Gaskrise in Deutschland

Preisschock beim Gas: Kosten steigen um über 1000 Prozent an

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Die Gaskrise in Deutschland geht weiter: Zuletzt stieg der Gaspreis auf über 292 Euro pro Megawattstunde. Die Bundesnetzagentur sieht deutliche Mehrkosten.

Berlin – Seit Monaten dreht sich die Preisspirale immer weiter: In vielen Ländern Europas und in Deutschland ist die Inflation weiterhin auf Rekordniveau. Einer der größten Treiber bei der aktuellen Entwicklung ist der Gaspreis. Ausgelöst durch den Ukraine-Krieg von Wladimir Putin verteuern sich die Einkaufkosten für Energie derzeit stark. Während Verbraucher bereits unter den Mehrbelastungen ächzen, folgt nun eine weitere Hiobsbotschaft: Der Preisschock beim Gas geht weiter. Am Montag, dem 22. August, legte der Gaspreis nochmal kräftig zu. Derweil wird eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas geplant.

Preisschock beim Gas: Kosten bei mehr als 292 Euro pro Megawattstunde

In der Spitze um 18 Prozent ging es für den Preis für pro Megawattstunde weiter nach oben – das bedeutet Kosten von bis zu 292,50 Euro. Während bundesweit wegen der stark steigenden Energiepreis derweil auf ein drittes Entlastungspaket der Bundesregierung hoffen, verschärft die Gaskrise auch die Sorgen in der Wirtschaft: Industrien, die auf Energie in der Produktion angewiesen sind, leiden besonders unter den hohen Kosten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte daher dringend schnelle Entlastungen für Unternehmen. Wie stark der Gaspreis tatsächlich gestiegen ist, zeigt sich beim Vergleich der Vorjahreswerte.

Die Strom- und Gaskosten werden bei den Nebenkostenabrechnungen 2022 höher als gewohnt ausfallen. Nun gibt es beim Gaspreis eine weitere Steigerung. (Symbolbild)

Wie Check24 in einer Mitteilung erklärt, hat im August 2021 eine Megawattstunde Gas noch etwa 26 Euro gekostet. Innerhalb eines Jahres kam es damit zu einer Verzehnfachung der Kosten. Die Gründe für diesen Preisschock beim Gas sind laut des Verbraucherportals vielfältig: Angst, dass Gaslieferungen wieder ausbleiben könnten, Unsicherheiten über die Energieversorgung, Sanktionen oder Gasimporte aus Russland. Die Warnung an Verbraucher ist deutlich: „Wenn die bereits vor der Krise beschafften Energiemengen der Energieversorger verbraucht sind, werden sie zu den aktuellen Rekordpreisen an der Börse einkaufen müssen“, sagte Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24.

Inmitten der Gaskrise in Deutschland: Auch Preise für Strom steigen weiter

Da auch der Preis für Strom gleichermaßen ansteigt, erwartet Verbraucher in den kommenden Monaten mitunter ein böses Erwachen. Zwar steuert die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit Entlastungen gegen, doch inzwischen ist klar, dass die Maßnahmen aus den Entlastungspaketen, etwa die Energiepreispauschale, die ab September ausgezahlt werden soll, nicht ausreichen, um die Mehrkosten der Verbraucher auszugleichen. „Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden“, stellte am Montag auch die Bundesnetzagentur in ihrem Lagebericht fest.

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Die Versorgungssicherheit sei derzeit aber weiter gewährleistet, die Versorgung mit Gas laufe stabil. Da die Großhandelspreise für Gas aufgrund der deutlich Reduzierung der Liefermengen allerdings zuletzt so stark ansteigen, schließt die Bundesnetzagentur aber weiterhin nicht aus, dass Verbraucher vor stark steigenden Gaspreisen stehen.

Preisexplosion bei Gas: Nord Stream 1 steht vor weiteren Wartungsarbeiten – danach nur 20 Prozent der Maximalleistung

Der jetzige Anstieg beim Gaspreis wird am Markt mit einer neuerlichen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 erklärt. Russland hatte am Freitag angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas fließen, teilte der Staatskonzern Gazprom mit. Danach sollen wieder etwa 20 Prozent der Maximalleistung fließen.

Die Ampelkoalition hat vor einigen Tagen angekündigt, wegen der rapide gestiegenen Gaspreise für einen befristeten Zeitraum die Mehrwertsteuer auf Erdgas senken. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent soll so lange gelten, wie die staatliche Gasumlage, die laut einiger Politiker ein „Chaos mit Ansage“ sei, erhoben wird, also bis Ende März 2024. Die Gasumlage soll Importeure wegen der hohen Ankaufpreise Unterstützung bringen. Ungeachtet der Steuersenkung will die Mehrheit der Bürger weiter auf Bemühungen setzen, weniger Gas zu verbrauchen. Das hat eine repräsentative Umfrage von YouGov ergeben.

Rubriklistenbild: © Rene Traut / Imago

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