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Aus anfangs elf Kandidaten für die Nachfolge von Tory-Parteiführers Boris Johnson sind erst acht und nun sechs geworden. Ein Trio hat die besten Karten.
Update vom 13. Jul 2022, 20:25 Uhr: Im Rennen um die Nachfolge von Boris Johnsons als Parteichef der Torys und als Premierminister sind noch sechs Kandidaten dabei, die die nächste Runde erreicht haben. In einer ersten Abstimmung setzten sich der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak, Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt, Außenministerin Liz Truss, die Abgeordnete Kemi Badenoch, Tom Tugendhat (Chef des Auswärtigen Ausschusses) und Chefjustiziarin Suella Braverman durch.
Nicht über die Hürde von mindestens 30 Stimmen schafften es in der ersten Abstimmung derweil Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt und Finanzminister Nadhim Zahawi. Die nächste Abstimmung ist für Donnerstag, 14. Juli 2022, geplant. Bei jeder weiteren Runde fliegt der jeweils Letztplatzierte raus, bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind. Diese beiden sollen sich dann einer Stichwahl der landesweit rund 180.000 Parteimitglieder stellen.
Boris Johnsons Nachfolger: Noch acht Kandidaten – wer hat die größten Chancen?
Erstmeldung vom 13. Jul 2022:
London – Phase eins im nicht immer ganz sauberen Rennen um die Nachfolge des scheidenden britischen Premierministers Boris Johnson ist vorüber. Schon am Mittwoch, 13. Juli 2022, geht das komplizierte Wahlverfahren in seine nächste Runde. Nur noch acht Kandidaten stellen sich in einer ersten Abstimmungsrunde in der konservativen Parlamentsfraktion zur Wahl. Sie alle schielen auf die Parteiführung der Tories und damit auf die Nachfolge von Boris Johnson. Einem Trio werden die besten Chancen eingeräumt.
Boris Johnson Nachfolger: Acht Kandidaten sind noch im Rennen – Rishi Sunak als großer Favorit
Im Kampf um die Tory-Parteispitze, die im übertragenen Sinne zu einem „Blutbad“ werden könnte, gilt Ex-Finanzminister Rishi Sunak als so gut wie gesetzt für die finale Runde. Schon bei seiner Bewerbung für die Kandidatenliste soll der 42-Jährige weit mehr als die hierfür notwendigen 20 Unterstützer mitgebracht haben.
Rishi Sunak als Nachfolger von Boris Johnson? Der einstige Finanzminister wäre im Grunde der komplette Gegenentwurf zu „BoJo“, wie Johnson gemeinhin abgekürzt wird. In seiner Wahlkampagne sprach Sunak am Dienstag, 12. Juli, von einem „erwachsenen Gespräch“, welche das Land nun brauche. Und zwar darüber, „wo wir uns befinden, wie wir dorthin gelangt sind und was wir dagegen tun wollen“. Die Spitze gegen den von Skandalen geprägten Schlitterkurs von Boris Johnson war unüberhörbar.
Rishi Sunak als Boris Johnson Nachfolger? Ex-Finanzminister mit angekratztem Saubermann-Image
Da es zwischen Sunak und Johnson unterschiedliche Auffassungen in der Finanzpolitik gegeben hätte, hatte der potenzielle „BoJo“-Nachfolger seinen Rücktritt verkündet. Was bereits längst bekannt war: Immer wieder wurden Boris Johnson sexuelle Belästigungen vorgeworfen, die ihn nicht länger tragbar machten. Darauf spielt Rishi Sunak nicht explizit an. Er, dem ein Saubermann-Image anhaftet.
Es ist die klassische Aufsteiger-Geschichte Sunaks, die ihn wohl so beliebt macht und gute Karten auf die Nachfolge von Boris Johnson als Tory-Parteichef einräumt: Kind einer Einwandererfamilie, Studium in Oxford und Stanford, erst im Finanzwesen tätig, dann erfolgreich in der Politik. Was ihn zum Verhängnis werden könnte: Aussagen in einer BBC-Dokumentation, in denen Sunak betont, Freunde aus der Oberschicht oder mit Adelstiteln zu haben, aber eben keine aus der Arbeitsklasse. Oder muss man auch beim einstigen Finanzminister nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen?
