VonKathrin Reikowskischließen
Swetlana Tichanowskaja, belarussische Oppositionsführerin, übt Kritik: Wital Melnik muss für „Terrorismus“ und „Beleidigung Lukaschenkos“ in Haft.
Minsk (Belarus) - Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine steht der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko an der Seite von Wladimir Putin. Er hat zwar ausgeschlossen, dass belarussische Truppen gemeinsam mit Russland in der Ukraine kämpfen werden, aber erst kürzlich vereinbarten Putin und Lukaschenko engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit. Und erst im Dezember fanden gemeinsame Militärübungen statt.
Gegen Putins und Lukaschenkos Pläne gibt es Widerstand in Belarus - auch wenn auf Widerstand lange Haftstrafen stehen. Im Fokus steht jetzt ein Mann, dem vorgeworfen wird, Bahnlinien in Belarus sabotiert zu haben, über die russische Truppen im Frühjahr in die Ukraine entsandt wurden. „Die Strafsache gegen den ‚Eisenbahn-Partisanen‘ Wital Melnik endete gestern mit einem Urteil über 16 Jahre Haft“, schrieb die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja auf Twitter. Sie lebt im Exil und kritisierte die Haftstrafe scharf.
Ukraine-Krieg: Festnahmen in Belarus nach Widerstand gegen Putins und Lukaschenkos Pläne
Im April hatte das belarussische Innenministerium die Festnahmen dreier Männer südöstlich von Minsk vermeldet, die der Sabotage von Eisenbahnausstattung wie etwa Stellwerken im Landeszentrum verdächtigt wurden. Das Ministerium veröffentlichte Videoaufnahmen von blutigen, auf dem Boden liegenden Männern. Nach Angaben des Ministeriums hatte die Polizei auf sie geschossen, weil sie sich gegen die Festnahme gewehrt hatten.
Ein vierter, ähnlicher Vergehen beschuldigter Mann war laut Ministerium nordöstlich von Minsk festgenommen und dabei „schwer verletzt“ worden. „Der Widerstand gegen den Krieg geht in Belarus trotz des Risikos schwerer Strafen weiter“, betonte Tichanowskaja. Ihren Angaben zufolge war Melnik bei seiner Festnahme im April in die Knie geschossen worden.
Widerstand gegen Putin in Belarus: Eisenbahner gründeten Partisanen-Gruppe
Die Menschenrechtsorganisation Wjasna hatte zuvor erklärt, dass ein Gericht in der belarussischen Hauptstadt Minsk Melnik bei einer Anhörung hinter verschlossenen Türen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt hatte. Demnach wurde Melnik verschiedener Anklagepunkte für schuldig befunden, darunter des „Terrorismus“ und der Beleidigung des Staatschefs Alexander Lukaschenko.
Belarussische Staatsmedien hatten im März berichtet, dass ein Kanal im Onlinedienst Telegram Anleitungen zur Zerstörung von Zug-Infrastruktur veröffentlicht hatte. Der Kanal namens „Live. Gemeinschaft der Eisenbahner von Belarus“ wurde für extremistisch erklärt. Der Kanal beschreibt die festgenommenen Männer als Partisanen und verurteilt belarussische Bahn-Mitarbeiter, die sich am Transport von russischer Militärausrüstung und Waffen für den Ukraine-Krieg beteiligen. (dpa/kat)

