US-Wahl 2024

Trumps Vision für die USA: „Project 2025“ sieht verstärkten Einsatz der Todesstrafe vor

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Als Präsident verursachte Trump mit Hinrichtungen traurige Rekordzahlen. Wie könnte eine zweite Amtszeit aussehen? „Project 2025“ gibt einen düsteren Einblick.

Washington, D.C. – Innerhalb von sechs Monaten führte die Regierung Donald Trumps im Jahr 2020 mehr zivile Hinrichtungen auf Bundesebene durch, als jeder frühere Präsident im 20. oder 21. Jahrhundert. Das verzeichnete nach Ende der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten das „Death Penalty Information Center“.

Obwohl Trump als Kandidat der Republikaner für die US-Wahl noch nicht offiziell bestätigt ist, wird bereits spekuliert, wie eine zweite Ära Trumps in den USA aussehen könnte – auch in Bezug auf den Vollzug der Todesstrafe.

US-Wahl 2024: Trump macht bereits Ankündigungen für eine mögliche zweite Amtszeit

Der ehemalige US-Präsident machte im Rahmen seines Wahlkampfes bereits Ankündigungen für eine mögliche zweite Amtszeit: Einsatz des Militärs an Innen- und Außengrenzen, Überwachung von Abtreibungen und Massenabschiebung sind Teil von Trumps Vorhaben.

Der 77-Jährige sprach sich auch für die Ausweitung der Delikte aus, die mit dem Tod bestraft werden. Seine Konkurrentin aus dem Jahr 2016, Hillary Clinton, sagte über Trump: „Nehmt ihn beim Wort. Er sagt uns, was er vorhat“. Ein ehemaliger Justizbeamter der Trump-Regierung verrät mehr über Trumps mutmaßliche Pläne.

Donald Trump ließ zum Ende seiner ersten Amtszeit als US-Präsident innerhalb von sechs Monaten 13 Menschen in Indiana hinrichten (Archivbild)

Ein Großteil der Planungen für eine zweite Amtszeit Trumps soll einem Bericht der Washington Post zufolge inoffiziell an eine Partnerschaft rechter Denkfabriken in Washington ausgelagert worden sein. Ergebnis dieser Planung sei das „Project 2025“, das vorsieht, den Staat radikal umzubauen. Auf einer der mehreren Hundert Seiten des Plans ist die Aufforderung zur Hinrichtung aller verbliebenen Todeskandidaten des Bundes niedergeschrieben.

Ex-Justizbeamter Trumps fordert Hinrichtung von verbliebenen Menschen in Todeszelle

Beteiligt an dem Projekt der rechten Denkfabrik „Heriatge Foundation“ ist auch der ehemalige Beamte des Trump-Justizministeriums, Gene Hamilton. Der frühere Justizbeamte ist Autor eines Kapitels aus dem „Project 2025“ und fordert darin, dass die US-Regierung die Hinrichtungen veranlassen müsse, „bis der Kongress per Gesetz etwas anderes“ entscheide.

Einem Bericht der US-Zeitung The Independent zufolge schreibt Hamilton, dass Trump in einer zweiten Amtszeit als US-Präsident „alles Mögliche tun“ müsse, um die verbleibenden 40 Menschen in der Bundestodeszelle hinzurichten.

Trauriger Hinrichtungsrekord: Trump fordert Ausweitung der Todesstrafe auf weitere Delikte

Trump soll sich dem Independent-Bericht zufolge im Wahlkampf bereits als Befürworter der Ausweitung der Todesstrafe gezeigt haben. Beispielsweise schlug Trump die Hinrichtung als Strafe im Falle von Drogendelikten und Menschenhandel an der Grenze zwischen den USA und Mexiko vor.

Bereits in seiner letzten Amtszeit verzeichnete Trump mit den Hinrichtungen auf Bundesebene einen traurigen Rekord. In den USA wurden im Jahr 2020 erstmals in der Geschichte des Landes mehr Menschen von der US-Regierung hingerichtet, als von allen Bundesstaaten zusammen. Die Mehrheit der Hinrichtungen im Jahr 2020 wurden von der US-Regierung unter der Leitung des früheren Präsidenten beauftragt. Die meisten Hinrichtungsurteile werden in den USA grundsätzlich auf Ebene der Bundesstaaten gefällt.

