Befragungen offenbaren: Harris jetzt in zwei Swing States vor Trump - hier winken 35 Wahlleute
VonMarcus Giebel
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Bei der US-Wahl 2024 stehen die Swing States im Fokus. Nach neuesten Erhebungen hat Kamala Harris in zwei dieser Bundesstaaten die Nase vorn.
New York – Kamala Harris und Donald Trump steuern womöglich auf eine historisch knappe US-Wahl zu. Die Entscheidung fällt am 5. November. Bis dahin wird sich vieles oder sogar fast alles um die Swing States drehen, die das Zünglein an der Waage sind. Hier wechseln die Mehrheiten zwischen Demokraten und Republikanern häufiger, keine Partei kann fest mit den dortigen Wahlleuten planen.
Zu diesen besonders umkämpften Bundesstaaten zählen auch Pennsylvania und North Carolina. In beiden scheint sich Harris einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Ex-Staatsoberhaupt erarbeitet zu haben. Dies geht aus Umfragen des US-Senders Fox hervor, die zwischen dem 20. und 24. September stattfanden. Allerdings bleiben die Ergebnisse weiter knapp.
Umfrage vor US-Wahl: Harris erkämpft sich knappen Vorsprung vor Trump
Laut der Erhebung in Pennsylvania führt die Demokratin bei den registrierten Wählern mit 50 zu 48 Prozent. Dagegen liegen Harris und Trump unter den wahrscheinlichen Wählern – also jenen Wahlberechtigten, die auch tatsächlich wählen gehen wollen – gleichauf bei 49 Prozent.
Im Juli hatte eine Umfrage ergeben, dass beide jeweils auf 49 Prozent kommen. Die Erhebung fand damals statt, nachdem Joe Biden seinen Rückzug aus dem Rennen erklärt hatte, Harris aber noch nicht offiziell von der Partei ins Rennen geschickt worden war. Im März hatte Trump, dessen Kampagne auch im eigenen Lager immer kritischer betrachtet wird, noch einen Vorsprung von 49 zu 47 Prozent im Vergleich mit dem Amtsinhaber aufgewiesen.
Vor allem bei drei Gruppen schnitt Harris seit Juli überzeugend ab: Bei Frauen baute sie ihren Vorsprung um neun Punkte aus, bei Nichtweißen um acht Punkte und bei Unter-30-Jährigen sogar um 17 Punkte. Außerdem kann sie vor allem auf Hochschulabsolventen und städtische Wähler bauen.
Harris und Trump in Pennsylvania: Republikaner schneidet bei Themen Migration und Wirtschaft ab
92 Prozent von Harris‘ Wählern sind sich bereits sicher, wie sie abstimmen, bei Trump sind es 86 Prozent. Der vielleicht streitbarste Präsident der US-Geschichte kann in erster Linie auf Männer, Weiße ohne Hochschulabschluss, Unabhängige und Wähler in ländlichen Gebieten bauen. Bei Männern und der kleinen Gruppe der Unabhängigen verdoppelte der 78-Jährige seinen Vorsprung seit Juli fast.
„Pennsylvania bricht nicht auseinander und das sollte man auch nicht erwarten“, wird der demokratische Meinungsforscher Chris Anderson zitiert, der die Fox-Umfragen gemeinsam mit dem Republikaner Daron Shaw durchführt: „Beide Kandidaten haben noch einen kleinen Weg vor sich, um ihre Basis zu konsolidieren, und derjenige, der dort besser abschneidet, könnte darüber entscheiden, wer den Staat gewinnt.“
Trump wird von den Bürgern in Pennsylvania, wo im Juli das erste Attentat auf ihn verübt wurde und vor wenigen Wochen die TV-Debatte beider Kandidaten stattfand, bei zwei von drei Top-Themen mehr zugetraut als Harris. Hinsichtlich der Frage der Migration und der Grenzsicherheit kommt er auf 57 Prozent, sie auf 40 Prozent. Beim Thema Wirtschaft liegt der Republikaner mit 52 zu 46 Prozent vorne. Geht es um die Frage nach den Abtreibungs-Regeln, erhält er dagegen nur 38 Prozent Zustimmung, hier ist Harris mit 59 Prozent deutlich voraus.
