VonAndreas Schmidschließen
Burkhard Blienert will eine Nichtrauchergesellschaft in Deutschland – sieht dieses Ziel aktuell aber nicht erreichbar. Im Interview erklärt er, welche strengeren Regeln es bräcuhte.
Berlin – Tabak gilt als der größte Suchtfaktor in Deutschland. Fast jeder fünfte der Menschen ab 15 Jahren raucht. 4,4 Millionen Erwachsene sind abhängig von Tabak. Das ist die mit Abstand größte Gruppe im aktuellen Report der Bundesregierung. Der Bundessucht- und Drogenbeauftragte Burkhard Blienert strebt eigentlich eine „Nichtrauchergesellschaft“ an – sieht dieses Ziel für Deutschland aber gefährdet.
Drogenbeauftragter Blienert: Zigaretten sollten teurer werden
Die Nichtrauchergesellschaft ist ein internationales Ziel. Für 2030 sollen weniger als 13 Prozent der Erwachsenen und weniger als drei Prozent der Jugendlichen rauchen. „Ich sehe zurzeit nicht, dass Deutschland das erreichen kann“, sagt Blienert im Interview mit IPPEN.MEDIA. „Wir hinken schon bei einfachsten Maßnahmen hinterher, etwa bei der strikten Regulierung von Werbung und Sponsoring oder der unliebsamen Frage nach einer weiteren Verteuerung der Nikotinprodukte.“
„Der Preis ist ein adäquates Mittel, um insbesondere Kinder und Jugendliche abzuhalten, aber auch um insgesamt die Raucherquote bei den Erwachsenen zu senken“, meint Blienert. „Höhere Preise schrecken ab.“ Um welche Preise es dann geht? „Grob sind wir aktuell bei einer Packung mit 20 Zigaretten für 8 Euro, andere Länder sind schon bei 12 Euro oder mehr.“
Blienert: Rauchverbot in Außen-Gastro und im Auto
Neben der Preisfrage gebe es noch weitere Mittel, um das Rauchen in der Bevölkerung zu reduzieren. „Der Baukasten ist vielfältig“, meint Blienert. Konkret kann er sich strengere Regeln für den öffentlichen Konsum vorstellen: „Das Rauchen im Außengastro-Bereich sollte aus Gesundheitssicht nicht mehr erlaubt sein.“ Seit 2008 darf in Gaststätten nicht mehr geraucht werden, im Außenbereich gelten Ausnahmen.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) lehnt diese Vorschläge entschieden ab. „Ich verstehe das überhaupt nicht“, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es braucht keinen Nichtraucherschutz im Außenbereich, das wissen wir ja aus der Aerosol-Debatte aus der Pandemie.“
Die Kritik des Gaststättenverbands erinnert an 2007, als der Bund das Nichtraucherschutzgesetz beschloss. Erzürnte Wirte sahen ihre Existenz gefährdet. Blienert sieht noch weitere Maßnahmen: „Ich bin auch dafür, das Rauchen im Auto zu unterbinden, wenn Kinder und Jugendliche unter 18 oder auch Schwangere mitfahren.“
Blienert plädiert auch aufgrund des Jugendschutzes für strengere Regeln. Seit 2020 hat sich die Raucherquote unter Jugendlichen fast verdoppelt, wie aus der aktuellen Debra-Studie, der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten, hervorgeht. Der Drogenbeauftragte sieht einen der Gründe hierfür in der Pandemie. „Vor Corona haben wir Kinder und Jugendliche durch unsere Präventionsmaßnahmen erreicht. In der Corona-Zeit gab es diese direkte Ansprache nicht.“ Zudem gebe es bei Jugendlichen den Trend zur E-Zigarette. Gerade in sozialen Medien wird der Konsum als weniger schädliche Alternative zum Glimmstängel angepriesen. Blienert meint: „Generell zu sagen, die E-Zigarette ist die harmlosere Variante, ist gerade mit dem Blick auf Kinder und Jugendliche zu kurz gegriffen.“ Auch beim Alkohol plädiert Blienert für strengere Regeln. Das begleitete Trinken müsse abgeschafft werden. Die generelle Altersfrage sollte auf 18 hochgehen – auch bei Cannabis, wo Jugendliche schon ab 12 oder 13 kiffen.