Todesstrafe in den USA: US-Präsident Biden ist gegen die Hinrichtung

Die Todesstrafe wurde in den USA im Jahr 1976 wiedereingeführt. Laut Angaben des „Death Penalty Information Centers“ sollen seither rund 1600 Menschen hingerichtet worden sein. In 27 Bundesstaaten ist die Hinrichtung weiterhin ein Mittel der Bestrafung. Auch die US-Regierung hält an der Todesstrafe fest. Insgesamt zeigt die Statistik, dass die Anzahl der vollstreckten Todesstrafen in den USA rückläufig ist. Der amtierende US-Präsident Joe Biden spricht sich grundsätzlich gegen die Todesstrafe aus.

Trump vor Gericht: Die wichtigsten Personen beim Prozess in New York

Donald Trump ist der Angeklagte in New York.
Donald Trump ist der Angeklagte in New York. Der ehemalige Präsident der USA ist im Prozess um mutmaßliche Schweigegeldzahlungen in 34 Punkten angeklagt. Vorgeworfen wird ihm dabei nicht die Zahlung von Schweigegeld an sich. Vielmehr soll Trump Geschäftsberichte gefälscht haben, um die Zahlungen geheim zu halten. Damit soll der Kandidat der Republikaner für die US-Wahl 2024 sowohl gegen Steuergesetze wie auch gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen haben. Trump ist der erste Präsident der USA, der sich in einem Strafprozess wiederfindet.  © Pool/Getty Images/afp
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump.
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump. Mit seinem Team an Ermittlern ist es sein Ziel, nachzuweisen, dass Trump mit den Schweigegeld-Zahlungen versucht haben soll, die öffentliche Meinung vor der US-Wahl 2016 zu beeinflussen. Bragg ist Mitglied der Demokraten und seit 2022 Bezirksstaatsanwalt des Bezirks New York. © Angela Weiss/afp
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche. Der ehemalige Staatsanwalt, der seit April 2023 für den Ex-Präsidenten arbeitet, hat beste Beziehungen in das MAGA-Universum. So verteidigte Blanche bereits Igor Furman, ein Mitarbeiter Rudy Giulianis, und Paul Manafort, Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager.  © Mark Peterson/Imago
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles.
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles. Sie gilt als sehr erfahrene Strafverteidigerin, auf deren Dienste unter anderem Donald Trumps Firma, die „Trump Organization“, in der Vergangenheit vertraute. Wenn Necheles nicht gerade den Ex-Präsidenten oder seinen Familienkonzern vertritt, verteidigt sie andere zwielichtige Gestalten aus New York - darunter in der Vergangenheit auch Venero Frank Mangano. Der mittlerweile verstorbene Mafiaboss galt Zeit seines Lebens als hochrangiges Mitglied der „Cosa Nostra“ und Chef der berüchtigten „Genovese-Familie“. © Pool/Getty Images/afp
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan. Geboren wurde er in Kolumbien, aufgewachsen ist er in New York. Dort begann er seine Karriere als Staatsanwalt. Seit 2006 ist er als Richter in der Stadt tätig. Merchan gibt an, kein Mitglied einer politischen Partei in den USA zu sein. Bei der US-Wahl 2020 soll er aber nach Informationen von CNN in drei Fällen kleine Geldbeträge an die Demokraten und ihren damaligen Kandidaten, den heutigen US-Präsidenten Joe Biden, gespendet haben. © Jane Rosenberg/dpa
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Sie brachte den Stein ins Rollen. Stephanie Clifford, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels. Die Erotikdarstellerin behauptet, im Jahr 2006 eine kurze Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Kurz vor der US-Wahl 2016 soll Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen ihr 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt haben, damit die Affäre nicht ans Licht kommt und Trumps Wahlkampf behindert. Dass Daniels im Prozess gegen Donald Trump aussagen wird, gilt als nahezu sicher. © John Angelillo/Imago
Michael Cohen. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner.
Die Eröffnungsplädoyers im Prozess gegen Donald Trump haben bewiesen, dass Michael Cohen der für beiden Seiten wichtigste Zeuge werden wird. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner. Das dürfte auch daran liegen, dass Cohen 2018 in Zusammenhang mit Geschäften, die er für Trump abwickelte, wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem Kongress zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. © Spencer Platt/afp
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer.
