Zu hohe Ausgaben

Bayerns Städte bald am Finanz-Abgrund? CSU-Politiker fordert mehr Geld von Söder

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Hohe Ausgaben und eine angespannte Wirtschaftslage: Viele bayerische Kommunen kommen an ihre Grenzen. Der Städtetag äußert eine deutliche Forderung an die Regierung.

München - Bayerns Städte und Gemeinden schlagen Alarm: Nach eigener Rechnung steuern sie auf eine zunehmend gefährliche Finanzlage zu. „Die Einnahmen der Kommunen gehen bereits jetzt zurück, die Ausgaben steigen rapide und übermäßig. Die Rahmenbedingungen verschärfen sich enorm“, stellte der Vorsitzende des bayerischen Städtetags und Straubinger Oberbürgermeister, Markus Pannermayr (CSU), am Mittwoch in München fest.

Bayerischer Städtebund fordert mehr Geld von Söders Regierung

Kommunale Haushalte würden vereinzelt bereits in bedrohliche Schieflagen rutschen. In Städten wie Straubing und Ingolstadt müssten schon Haushaltssperren verhängt werden. Vom Freistaat, unter Regierungschef Markus Söder, fordern die Kommunen deswegen deutlich mehr Geld. „Inzwischen ist in vielen Städten und Gemeinden ein Schmerzpunkt erreicht“, so Verbandschef Pannermayr.

In einer Pressemitteilung beschreibt der bayerische Städtetag die Finanzlage der Kommunen. Auf den ersten Blick suggerierten demnach die reinen Zahlen von Steueraufkommen und Finanzausgleichsvolumen eine stabile Finanzlage. Doch auf den zweiten Blick zeige sich, dass die Steuereinnahmen stagnierten, die Ausgaben aber weiter steil ansteigen würden. Hinzu komme, dass wegen der angespannten Wirtschaftslage ein rückläufiges Steueraufkommen zu erwarten sei.

Ausgaben steigen um mehr als zehn Prozent an

Laut Angaben des Verbands verzeichnen Bayerns Städte und Gemeinden aktuell einen massiven Anstieg bei den Ausgaben um mehr als zehn Prozent. Das Finanzierungsdefizit habe daher im ersten Halbjahr 2023 bereits bei „ungewöhnlich hohen“ drei Milliarden Euro gelegen. 2024 werde sich die Situation wegen des Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst und weiter steigenden Sozialausgaben weiter verschärfen.

In vielen bayerischen Kommunen gehen die Einnahmen zurück, während die Ausgaben steigen.

Ein weiterer Grund für weniger Spielräume bei kommunalen Investitionen ist laut Pannermayr die Inflation. Zusätzlich kommen auch neue Aufgaben und Ausgaben auf die Kommunen zu, wie beispielsweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder und der Erhalt vieler defizitärer Krankenhäuser. „Es ist eine dramatische Fehlentwicklung, wenn regionale Gesundheitsversorgung aus städtischen Haushalten am Leben erhalten werden muss. Kommunen dürfen nicht zu Ausfallbürgen werden, die Defizite übernehmen müssen“, so der CSU-Politiker.

In Ingolstadt steigt die Verschuldung auf einen Millionenbetrag

Auch Eva Weber (CSU), Oberbürgermeisterin von Augsburg, sieht Kommunen vor zahlreichen Herausforderungen, die sie nicht selbst in der Hand hätten. Höhere Ausgaben und neu zugeteilte Aufgaben, wie höhere Bedarfe in der Jugendhilfe, brächten Kommunen, insbesondere die kreisfreien Städte, zunehmend an ihre finanziellen Grenzen, so Weber. „Wir brauchen daher mehr staatliche Hilfe und praxisnahe Förderverfahren.“

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Und auch in Ingolstadt scheint sich die Lage deutlich zum Schlechteren entwickelt zu haben. Bisher sei es die einzige Großstadt Bayerns gewesen, die keine Schulden hat, so Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD). Doch nun habe sich die finanzielle Lage dort dramatisch zugespitzt. „Bis 2027 müssen wir im städtischen Haushalt 100 Millionen Euro einsparen, gleichzeitig steigt unsere Verschuldung von null auf einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag“, so Scharpf. Ein Ausgleich des Verwaltungshaushaltes werde nur mit deutlichen und spürbaren Leistungseinschränkungen möglich sein, erklärte der SPD-Politiker.

Kommunen sollen mit mehr Geld handlungsfähig bleiben

Der bayerische Städtetag fordert deswegen für 2024 einen starken kommunalen Finanzausgleich. „Der Freistaat muss gerade unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen mehr zusätzliche Mittel in das Finanzausgleichssystem geben, damit Kommunen handlungsfähig bleiben“, betonte Verbandschef Pannermayr. Das sei kein Gnadenakt von Staatsregierung und Landtag, sondern die Basis, damit Kommunen ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen könnten.

In den vergangenen Jahren war der kommunale Finanzausgleich in Bayern stetig angewachsen. Der umfasst einen Großteil der Finanzbeziehungen zwischen dem Freistaat Bayern und seinen Kommunen (Gemeinden, Landkreise und Bezirke) sowie der Kommunen untereinander. 2022 betrug er stolze 11,3 Milliarden Euro. Inzwischen sind die finanziellen Spielräume des Freistaats aber massiv eingeschränkt. Auch hier sagen die Steuerschätzungen rückläufige Einnahmen voraus. (alm/dpa)

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