Harris und Trump in North Carolina: Demokratin dreht Rückstand laut Umfrage in Vorsprung
In North Carolina ist der 59-Jährigen laut der Fox-Umfrage sogar ein Umschwung gelungen. Noch vor einem Monat führte Trump dort mit 50 zu 49 Prozent, nun ist Harris ihm bei den registrierten Wählern mit 50 zu 48 Prozent voraus. Anders sieht es hingegen bei den wahrscheinlichen Wählern aus, denn hier verzeichnet Trump 50 Prozent, während die Demokratin auf 49 Prozent kommt.
Das Gesamtbild verändert sich nur leicht, wenn auch Kandidaten anderer Parteien einbezogen werden. In diesem Fall würde Harris unter registrierten Wählern um einen Punkt vorne liegen, bei wahrscheinlichen Wählern wäre Trump zwei Punkte in Führung. Auf die übrigen Kandidaten entfielen jeweils drei Prozent der Stimmen.
USA vor der Präsidentschaftswahl: Beim Thema Migration deutlich größeres Zutrauen in Harris
Harris kann in North Carolina besonders auf Schwarze, Städter und Frauen mit Hochschulabschluss zählen, Trump dagegen auf Weiße – vor allem Männer – ohne Hochschulabschluss, ländliche Wähler und weiße Evangelikale. Interessant: Bei der kleinen Gruppe der Unabhängigen schneidet Harris um sieben Punkte besser ab.
92 Prozent der Harris-Anhänger haben sich bereits fix entschieden, auf Trumps Seite sind es 89 Prozent der Supporter. Die Tendenz bei den drei großen Themen ist die gleiche wie in Pennsylvania. Trump schneidet in Fragen der Migration und der Grenzsicherheit mit 56 Prozent besser ab als Harris, die auf 41 Prozent kommt. Im Hinblick auf die Wirtschaft liegt der Republikaner 52 zu 45 Prozent in Führung, bei den Gesetzen zur Abtreibung trauen die Wähler Harris mit 56 zu 40 Prozent deutlich mehr zu.
US-Wahl 2024: Trump oder Harris – diese Promis beziehen Stellung
Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass ihr Vorsprung in den beiden neuen Erhebungen innerhalb der Fehlertoleranz liegt, die Fox mit drei Prozentpunkten angibt. Sicher ist nur, dass sich weder Harris noch Trump sicher sein können, in einem der beiden Bundesstaaten vorne zu sein und damit alle Wahlleute abzugreifen.
US-Wahl im November: Harris und Trump benötigen mindestens 270 Wahlleute
Pennsylvania liefert diesmal statt 20 nur noch 19 Wahlleute für das Electoral College. Der Bundesstaat ging vor vier Jahren an Biden und bei den vergangenen vier Präsidentschaftswahlen stets an den Kandidaten, der auch insgesamt gewann. Somit sollte es ein besonders gutes Omen sein, hier vorne zu liegen. North Carolina, das von 15 auf 16 Wahlleute aufstockt, war hingegen seit 2012 fest in der Hand der Republikaner, Trump kennt hier folglich nur eigene Siege.
Insgesamt umfasst das Electoral College, das letztlich offiziell den Präsidenten wählt, 538 Wahlleute. Damit sind 270 von ihnen nötig, um die Amtsgeschäfte von Biden übernehmen zu dürfen. Die meisten gibt es mit 54 in Kalifornien, dann folgen Texas mit 40, Florida mit 30 und der Bundesstaat New York mit 28. Die fünftmeisten weist schon Pennsylvania auf – gleichauf mit Illinois. (mg)