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer. Pecker stammt wie Trump aus New York. Die beiden verbindet eine Geschäftsbeziehung, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Vor Gericht bestätigte Pecker, dass er Trump dabei geholfen habe, Geschichten über Affären, die der Ex-Präsident gehabt habe, zu vertuschen. So soll der Zeitungsmann unter anderem in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels als auch an Karen McDougal verweickelt gewesen sein. © Imago
Neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten.
Denn neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten, um eine neun Monate dauernde Affäre geheim zu halten. Das ehemalige Playmate und spätere Model behauptet, sich zwischen 2006 und 2007 mehrmals mit dem späteren Präsidenten getroffen zu haben. Damit die Geschichte geheim bleibt, soll McDougal 150.000 Dollar erhalten haben. © Imago
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg.
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg. Er ist der ehemalige Finanzvorstand der „Trump Organization“ und hat bereits Erfahrungen mit New Yorker Justiz sammeln dürfen: Im Januar 2023 wurde Weisselberg zu einer neunmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Laut Michael Cohen soll Weisselberg auch in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels verwickelt gewesen sein. © Kena Betancur/afp
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden.
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden. Das ehemalige Model steht seit 2012 mit der Familie Trump in Verbindung und arbeitete unter anderem für Donalds Tochter Ivanka Trump. Ab 2015 war sie Pressesprecherin der Wahlkampagne des späteren Präsidenten und blieb in verschiedenen Positionen auch nach Trumps Wahlsieg für ihn tätig. Im Prozess in New York dürfte sie nach ihren Kenntnissen über mutmaßliche Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf 2016 befragt werden. © Andrew Harnik/dpa
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus.
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus. Weder begleitet die dritte Ehefrau Trumps ihn zum Gericht in New York, noch hat sie sich bislang zu den Vorwürfen geäußert, ihr Ehemann habe sie mit Playmates und Pornostars betrogen, während sie mit dem gemeinsamen Kind schwanger war. Bislang steht nicht fest, ob Melania Trump als Zeugin geladen wird. Sollte das geschehen, könnte Donalds Ehefrau wohl von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. © Lynne Sladky/dpa
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump.
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump. Der über zwei Meter große Teenager feierte im März 2024 seinen 18. Geburtstag und wird noch dieses Jahr seinen Highschool-Abschluss feiern - womöglich ohne seinen Vater. Dessen Anwälte stellten für ihren Mandanten einen Antrag, dass er am 17. Mai, dem Tag der Abschlussfeier seines Sohnes, dem Gericht fernbleiben könne. Im Anschluss behauptete Trump, Richter Juan Merchan habe ihm das verboten - eine Falschbehauptung. Merchan hatte lediglich gesagt, er sei noch nicht bereit, eine Entscheidung über diesen Antrag zu fällen. Diese hinge vor allem davon ab, wie der Prozess in den kommenden Wochen verlaufen werde. © Damon Higgins/Imago

Der ehemalige Beamte des Trump-Ministeriums begründe dem Independent Bericht zufolge die Forderung der Ausweitung der Todesstrafe mit „Abschreckung“. Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Abschreckungseffekt der Todesstrafe kaum nachgewiesen werden kann. Gegenüber dem WDR sagte Alexander Bojčević, Todesstrafen-Experte bei Amnesty International: „In den US-Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe gilt, ist die Mordrate teilweise deutlich höher als in denen, die sie abgeschafft haben.“

Und auch die Gefahr eines falschen Urteils lässt Raum für Kritik an dem mutmaßlichen Plan Trumps. Nach Angaben des „Death Penalty Information Center“ sollen seit 1973 rund 200 Verurteilte nachträglich freigelassen worden sein, weil ihre Unschuld bewiesen werden konnte.

US-Wahl 2024: Voraussichtliches Rennen zwischen Biden und Trump

Noch steht Trump selbst in New York vor Gericht und hat noch eine Reihe von Prozessen vor sich. Bei der „Republican National Convention“ im Juni wird offiziell der Präsidentschaftskandidat der Republikaner bekannt gegeben. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings schon jetzt sehr hoch, dass erneut Donald Trump ins Rennen um die Präsidentschaft gehen wird. (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mary Altaffer

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