Bedenken in Libyen und Italien - Putin-Schiff auf Syrien-Heimweg gestrandet
VonErkan Pehlivan
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Ein russisches Handelsschiff scheint vor der Küste Portugals in Not geraten zu sein. An Bord befinden sich Waffen und russische Soldaten, die aus Syrien evakuiert wurden.
„Das Frachtschiff Sparta, das Russland zur Evakuierung seiner Waffen und Ausrüstung aus Syrien entsandt hat, ist während der Fahrt havariert – die Treibstoffleitung des Hauptmotors ist ausgefallen“, zitiert das Magazin den ukrainischen Geheimdienst HUR. „Die russische Besatzung versucht, das Problem zu beheben und treibt auf dem offenen Meer in der Nähe von Portugal“, heißt es in dem Bericht.
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Libyen fürchtet Verlegung von Russland-Waffen ins eigene Land
In Libyen ist die Angst groß, dass Russland seine Waffen in das nordafrikanische Land verlegt. Der libysche Regierungschef Abdulhamid Dbeibah warnt davor, dass sich sein Land in ein „Schlachtfeld“ verwandeln könnte. „Wir haben Bedenken, dass internationale Konflikte nach Libyen verlagert werden und das Land zu einem Schlachtfeld wird“, sagte Dbeibah am Donnerstag vor der Presse. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte gegeben, wonach russische Streitkräfte militärische Ausrüstung vom russischen Marinestützpunkt Tartus und dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien in den Osten Libyens verlegen, wo Russland seit Jahren eine rivalisierende Regierung unterstützt.
In dem afrikanischen Bürgerkriegsland herrschen seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt, bewaffnete Milizen und ausländische Söldner bekämpfen sich. Die von der UN anerkannte Übergangsregierung in der Hauptstadt Tripolis im Westen ringt mit einer Gegenregierung im Osten in der Stadt Bengasi um die Macht. Moskau unterhält enge Beziehungen zu der östlichen Regierung. „Niemand, der auch nur einen wenig Patriotismus besitzt, möchte, dass eine ausländische Macht ankommt und ihre Hegemonie und Autorität über das Land und die Menschen ausübt“, sagte Dbeibah. „Dass Kräfte mit Gewalt und gegen den Willen des libyschen Volkes eindringen, lehnen wir strikt ab“, fügte er hinzu.
Offenbar verlegt Russland seine Kriegsschiffe aus Tartus (Syrien) nach Libyen. Bei dem derzeit gestrandeten Schiff handelt es sich um ein Frachtschiff. (Symbolfoto)
Italien besorgt über Russlands Pläne im Mittelmeerregion
Auch in Italien wird man angesichts der russischen Waffen in Libyen nervös. Verteidigungsminister Guido Crosetto hatte erklärt, dass „Moskau Ressourcen von seiner syrischen Basis in Tartus nach Libyen transferiert“. „Das ist keine gute Sache“, sagte Crosetto am Mittwoch der Zeitung La Repubblica. Russische Schiffe und U-Boote im Mittelmeer seien „ein Grund zur Besorgnis, vor allem, wenn sie nur ein paar Schritte von uns entfernt sind“, fügte er hinzu.
Russland verlegt beretis Teile von Luftabwehr aus Syrien nach Libyen
Russland hat nach Medienberichten und Angaben aus Militärkreisen seine Luftabwehr aus Syrien teils ins nordafrikanische Bürgerkriegsland verlegt. Ein Ex-Offizier unter Assad berichtete der Deutschen Presse-Agentur, einige der Anlagen und auch Panzer seien in das vom abtrünnigen General Chalifa Haftar beherrschte Ostlibyen verlegt worden. Den Abzug der Luftabwehr bestätigte auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zuerst hatte das Wall Street Journal unter Berufung auf amerikanische und libysche Quellen darüber berichtet.
Die Stützpunkte Tartus und Hmeimim waren für die Aktivitäten des Kreml in Afrika und im Nahen Osten von zentraler Bedeutung. Mit dem Sturz von Assad am 8. Dezember ist die Zukunft der Stützpunkte jedoch unklar. Russland hatte noch bis vor wenigen Wochen die Rebellen und syrische Städte immer wieder aus der Luft angegriffen. Ein dauerhafter weiterer Verbleib russischen Militärs ist in Syrien daher unwahrscheinlich. (erpe/dpa/AFP)