Jubel bei der Linken, Entsetzen beim BSW: Partei stürzt Wagenknecht in die Bedeutungslosigkeit
VonFelix Busjaeger
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Großer Erfolg für Die Linke bei der Bundestagswahl. Prognosen und Hochrechnungen sprechen für ein starkes Ergebnis für die Partei. Das BSW wurde weit abgehängt.
Berlin – Eigentlich war Die Linke vor der Bundestagswahl totgesagt: Nach internen Reibereien und der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) rechneten viele Beobachter nicht mehr damit, dass die Partei höchstwahrscheinlich den Einzug ins Parlament verpassen wird. Doch dann startete die Aufholjagd: Mit Heidi Reischinnek und der Mission Silberlocke startete die Linke in den Wahlkampf und schaffte am Ende laut Prognosen und Hochrechnungen der Bundestagswahl einen Überraschungssieg – und kann sich deutlich vom BSW absetzen.
Linken-Chef und Spitzenkandidat Jan van Aken hat sich begeistert über das Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl geäußert. „Die Linke lebt“, sagte er vor einer jubelnden Menge in Berlin. Beim BSW war die Stimmung verhalten. BSW-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht gab sich dennoch begeistert vom Wahlkampf ihrer Anhänger. „Wir werden noch zittern müssen“, sagte Wagenknecht in Berlin. Aber unabhängig davon, wie es am Ende ausgehe, sei es ein toller Wahlkampf gewesen. „Ihr habt das großartig gemacht!“
Bei Bundestagswahl: Gewinnerin Linke mit großem Erfolg – BSW abgeschlagen
Um kurz nach 18 Uhr zeigten bereits die Prognosen, dass Die Linke zu den großen Gewinnern der Bundestagswahl gehört. Bei der Bundestagswahl sind CDU und CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Friedrich Merz klar stärkste Kraft geworden. Auf Platz zwei kommt nach den 18-Uhr-Prognosen und den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF die AfD. Die SPD liegt leicht vor den Grünen. Die Linke schafft klar den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.
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Die FDP muss dagegen um die Rückkehr in den Bundestag bangen. Das gilt auch für das BSW, eine Abspaltung von der Linken. Auch die erste Hochrechnung des ZDF bestätigt den Trend: SPD kommt auf 16,3 Prozent, Union auf 28,6 Prozent und Grüne auf 12,4 Prozent. Die Linke erreicht demnach 8,9 Prozent und die AfD auf 20,1 Prozent. FDP und BSW erreichen beide 5 Prozent und müssen weiter zittern.
Erfolg der Linken bei Bundestagswahl: Hohe Wahlbeteiligung von über 80 Prozent
Die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl ist laut Prognosen von ARD und ZDF auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Laut Schätzungen des Instituts Infratest dimap für die ARD am Sonntag lag sie bei 84 Prozent, die Forschungsgruppe Wahlen gab für das ZDF einen Wert von 83 Prozent an.
an van Aken (Die Linke), Parteivorsitzender, und Heidi Reichinnek (Die Linke), Spitzenkandidatin und Co-Vorsitzende der Bundestagsgruppe, jubeln bei der Wahlparty der Partei Die Linke im Glashaus. Am Sonntag fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt.
Höher war die Wahlbeteiligung mit 84,3 Prozent zuletzt 1987. Bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 76,4 Prozent, also etwa sieben bis acht Prozentpunkte niedriger als nun laut Prognosen erwartet. Eine hohe Wahlbeteiligung hatte sich laut Zwischenständen der Bundeswahlleitung bereits den Sonntag über abgezeichnet.
Prognosen der Bundestagswahl: Erfolg der Linken – BSW muss zittern
Nach den Prognosen der Bundestagswahl von ARD und ZDF verbessern sich CDU und CSU auf 28,5 bis 29 Prozent (Wahl 2021: 24,1 Prozent). Die AfD mit Spitzenkandidatin Alice Weidel kann ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl quasi verdoppeln auf 19,5 bis 20 Prozent (2021: 10,4 Prozent). Die SPD von Kanzler Olaf Scholz stürzt auf ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949 ab und landet bei 16 bis 16,5 Prozent (2021: 25,7).
