Teils „weltweit einzigartig“

Bundeswehr bekommt „Feuerkraft“: Was Deutschlands neue Panzer im Feld können

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Der Münchner Panzerbauer KMW stellt eine neue Version des Boxers vor. Die schwere Waffe darauf stammt vom Puma. Und noch etwas ist anders.

München - Der Münchner Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat die neueste Version seines Radpanzers Boxer für Landstreitkräfte vorgestellt. Sie soll die Einsatzbereitschaft des Bundeswehr-Heeres auf ein anderes Level hieven.

Boxer RCT 30: Heer der Bundeswehr hat neuen Radpanzer in Aussicht

Die Rede ist vom BOXER RCT 30 - so die genaue Bezeichnung des Modells. In einer „Kampfwertsteigerung“ liegt die entscheidende Neuerung zu vorherigen Varianten des Radpanzers, der bei der Bundeswehr seit 2009 im Einsatz ist. Und die Infanterie, also Bodentruppen, geschützt zu Einsätzen oder gar auf ein mögliches Schlachtfeld fahren soll.

Bewaffnung, Innovation, Pläne der Bundeswehr - Merkur.de erklärt den neuen Radpanzer für die deutsche Armee:

Der BOXER RCT30 von KNDS: Die neustes Version des Bundeswehr-Radpanzers trägt den unbemannten Waffen-Turm des Puma.

Hauptmerkmal des RCT 30 ist die 30-mm-Bordmaschinenkanone (Typ MK 30-2/ABM) des Schützenpanzers Puma. Sie wird vom Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall gefertigt und ist in einen ferngesteuerten unbemannten Turm eingebaut. Es ist eine deutlich durchschlagskräftigere und größere Waffe als die bisherige fernbedienbare leichte Waffenstation (FLW) von KMW.

Bundeswehr-Radpanzer: Boxer RCT 30 hat Waffensystem des Puma

Denn bei der FLW wurde in der Regel ein Maschinengewehr vom Kaliber 12,7 mm verbaut. Mit der 30-mm-Bordmaschinenkanone sind die Soldaten in der Lage, auch schwere gepanzerte Fahrzeuge wirkungsvoll zu bekämpfen. So erklärt KMW bei der Produktbeschreibung exemplarisch, dass der „Boxer RCT 30 dem Leopard-2-Kampfpanzer im Gelände“ folgen könne.

Technologisch weltweit einzigartig ist dabei die Fähigkeit, mit Rohr-Artillerie oder Mörser aus der Fahrt heraus zu feuern.

Ralf Ketzel, Geschäftsführer Krauss-Maffei Wegmann

Vorgestellt wurde der neue Boxer explizit als neues Gefechtsfahrzeug auf Basis des vierachsigen Truppentransporters. „Der Boxer RCT 30 vereint die hohe Mobilität und den überragenden Schutz des Boxer mit der Feuerkraft des Puma“, schreibt KMW auf seiner Website. „Technologisch weltweit einzigartig ist dabei die Fähigkeit, mit Rohr-Artillerie oder Mörser aus der Fahrt heraus zu feuern“, erklärte KMW-Geschäftsführer Ralf Ketzel am Dienstag (16. Mai) der dpa am Rande der Präsentation.

Die RCH155 von KMW: Die Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000 wird samt Turm auf das Chassis des Boxers gesetzt.

Erst kürzlich hatte KMW die neu entwickelte Radhaubitze RCH 155 vorgestellt. Aktuell werden 18 Stück den ukrainischen Streitkräften bereitgestellt, wie die Ampel-Bundesregierung beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Wochenende (13./14. Mai) mitteilte.

Bundeswehr: Boxer liefert Chassis für RCH 155 und RCT 30

Die RCH 155 basiert ebenfalls auf dem Chassis und Fahrgestell eines Boxer. Darauf ist jedoch der Turm mit dem Waffensystem der Panzerhaubitze 2000 montiert - samt der wuchtigen Glattrohrkanone. Durch das unbemannte Artillerie-Geschütz-Modul (AGM) ist die Besatzung auf zwei Soldaten begrenzt; einen Fahrer und einen Kommandanten. Alles soll automatisch ablaufen, vom Beladen der Kanone bis zum Schuss. Laut KMW ist die RCH 155 so mobil und ihr Waffensystem so stabil, dass sogar in voller Fahrt gefeuert werden kann.

Radpanzer Boxer RCT 30:
Herstellerdeutsche Rüstungskonzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann
BesatzungFahrer, Kommandant, Richtschütze und 7 Soldaten Infanterie
AufgabeTransport von Infanterie im Feuergefecht
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Reichweite1000 Kilometer
Bewaffnung: 30-mm-Bordmaschinenkanone vom Typ MK 30-2/ABM, Lenkflugkörpersystem SPIKE LR (Panzerabwehrlenkwaffe)

Dass die RCH-155-Exemplare für die Ukraine, der Bundeswehr schnellstmöglich ersetzt werden, kündigte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) kürzlich exklusiv im Gespräch mit Merkur.de an. Sukzessive werde von dem, „was wir abgeben, das Neueste bestellt, um dies der Truppe zuzuführen“, erklärte die Vorsitzende im Verteidigungsausschuss des Bundestages bei einem Termin in München: „Die neue Panzerhaubitze wird auch eingekauft.“

Boxer RCT 30: Radpanzer sollen „Mittlere Kräfte“ des Bundeswehr-Heeres werden

Den neuen Boxern kommt im deutschen Heer indes eine wichtige Funktion zu. „In der derzeitigen Struktur besteht eine Lücke zwischen den schnellen, aber wenig durchsetzungs- und durchhaltefähigen leichten Kräften und den schweren mechanisierten, aber vergleichsweise aufwendig zu verlegenden Kräften“, schreibt die Bundeswehr. Gemeint sind Leopard-2-Kampfpanzer und Puma-Schützenpanzer. „Die radgestützten Mittleren Kräfte sollen künftig diese Lücke schließen.“

Ende März wurde bekannt, dass das Bundesverteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) mehr als 100 neue Radpanzer vom Typ Boxer für die Bundeswehr anschafft. Unklar ist bislang noch, in welcher Ausführung. (pm)

Rubriklistenbild: © KMW

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