Analyse

TV-Duell mit Scholz: Merz witzelt über FDP, doch lacht bei einem anderem Thema

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Im ersten TV-Duell vor der Bundestagswahl präsentieren sich Scholz und Merz hoch konzentriert. Ein Thema sorgt für Lacher auf dem Podium. Die Analyse.

Berlin - Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet beim Thema FDP sind sich die beiden Rivalen um das Kanzleramt einig. Das war wohl die überraschende Erkenntnis des TV-Duells zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz. Die beiden Kanzlerkandidaten sollen Sätze vervollständigen, die ihnen die Moderatorinnen Sandra Maischberger und Maybrit Illner vorlesen. Der erste lautet: Ein Bundestag ohne FDP ist..? „Ärmer, aber durchaus lebensfähig“, ergänzt Friedrich Merz. Scholz schließt sich der Aussage grinsend und vollinhaltlich an.

Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden schon eine gute halbe Stunde Fragen beantwortet und, ja, auch ein wenig miteinander diskutiert. Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Kanzlerkandidaten nach den Tumulten im Bundestag um die Abstimmung zur Migration. Nicht nur deshalb war dieses erste TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten mit Spannung erwartet worden. Gegenseitige Provokationen gibt es aber nur in homöopathischen Dosen, was vielleicht auch an der ungemein sachlichen und sehr dichten Moderation von Maischberger und Illner liegt.

Scholz und Merz bleiben fair im ersten TV-Duell

Es zeigt sich, dass sowohl Scholz als auch Merz kurz vor der Bundestagswahl im TV-Duell hoch konzentriert agieren. Beide wirken souverän, bleiben aber fair im gegenseitigen Schlagabtausch. Die Sache mit der FDP erweist sich aber beinahe als einzige Punkt, an dem die beiden Herren Gemeinsamkeiten zeigen. Einig sind sie sich später noch mal dabei, dass Donald Trumps Vorschlag, den Gazastreifen in eine arabische Riviera zu entwickeln, „ein Skandal“ (Scholz) ist. Eine Vorstellung, die Merz teilt, aber auch für „überzogene Rhetorik“ hält.

Kontrahenten im TV-Duell: Olaf Scholz und Friedrich Merz.

Das sind dann aber auch schon die unterhaltsamen Einsprengsel des anderthalbstündigen Duell, in dem die Themen Schlag auf Schlag kommen: Migration, Flüchtlingspolitik, Wirtschaft, Soziales. Es geht schnell, für manche vermutlich zu schnell. Viele Menschen an den Fernsehgeräten dürfte das an einem Sonntagabend überfordern.

Olaf Scholz wirft Friedrich Merz im TV-Duell „Wortbruch“ vor

Der Abend beginnt mit den Auseinandersetzungen im Bundestag und Merz‘ Tabubruch, mit den Stimmen der AfD einen Entschließungsantrag im Parlament durchzubringen. „Sie haben Ihr Wort gebrochen, Friedrich Merz“, sagt Maybritt Illner und verweist darauf, dass eine Befragung bei Bürger:innen ergeben habe, dass die Hälfte glaube, er werde das wieder tun. Merz weicht dem Thema aus, erklärt, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage kommt. Scholz sagt auf Nachfrage, dass er das nicht – mehr – glaubt: „Ich wünsche es mir natürlich, aber ich bin mir nicht sicher.“

Jetzt zieht Merz einen gelben Zettel heraus und macht Scholz auf seine Aussagen von vergangenem Jahr aufmerksam. Da habe Scholz in einem Interview erklärt, man dürfe sich bei einer Abstimmung nicht von der AfD abgängig machen, indem man sinnvolle Anträge zurückzieht, wenn sie mit den Stimmen der Rechten eine Mehrheit finden können. Scholz erklärt daraufhin den Unterschied zwischen der Kommunalebene und dem Bundestag. Er beharrt darauf, dass Merz einen Tabubruch begangen habe. Der kontert, dass die Bundesregierung nicht getan habe in Sachen illegaler Einwanderung. Dann korrigiert er sich: „Sie hat ein bisschen etwas gemacht.“ Es gebe noch immer zu viele Zuwanderung. Dabei bringt er die Grünen ins Spiel, die immer wieder dafür gesorgt hätten, dass Veränderungen auf der Strecke blieben. Er greift dazu zu einem Beispiel aus der Populismus-Kiste: Die Grünen seien es gewesen, die dafür gesorgt hätten, dass Abschiebehäftlinge anwaltlichen Beistand bekämen, um so „weitere Tricks“ anwenden zu könne, um ihre Abschiebung zu verhindern.

Frage nach der Koalition bringt Merz zum Lachen

Dann geht es beim TV-Duell zwischen Merz und Scholz um die Wirtschaft, in der sich die beiden als zahlensicher erweisen – bei den jeweils eigenen natürlich. Merz wird dabei ein bisschen offensiver, hat sich offenbar hier besonders vorbereitet. Scholz punktet dafür als es um die Schuldenbremse geht. Niemand könne der Bevölkerung begreiflich machen, wo er das Geld für Investitionen nehmen werden, wenn nicht durch Lockerung der Schuldenbremse. Da kommt Merz kurz ins Schlingern.

Zum Schluss geht es darum, wie es nach dem Wahltag am 23. Februar weitergehen. Die Frage der Koalition. Merz lacht und drückt sich ein bisschen um die Antwort. Auch Scholz hält sich bedeckt. Beide sind sich einig: Mit der AfD geht gar nichts. Das war dann schon die dritte Gemeinsamkeit. Und unterm Strich ein Unentschieden in der Gesamtwertung des ersten TV-Duells. (Christine Dankbar)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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