Boris Johnsons Nachfolger: Außenministerin Liz Truss tritt entschieden gegen Wladimir Putin auf
Doch auch Großbritanniens Außenministerin Liz Truss werden gute Chancen auf die Nachfolge von Boris Johnson eingeräumt. Die 46-Jährige weiß die Johnson-Getreuen hinter sich. Im „Telegraph“ hatte Truss angekündigt, sie werde „bei dieser Wahl wie eine Konservative kämpfen und wie eine Konservative regieren“. Nur vollmundige Worte oder auch tatsächlich ernst gemeint?
Noch bevor der Konflikt in der Ukraine mit Russland in den Ukraine-Krieg mündete, trat Liz Truss immer wieder als harte Gegenspielerin von Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf. Das brachte ihr international viel Anerkennung ein. Erst im Januar 2022 übte die potenzielle Nachfolgerin von Boris Johnson harsche Kritik an Russland und China, sie würden „die Diktatur rund um die Welt wie eine Dienstleistung exportieren“. Truss könnte sich zumindest ein Duell mit Penny Mordaunt liefern.
Boris Johnsons Nachfolger: Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt strebt Führungswechsel an
Denn auch Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt strebt die Nachfolge von Boris Johnson an. Die 49-Jährige gilt als Liebling der Parteibasis, sie verfügt bereits über Erfahrung als Verteidigungs- und Entwicklungsministerin. „Unsere Führung muss sich ändern. Es muss weniger um die Person an der Spitze gehen und viel mehr um das Schiff“, ließ Mordaunt bereits auf Twitter verlauten.
Penny Mordaunt, die als vehemente Brexit-Unterstützerin bekannt ist, denkt ans Große-Ganze, die Parteiführung der Tories muss dennoch jemand übernehmen. Warum nicht sie? Es wird erwartet, dass entweder sie oder Liz Truss das Rennen macht – um sich dann ein finales, entscheidendes Duell mit Rishi Sunak zu liefern.
Suche nach Nachfolger von Boris Johnson: Welche acht Kandidaten noch im Rennen sind
Doch selbst Überraschungen im Rennen um die Nachfolge von Boris Johnson als Tory-Parteiführer und im Amt des britischen Premierministers sind nicht gänzlich ausgeschlossen. Ebenfalls zur Wahl stehen Finanzminister Nadhim Zahawi, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat, Chefjustiziarin Suella Braverman, Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt und die Abgeordnete Kemi Badenoch.
- Penny Mordaunt (Staatsministerin für Handelspolitik)
- Rishi Sunak (zurückgetretener Finanzminister)
Liz Truss (Außenministerin) - Nadhim Zahawi (erst Bildungsminister, nun neuer Finanzminister)
- Tom Tugendhat (derzeit ohne Minister-Posten)
- Kemi Badenoch (frühere Staatssekretärin)
- Jeremy Hunt (früherer Gesundheitsminister)
- Suella Braverman (Chefjustiziarin)
Was alle acht Kandidaten, die Boris Johnson gleich zweifach beerben wollen, verbindet: das Versprechen, die Steuern zu senken. Völlig offen ist hingegen noch, ob es zu einer Abkehr von den umstrittenen Projekten der Johnson-Regierung kommt. Gemeint sind hiermit beispielsweise der Bruch des Brexit-Abkommens hinsichtlich der Regelung für Nordirland oder dem Asyl-Pakt mit Ruanda. Die große Herausforderung an den künftigen Nachfolger von Boris Johnson: Menschen aus allen Gesellschaftsschichten anzusprechen. Denn nicht zuletzt die Rhetorik könnte bei diesem „Blutbad“ entscheidend sein.
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