Bei „Klartext“ im ZDF: Weidel legt sich live in Sendung mit Zuschauern an
VonSimon Schröder
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Alice Weidel muss in der ZDF-Sendung „Klartext“ mit viel Gegenwind rechnen. Vor allem bei der Pflege und Migration wird Weidel ungehalten.
Berlin – In der ZDF-Sendung „Klartext“ dürfen die Bürgerinnen und Bürger den Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl Fragen stellen. Vor allem Alice Weidel musste sich eine kritische Frage nach der anderen gefallen lassen. Während die Kanzlerkandidatin der AfD zunächst noch sehr bemüht war, gelassen zu bleiben, wird Weidel im Verlauf der Sendung zunehmend konfrontativ. Bei einem Fragensteller wirkte sie sichtlich entnervt und warf dem Bürger vor, er habe seine Frage auswendig gelernt.
Bodo de Vries, ein Pflegeheimleiter aus Bielefeld, schreckte nicht vor der Konfrontation mit Weidel zurück. De Vries hatte eine Angestellte mitgebracht, eine Pflegekraft, die aus Georgien kommt. Obwohl die Frau im Gesundheitssektor in Deutschland arbeitet, wurde ihr Asylantrag abgelehnt – und das trotz des Personalmangels in der Pflege. Weidel sagte, wenn es nach dem Ansatz der AfD ginge, hätte die Pflegekraft nie einen Asylantrag stellen brauchen, sondern einfach über den Arbeitsmarkt einwandern können. „Sie hätten einfach nach Deutschland kommen können und ihren Job machen.“
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Pflegeheimleiter gibt Weidel bei „Klartext“ Kontra: „Mir reichen ihre Antworten nicht“
Von dem Pflegeheimleiter gab es mächtig Gegenwind: „Frau Weidel, mir reichen aber ihre Antworten nicht und die Wertschätzung, die bei ihnen rüberkommt, das ist nicht das, was ich von ihrer Partei erlebe. Ich erlebe genau das Gegenteil von Wertschätzung.“ De Vries warnte vor einem Zusammenbruch des Pflegesystems, sollte die Migration nach Deutschland ganz abbrechen.
Anmerkung: Die beschriebene Szene mit Alice Weidel beginnt ab 1:47 Std.
„Die Deutsche Altenhilfe und Pflege kämpft ums Überleben. Wir werden weniger in Zeiten, in denen wir mehr werden müssten.“ Weiter mahnte er: „Wir brauchen mehr Migration und nicht weniger und das hat mit Remigration, für die sie stehen, überhaupt nicht zu tun.“ Für die Antwort von Bodo de Vries gab es lauten Applaus im Publikum. Und Weidel wurde ungehalten.
Weidel in ZDF-Sendung „Klartext“ genervt - AfD-Wahlprogramm eine „absolute Enttäuschung“
Auf die Ansage von de Vries sagte die AfD-Politikerin genervt: „Da müssen sie einfach nur unser Programm lesen.“ Doch so einfach machte es der Pflegeheimleiter Weidel nicht. Ihr Wahlprogramm sei grade bei dem Thema Pflege eine „absolute Enttäuschung“. Im Bereich der Sozialpolitik und Altenhilfe sei das AfD-Wahlprogramm laut de Vries ein vollständiger Ausfall.
Auf die Frage, welche konkrete Antwort die AfD auf die Herausforderungen der Altenpflege habe, wurde Weidel zunehmend ungehalten und sagte: „Ich will ihnen gar nicht zu nahe treten, ich habe den Eindruck, dass sie mir nicht zugehört haben. Dass sie unser Wahlprogramm nicht gelesen haben und dass sie das, was sie gerade sagen, auswendig gelernt haben.“ Im Publikum war ein deutliches Raunen und vereinzelte „Buhrufe“ zu hören. „Ich habe eben gesagt, dass qualifizierte Zuwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt herzlich willkommen sind.“ Somit wäre sein Personalproblem auch gelöst, behauptete Weidel weiter. Dann setzte Weidel noch eins drauf: „Und dann müssen sie die Leute noch ordentlich bezahlen, dann haben sie auch kein Fachkräftemangel.“
Nächster Streitpunkt mit Weidel bei „Klartext“ sind die Windkraftwerke
Die Debatte ging auch beim nächsten Thema hitzig weiter. Ein Bürgerwindparkbetreiber zeigte Weidel die wirtschaftlichen Vorteile der Windkraft auf. Weidel, die zuvor immer wieder betont hatte, sie wolle Windkraftwerke in Deutschland abbauen, erklärte, die AfD wolle die Subventionspolitik beenden und „zur Kernkraft zurückkehren“. Weidels Argument für die Kernkraft ist billiger Strom. Doch der Betreiber des Bürgerwindparks rechnete Weidel vor, wie viel günstiger der Strom aus den erneuerbaren Energien sei. Bei einer Zwischenfrage sagte Weidel an den Fragensteller gerichtet: „Regen sie sich nicht so auf hier.“
Das erste richtige Quadrell der vier Kanzlerkandidaten steht am 16. Februar auf RTL an. Hier dürfen sich Robert Habeck (die Grünen), Olaf Scholz (SPD), Alice Weidel und Friedrich Merz (CDU) direkt begegnen und diskutieren. Die Bundestagswahl am 23. Februar rückt immer näher. (sischr)