Trump kommentiert möglichen Kandidatenwechsel nach Biden-Debakel – und schießt gegen Michelle Obama
VonJens Kiffmeier
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Bettina Menzel
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Nach dem TV-Duell kommentiert Donald Trump Spekulationen über einen Personalwechsel bei den Demokraten. Dabei teilt er auch gegen Michelle Obama aus.
Update vom 30. Juni, 19.14 Uhr: Nach Joe Bidens Debakel im TV-Duell gegen Donald Trump bleibt die Panik im Lager der Demokraten groß: Immer neue Berichte befeuern die Debatte über den schlechten Gesundheitszustand von US-Präsident Biden kurz vor der US-Wahl 2024. Angeblich kann sich der 81-Jährige nur noch zwischen 10 und 16 Uhr voll konzentrieren, berichtete die Nachrichten-Website Axios unter Berufung auf Insider aus dem Weißen Haus.
Das TV-Duell sei für Biden deswegen von der Uhrzeit her gesehen zu spät gewesen, hieß es. Während Biden am Sonntag erneut seinen Kampfeswillen bei der US-Wahl betonte, ist die Debatte um eine Suche nach einem Nachfolger im vollen Gang. Dabei taucht auch immer wieder der Name von Michelle Obama auf, auf die sich Bidens Kontrahent Donald Trump vorsorglich schon mal einschoss.
Erstmeldung: Virginia – Der Auftritt von US-Präsident Joe Biden im ersten TV-Duell gegen Donald Trump war ein Desaster. Im Anschluss machte sich Berichten zufolge „Panik“ in der demokratischen Partei breit. Forderungen nach Bidens Ausstieg aus dem Rennen um die Präsidentschaft wurden laut, selbst ein Kandidatenwechsel so kurz vor der US-Wahl 2024 war plötzlich im Gespräch. Herausforderer Trump griff das Thema am Freitag (28. Juni) bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Virginia auf – und teilte vorsichtshalber gegen eine mögliche Ersatzkandidatin aus.
Während Biden um Schadensbegrenzung bemüht ist, schlachtet Trump seinen Triumph genüsslich aus: „Die Frage, die sich jeder Wähler heute stellen sollte, ist nicht, ob Joe Biden ein 90-minütiges TV-Duell übersteht, sondern ob Amerika vier weitere Jahre mit dem korrupten Joe Biden im Weißen Haus überleben kann“, sagte der Republikaner am Freitag. Auch auf Diskussionen über eine personelle Änderung im Rennen um die Präsidentschaft ging Trump ein. „Viele Leute sagen, dass Joe Biden nach seiner Leistung gestern Abend aus dem Rennen aussteigt.“ Er selbst glaube zwar nicht, dass dies geschehe, betonte der 78-Jährige, nannte dann aber ein paar Namen, die aktuell als Ersatz für Biden gehandelt werden.
Vizepräsidentin Kamala Harris etwa, Ex-Präsident Barack Obamas Ehefrau Michelle Obama und der Gouverneur des Bundesstaats Kalifornien, Gavin Newsom. Er glaube nicht, dass Biden aus dem Rennen um die US-Wahl 2024 aussteige, da die Demokraten schon im Vorfeld Umfragen zu den verschiedenen möglichen Kandidaten durchgeführt hätten, so Trump weiter. „Sie haben alle befragt“, behauptete der Republikaner. Es habe auch Umfragen zu Michelle Obama gegeben und sie habe sehr schlecht abgeschnitten. „Nein, sie schneidet furchtbar ab“, so Trump. „Es ist kaum zu glauben, aber der betrügerische Joe Biden schneidet in Umfragen besser ab als diese Leute.“ Was der Republikaner damit wohl sagen will: Der im TV-Duell stotternde und den Faden verlierende Biden ist das Beste, was die Demokraten zu bieten haben.
Faktencheck zu Trumps Behauptung: Umfragen sehen Michelle Obama bei Demokraten vor Biden
Während Trump allein in seiner Amtszeit laut Washington Post über 30.000 Lügen erzählte und im TV-Duell am Donnerstag (Ortszeit) laut CNN mindestens 30 Unwahrheiten, lag er am Freitag mit einer Aussage richtig: Die Umfragewerte manch anderer Kandidaten aus der demokratischen Partei sind nicht überzeugend. Das renommierte Statistikinstitut FiveThirtyEight gibt die Zustimmungsrate etwa für die recht unbeliebte Kamala Harris derzeit mit 39,4 Prozent an (Stand: 29. Juni 2024) an. Das regt bei den Demokraten die Befürchtung, dass es für einen Wahlsieg nicht reichen könnte. Allerdings: Nach dem TV-Duell lag die Zustimmung für Joe Biden laut FiveThirtyEight mit 38,1 Prozent sogar noch darunter.
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Falsch lag Trump allerdings mit seiner Aussage über Michelle Obamas Beliebtheit: Eine Umfrage im Mai 2018 von Zogby Analytics kam auf eine Zustimmungsrate für die frühere First Lady von 48 Prozent und nur 39 Prozent für Trump. Das Meinungsumfrageinstitut Yougov ermittelte im April 2018 sogar eine 90-prozentige Zustimmung für Michelle unter den Demokraten. Eine aktuelle Umfrage vom März 2024 von Redfield and Wilton Strategies für Newsweek ergab, dass 75 Prozent jener Wähler, die 2020 für Biden gestimmt hatten, nun für Michelle Obama stimmen würden, sollte sie als Kandidatin antreten. Demnach würden sogar 21 Prozent der früheren Trump-Wähler der Ex-First-Lady ihre Stimme geben.
Was gegen Michelle Obamas Kandidatur bei US-Wahl 2024 spricht
Dass Michelle Obama tatsächlich als Kandidatin antritt, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Entsprechende Gerüchte hatte die frühere First Lady in der Vergangenheit vehement dementiert. „Lassen Sie mich ganz klar sagen: Das wird nie passieren“, betonte auch die ehemalige Chefberaterin von Präsident Obama, Valerie Jarrett, einmal gegenüber CNN. Ein weiterer Indikator, der gegen Michelle als künftige Kandidatin bei der US-Wahl 2024 spricht: Barack Obama stellte sich nach der für Biden desaströsen Fernsehdebatte demonstrativ hinter seinen früheren Vize-Präsidenten. „Schlechte Duelle passieren. Glaubt mir, ich weiß das“, schrieb ausgerechnet der für seine herausragenden rhetorischen Fähigkeiten berühmte frühere Präsident auf der Plattform X.
Diese Wahl sei noch immer „eine Entscheidung zwischen jemandem, der sein ganzes Leben lang für die einfachen Leute gekämpft hat, und jemandem, der sich nur um sich selbst kümmert. Zwischen jemandem, der die Wahrheit sagt, der Recht von Unrecht unterscheiden kann und es dem amerikanischen Volk offen sagen wird – und jemandem, der zu seinem eigenen Vorteil schamlos lügt“, so Obama am Freitag weiter. Die demokratische Partei legt erst im August offiziell ihren Kandidaten für die US-Wahl 2024 fest. Bei den Republikanern gilt Trump hingegen als sicherer Kandidat – und ist auch in Russland der Wunschkandidat von Kremlchef Wladimir Putin. (bme)