 19. September den Luftraum Estlands verletzt hatten, hatte Trump erstmals öffentlich militärischen Beistand der Amerikaner für das Baltikum zugesichert. Jüngst hatte dagegen für Aufregung gesorgt, dass die USA ihr Truppenkontingent an der NATO-Ostflanke in Rumänien verkleinern werden. Was andere NATO-Verbündete auffangen sollen.
Für Polen sind derartige Pläne aus Washington nicht bekannt. Die jüngsten russischen Provokationen seien „Teil der hybriden Kriegsführung Putins und ein klassischer Schwellentest unterhalb des heißen Krieges“, erklärt Morwinsky Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Eine größere militärische Konfrontation erwartet er vorerst nicht. (Quellen: Anfrage an Oliver Morwinsky, DW, Security.Table) (pm)