Sexuelle Belästigung bei der Armee

Bundeswehr-Kommandeur überraschend suspendiert - nun werden Hintergründe bekannt

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Das Verteidigungsministerium suspendiert einen General. Er soll einen Soldaten sexuell belästigt haben.

Berlin – Der Kommandeur des Zentrums Innere Führung der Bundeswehr, Markus Kurczyk wurde am Wochenende überraschend von seinem Posten suspendiert. Nun werden Hintergründe publik: Rund einer Woche zuvor soll er nach Informationen des Spiegel versucht haben, einen Bundeswehrsoldaten gegen seinen Willen auf den Mund zu küssen.

Der mutmaßliche Übergriff soll sich am Rande der Sportveranstaltung „Invictus Games“ in Düsseldorf ereignet haben. Bereits am Freitag war dem Nachrichtenmagazin zufolge eine Beschwerde über Generalmajor Kurczyk beim Bundesverteidigungsministerium eingegangen.

Wehrbeauftragte: Strukturelle Probleme im Umgang mit Sexualdelikten bei der Bundeswehr

Boris Pistorius bei einem Besuch im Baltikum.

Erst Anfang des Monats hat das Verteidigungsministerium neue Richtlinien zum Umgang mit sexueller Belästigung ausgegeben. Der Tenor: Jede Form sexueller Belästigung stelle „einen schwerwiegenden Angriff auf die Würde und die körperliche Integrität der betroffenen Person“ dar. Umsetzen sollte die Maßgabe insbesondere Generalmajor Kurczyk. Das Zentrum in Koblenz ist eine Ausbildungseinrichtung und besonders der Führungskultur der Bundeswehr verpflichtet.

Die Führung des Zentrums übernimmt nun der dortige Stabschef Oberst Thomas Berger. Das teilte das Verteidigungsministerium am Samstag,(23. September) mit.

Belästigungen bei der Bundeswehr: Schon der zweite Fall binnen weniger Wochen

Bewahrheiten sich die Vorwürfe gegen Kurczyk, so wäre dies schon der zweite Fall mutmaßlicher sexueller Belästigung durch einen Bundeswehrgeneral, der in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit kommt. Ein-Sterne-General Frank Reiland wird vorgeworfen, anzügliche Bemerkungen gegenüber einer Praktikantin gemacht zu haben. Boris Pistorius‘ (SPD) Staatssekretär Nils Hilmer soll davon gewusst und Reiland trotzdem befördert haben. Das berichtete der Business Insider. Reiland entschuldigte sich wenig später über seine Anwältin und gestand sein Fehlverhalten öffentlich ein.

Die Bundeswehr hat ein Problem im Umgang mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt: 34 Klagen und 357 Verdachtsmeldungen auf Sexualdelikte gingen 2022 bei der Wehrbeauftragten des Bundestages Eva Högl (SPD) ein. Die Wehrbeauftragte verwies darauf, dass die Dunkelziffer „sehr viel höher“ sei, da es bei der Bundeswehr besonders ausgeprägte Machtgefälle gebe.

In Ihrem Jahresbericht 2022 kritisierte Högl, dass Disziplinarverfahren verschleppt würden und die Opferschutzvorschriften des Strafrechts bei Militärgerichten nicht gelten. So könnten Betroffene nicht erfahren, zu welchem Ergebnis Ermittlungen und Verfahren vor dem Truppendienstgericht kommen. All das sei zur „Bewältigung und Aufarbeitung der Tat“ wichtig. (kibec)

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

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