Austausch über Energiepolitik

Besuch in Kanada: Scholz pocht auf enge Zusammenarbeit bei Energieversorgung

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Kanadas Permier Justin Trudeau (r) geben eine Pressekonferenz.
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Olaf Scholz besucht derzeit Kanada. Das Ziel ist es, die Zusammenarbeit zu intensivieren – insbesondere bei Energiefragen. Ein großes Thema ist Wasserstoff.

Montreal – Es ist die bisher längste Auslandsreise für Olaf Scholz in seiner Zeit als Bundeskanzler von Deutschland – und dazu eine sehr wichtige: In Kanada wirbt der SPD-Politiker um engere Zusammenarbeit mit dem zweitgrößten Land der Welt. Jetzt konnte er einen ersten Erfolg verbuchen: In Montreal haben sich beide Länder zu einem intensivierten Austausch im Energiesektor bekannt und der Ukraine weitere Hilfe für den Verteidigungskampf gegen Russland zugesagt. Während in der Bundesrepublik derzeit vorrangig das Thema Gaskrise die Politik dominiert, soll sich die Zusammenarbeit mit den Kanadiern vielmehr auf das Thema Wasserstoff konzentrieren.

Scholz in Kanada: Austausch über Wasserstoff und Energiepolitik

„Kanada wird für die Entwicklung des grünen Wasserstoffs eine ganz, ganz zentrale Rolle spielen, und deshalb sind wir sehr froh, dass wir auch bei dieser Gelegenheit unsere Kooperation in diesem Feld ausbauen können“, sagte der Kanzler nach einem Treffen mit dem kanadischen Premier Justin Trudeau. Das Land auf dem nordamerikanischen Kontinent könnte sich künftig auch als wichtiger Partner bei Rohstofflieferungen erweisen. Weil Wladimir Putins Energiepolitik seine Handelspartner zwingt, Alternativen auszuschöpfen, will sich auch Deutschland im Energiebereich weiter aufstellen.

Um den Tatendrang zu unterstreichen, reiste der deutsche Kanzler in Kanada mit Verstärkung an. Auch Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und eine große Wirtschaftsdelegation halten sich grade jenseits des Atlantiks auf. Wohl ein Zeichen dafür, dass es Deutschland Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen nach Montreal Ernst meint. Kanada verfügt zwar auch über Flüssiggas (LNG), auf das Deutschland in der Zukunft ebenfalls verstärkt setzen will und derzeit unter anderem in Niedersachsen entsprechende Terminals bauen lässt, allerdings scheint hier erst mittelfristig eine Zusammenarbeit wahrscheinlich, da noch die notwendige Infrastruktur für den Transport fehlt.

Flüssiggas (LNG) aus Kanada für Deutschland: Handelsbeziehung könnte mittelfristig interessant werden

Man werde den Export von Flüssiggas über den Atlantik prüfen, machte Premier Trudeau deutlich und bremste zunächst die Erwartungen beim Thema Flüssiggas (LNG). Es seien noch größere Investitionen notwendig, bis über ein Export nach Europa nachgedacht werden könnte. „Wir prüfen jedoch alle anderen Möglichkeiten, um den Deutschen und Europäern kurzfristig zu helfen, da sie im kommenden Winter vor einer echten Herausforderung stehen.“ Bei der jetzigen Reise liegt daher der Fokus auf die Wasserstoffproduktion. Außerdem ist für die deutsche Wirtschaft auch der kanadische Bergbau interessant, da hier Metalle wie Kobalt, Nickel, Lithium und Grafit abgebaut werden.

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Dass Kanada und Deutschland auch schon jetzt an einem gemeinsamen Strang ziehen könnten, bewiesen die Nationen beim Streitthema Nord Stream 1. Olaf Scholz lobte das Engagement der Kanadier bei der Lieferung der Turbine. „Russland versucht natürlich, die Weltgemeinschaft zu spalten. Und auch diejenigen, die sich verbündet haben, um die Ukraine zu unterstützen“, sagte der SPD-Politiker. Deshalb sei es wichtig, dass Kanada geholfen habe, dass die überholte Turbine wieder zurückgeliefert werden könne. Um die Lieferung des Bauteils zu ermöglichen, hatte Montreal seine eigenen Sanktionen gegen Russland umgangen.

Scholz und Habeck besuchen Kanada: intensivere Handelsbeziehungen möglich

Scholz und Habeck sind seit Sonntag in Kanada und werden nun für eine deutsch-kanadische Wirtschaftskonferenz in die Metropole Toronto und zum Thema Wasserstoff am Dienstagnachmittag nach Neufundland im Osten des Landes reisen. Durch die Ratifizierung des Freihandelsabkommens Ceta zwischen der Europäischen Union und Kanada erhofft sich die deutsche Wirtschaft für den Herbst indes neue Impulse für den Ausbau der Handelsbeziehungen. (Mit Material der dpa)

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