Bosnien

Bosnien: Dodik ist ein Strippenzieher ohne Fäden

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Milorad Dodik schüttelt dem russische Präsident Wladimir Putin während eines Treffens am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums von Sankt Petersburg die Hand.
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Bosniens Serbenführer Milorad Dodik verspürt zunehmend Gegenwind in dem Teilstaat der Republika Srpska.

Der prominente Gast war nicht gefragt. Mit dem Helikopter hatte sich Bosniens Serbenführer Milorad Dodik am vergangenen Wochenende zum Bardaca-See aufgemacht, um angesichts der nahenden Kommunalwahl beim „Gastro“-Fest ein Bad in der Menge zu nehmen. Doch statt mit Schulterklopfen und Beifall wurde der wuchtige Wahlkämpfer im Zelt des Kriegsveteranenverbands mit eisiger Ablehnung begrüßt: Kein Veteran wollte die vergeblich ausgestreckte Hand des Würdenträgers schütteln.

Auf Buhrufe reagierte der eingeschnappte Präsident des Teilstaats der Republika Srpska mit dem Zeigen seines ausgestreckten Mittelfingers. Die obszöne Geste des Chefs der regierenden SNSD sei das „Symbol“ von Dodiks Verhältnis zum eigenen Volk, ätzte hernach die Oppositionspolitikerin Jelena Trivic (NF): „Einmal Kriegsprofiteur, immer Kriegsprofiteur.“

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Bereits seit über einem Vierteljahrhundert teilt der Strippenzieher in der Republika Srpska die Karten aus. Doch nun macht dem 65-Jährigen eine Kette von peinlichen Rück- und Gegenschlägen zu schaffen: Der Stern des steinreichen Rumpelpatrioten scheint selbst bei seinen serbischstämmigen Landsleuten zu verblassen. Denn: Die stark verschärften US-Sanktionen gegen den russophilen Ränkeschmied bekommt dessen Gefolge in Form aufgelöster Bankkonten stärker zu spüren. So sah sich Bosniens sezessionistischer Poltergeist, der seit Jahren mit einem Unabhängigkeitsreferendum droht, auf US-Druck zu einem Treueschwur auf Bosniens Einheit gezwungen.

Kurz nachdem sich William Burns, der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, auf seiner Balkantour mit seiner Vertrauten Zeljka Cvijanovic in Sarajevo getroffen hatte, überraschte Dodik Ende August mit der überraschenden Erklärung: Die Republika Srpska habe „niemals die Souveränität und Integrität von Bosnien und Herzegowina angezweifelt“. Dodik habe „nicht nur die Handbremse angezogen, sondern hat das Auto fluchtartig verlassen, um zurückzurennen“, sagt die Analystin Ivana Maric – und erklärt dessen Kehrtwende mit der US-Kenntnis über „Dinge“, die Dodik schwer belasten könnten.

Am meisten dürfte Dodik die subtile Distanzierung seines bisherigen Schutzherrn im nahen Serbien treffen. Als Präsident habe er zwar Beziehungen zur Führung der Republika Srpska, aber er kenne „alle“ und wolle sich „nicht in den Wahlkampf einmischen“, wich Serbiens Präsident Aleksandar Vucic kürzlich auffällig der Frage aus, welche Partei er bei Bosniens Kommunalwahl unterstütze. Der „Euro Blic“ in Banja Luka sprach von einer Belgrader „Ohrfeige“.

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