Die Grünen mit Kanzlerkandidat Robert Habeck bleiben dagegen in etwa stabil bei 12 bis 13,5 Prozent (2021: 14,7). Die Linke verbessert sich deutlich auf 8,5 bis 9 Prozent (2021: 4,9). Sie kommt damit klar wieder ins Parlament. Für die FDP mit 4,9 bis 5 (2021: 11,4) und das BSW mit 4,7 bis 5 Prozent ist der Einzug in den Bundestag dagegen wackelig.
Erfolg bei Bundestagswahl: Die Linke mit Triumph – Erste Reaktionen
Der Erfolg von Die Linke bei der Bundestagswahl riss auch den Partei-Chef Jan van Aken zu einer ersten Reaktion hin. Der Politiker zeigte sich angesichts der ersten Prognosen sehr erfreut. „Es ist ein großartiger Erfolg“, sagte er am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP. „Wir sind als Underdog gestartet und stehen nun stärker da als vorher.“ Die Strategie der Partei, „an der Seite der Menschen für die Themen zu kämpfen, die sie wirklich bewegen“, sei aufgegangen.
Van Aken betonte kurz nach dem Ende der Bundestagswahl: „Wir haben sehr viel richtig gemacht.“ Die nächste Bundesregierung werde auf eine starke linke Opposition treffen, auf eine Bundestagsfraktion mit klarem Fokus auf soziale Gerechtigkeit, bezahlbare Mieten und Preise. „Wir werden die Regierung nicht in Ruhe lassen“, kündigte der Linken-Chef an. „Wir werden sie unter Druck setzen, bis sie endlich eine sozialere Politik macht.“
Koalition mit Linke nach Bundestagswahl? Erfolg motiviert van Aken
Bereits vor wenigen hatte van Aken im Falle eines Einzugs seiner Partei in den Bundestag seine grundsätzliche Bereitschaft für eine Regierungsbeteiligung signalisiert. „Leute, wenn es reicht am Sonntagabend: Ich bin zu Koalitionsgesprächen bereit“, sagte van Aken beim Wahlkampfendspurt seiner Partei in einer Kinohalle im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Dass Die Linke auf so einen Erfolg bei der Bundestagswahl kam, zeichnete sich zuletzt bereits ab: Auch die letzten Umfragen vor der Bundestagswahl deuteten gute Werte für die Partei an.
Die Linken-Spitzenkandidatin Reichinnek sah zuletzt für den aktuellen Erfolg ihrer Partei verschiedene Gründe. Unter anderem betonte die Politikerin gegenüber FAZ die verbesserte Kommunikation der Partei. Die Linke rede nicht nur, so Reichinnek und verwies auf Angebote wie eine Sozialberatung, einen Miet- oder Heizkostenrechner und weiteres. Auch Linken-Chefin Schwerdtner hatte gegenüber RTL und ntv klargemacht, dass die Spitzenkandidaten Reichinnek und auch van Aken seien sehr glaubwürdig. Die Parteiführung wirke wieder „fröhlich und nach außen gewandt“.
Erfolg für Linke bei Bundestagswahl: BSW deutlich abgehängt
Vor der Bundestagswahl hatten Die Linke viele schon abgeschrieben. Nach den Erfolgen des BSW von Sahra Wagenknecht auf Landesebene wurden ihrer Ex-Partei nur noch geringe Chancen bei der Bundestagswahl eingeräumt. Die Diskussion um die „Brandmauer“ zur AfD und eine clevere Kampagne hat ihr aber ein Comeback ermöglicht. Mit 8,5 bis 9 Prozent steht sie nun auf Platz fünf. Das BSW muss dagegen um den Einzug ins Parlament bangen. Eine Regierungsbeteiligung der beiden Parteien gilt aber ohnehin als ausgeschlossen: Für ein Bündnis von SPD, Grünen, der Linken und dem BSW reicht es nicht. (fbu mit Agenturen)