Gründe für Entscheidung unklar

Bundeswehr-Kommandeur plötzlich von Aufgaben entbunden

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Bei der Bundeswehr wurde ein Kommandeur überraschend von seinen Aufgaben entbunden. Er leitete zuletzt das Zentrum für Innere Führung.

Berlin – Überraschende Personalentscheidung bei der Bundeswehr: Der Kommandeur des Zentrums Innere Führung der Bundeswehr, Generalmajor Marcus Kurczyk, ist von Generalinspekteur Carsten Breuer vorläufig von seinen Aufgaben entbunden worden. Das teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in Berlin mit. Gründe wurden nicht genannt. Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP hielt sich das Ministerium bedeckt. Breuer habe die Entscheidung selbst getroffen. Ein Sprecher äußerte, dass die Bundeswehr zu Personalentscheidungen generell keine näheren Angaben mache.

Erst im vergangenen Jahr hatte der 58-jährige Kurczyk den Posten in Koblenz übernommen. Zuvor war er Kommandeur des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin gewesen. Das Zentrum Innere Führung bildet militärische Führungskräfte in Lehrgängen zur Führungskultur der Streitkräfte und zu den ethischen Grundlagen des Soldatenberufes aus und weiter. Überraschende Entlassungen gab es zuletzt bereits bei der Bundeswehr: Der Kommandeur des Wachbattalions und sein Stellvertreter müssen gehen – wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung.

Generalmajor Markus Kurczyk ist seinen Job los.

Bundeswehr: Nachfolger für Kommandeur Kurczyk bereits gefunden

Ein Nachfolger für Kurczyk ist bereits gefunden: Der Chef des Stabes im Zentrum Innere Führung, Thomas Berger, wird laut der Mitteilung die Aufgaben des Kommandeurs bis auf Weiteres übernehmen. Laut offiziellem Lebenslauf begann Kurczyks Bundeswehr-Karriere 1983 mit der Grundausbildung, ein Jahr später folgte der Offizierslehrgang. Er studierte an der Universität der Bundeswehr Pädagogik und war später Dezernatsleiter beim Luftwaffenamt, Referent Grundsatz Personal und Reservisten. Außerdem führte er deutsche Kräfte in Kabul.

Kurczyk äußert in Interview Lob für Klima-Aktivisten

Laut Medienberichten soll ein Video aus der Bundeswehr-Reihe „Nachgefragt“ mit Kurczyk gelöscht worden sein. In diesem soll es um die Bedeutung von Befehlen und Gehorsam gegangen sein. Im Spiegel hatte sich Kurczyk zu nachlassenden Bewerberzahlen bei der Bundeswehr-Rekrutierung geäußert: „Wir müssen uns von der Erwartungshaltung verabschieden, dass ausschließlich fitte, leistungsfähige, junge Menschen kommen, die ich vom ersten Tag an robust anpacken und am dritten Tag über eine Hindernisbahn schicken kann.“

Außerdem hatte er Verständnis für Klima-Aktivisten gezeigt: „Nehmen Sie die vielen jungen Menschen, die sich aus Überzeugung auf den Straßen festkleben und sagen, wir sind die letzte Generation, und wenn wir jetzt nichts tun, geht die Erde kaputt. Das ist doch sensationell.“ Kurczyk weiter: „Die denken eben nicht an ihr Gehalt, sie haben noch nicht einmal Angst vor Strafverfolgung. Die stehen zu ihrer Überzeugung. Diese Entschiedenheit gefällt mir. Diese Menschen will ich gewinnen.“

Die Bundeswehr soll aufgerüstet und modernisiert werden, dafür ist das Sondervermögen da. Doch Verteidigungsminister Pistorius streicht wohl einige Projekte. (cgsc mit AFP und dpa)

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa

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