„Leopard“-Bestände

Schwere Panzer-Verluste statt Gebietsgewinne? Brisante Karte aus Kriegsgebiet veröffentlicht

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Die Ukraine verliert nicht nur in der Oblast Saporischschja etliche westliche Panzer. Laut einer nun veröffentlichten Karte sind die erzielten Gebietsgewinne vergleichsweise gering.

Saporischschja/Kiew – Es sind Bilder brennender und verlassener Panzer. Doch diesmal zeigen die Aufnahmen im Ukraine-Krieg nicht etwa zerstörtes Gerät der russischen Invasionsarmee von Moskau-Machthaber Wladimir Putin. Nein, es sind westliche Panzer, die reihenweise in Flammen stehen.

Gegenoffensive: Ukraine verliert mehrere westliche Kampf- und Schützenpanzer

Russland hat nun eroberte Kampfpanzer Leopard und Schützenpanzer Bradley als Trophäen präsentiert – und das zu einer frühen Phase der ukrainischen Gegenoffensive. Bei Twitter kursieren offenbar über Telegram verbreitete Videos der russischen Seite. Darauf ist zu sehen, wie mindestens ein weiterer Leopard 2 durch eine Kamikaze-Drohne abgeschossen wird. Unabhängig verifizieren lassen sich die Bildsequenzen nicht, sie wirken aber echt.

In der Oblast Saporischschja gingen der ukrainischen Armee wohl bei einem einzigen Vorstoß mehrere westliche Panzer verloren. Hier sind verlassene Bradley-Schützenpanzer zu sehen, die offenbar auf Minen gefahren sind.

Gleichzeitig veranschaulicht eine Landkarte auf Basis der Informationen der Ukraine nur geringe Gebietsgewinne an der südlichen Front. Was zur Frage führt: Sind die Panzer-Verluste schon jetzt viel zu hoch?

Auch am Mittwoch (14. Juni) haben die ukrainischen Streitkräfte ihre Offensive im Süden und Osten des Landes fortgesetzt. Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar berichtete auf Telegram über heftige Gefechte. Das Dorf Makariwka südwestlich von Donezk sei besonders schwer umkämpft. Am Vortag hatte Maljar von einer befreiten Fläche von drei Quadratkilometern im Süden berichtet. Am Mittwoch rückte die ukrainische Armee nach Angaben der stellvertretenden Verteidigungsministerin dort weitere 200 bis 500 Meter vor.

Gegenoffensive der Ukraine: Nur minimale Gebietsgewinne im Donbass und im Süden?

Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek veröffentlichte beschriebene Landkarte. Dabei wird der Twitter-Account „War Mapper“ zitiert, der eigenen Angaben zufolge Gebietsverschiebungen im Ukraine-Krieg dokumentiert. Zu sehen ist eine verhältnismäßig kleine Fläche befreiten Landes zwischen den Dörfern Makarivka, Blahodatne und Novodonets‘ke, die rund 60 Kilometer südwestlich der Großstadt Donezk liegen.

Ferner sind gemäß ukrainischen Angaben offenbar minimale Gebietsgewinne zwischen den Dörfern Kam‘yans‘ke und Lobkove eingezeichnet, die etwa 30 Kilometer südlich von Saporischschja direkt am Kachowkaer Stausee liegen, dessen Staudamm-Sprengung zuletzt für reichlich Aufsehen gesorgt hatte. Etwas weiter östlich versuchen die ukrainischen Streitkräfte laut der Karte südlich von Orichiw vorzustoßen. Von dort wurden zuletzt ebenfalls schwere Kämpfe gemeldet. Laut unbestätigten Berichten bei Twitter soll sich genau in diesem Bereich das zugetragen haben, was den Westen nachhaltig alarmieren dürfte.

Gegenoffensive der Ukraine: Russland erbeutet wohl Bradley-Schützenpanzer

Denn: Das russische Verteidigungsministerium hatte am Dienstag (13. Juni) Videomaterial veröffentlicht, wie russische Streitkräfte angeblich einen gelieferten deutschen Leopard-2-Panzer sowie US-amerikanische Bradley-Schützenpanzer erbeuten. „Das sind unsere Trophäen“, hieß es dazu. Sowohl in dem Video des Ministeriums auf dem Online-Dienst Telegram als auch auf einem geteilten Video bei Twitter sind beschädigte und verlassene Bradley-Schützenpanzer sowie eindeutig ein moderner „Leo“ zu erkennen.

Die ukrainische Armee soll dort Twitter-Fotos zufolge bei einem einzigen Vorstoß insgesamt mindestens einen modernen Leopard-2-A6, fünf US-amerikanische Bradley-Schützenpanzer, zwei gepanzerte US-amerikanische Truppentransporter MaxxPro sowie einen Minenräumpanzer sowjetischer Bauart verloren haben. Aus Kiew gab es bislang keine Stellungnahme. Werden westliche Panzer derzeit auf dem Schlachtfeld regelrecht verheizt?

Gegenoffensive gegen Russland: Ukrainische Armee operiert mit kleinen Panzer-Gruppen

Laut Süddeutscher Zeitung agiert die ukrainische Armee derzeit mit kleineren Gruppen von bis zu zehn Fahrzeugen zur Minenräumung. Darunter ist demnach in der Regel nur ein Kampfpanzer. So sollen hinter der russischen Kontaktlinie Stellungen mit gepanzerten Fahrzeugen eingerichtet werden, schreibt die SZ, um damit Großangriffe auf die russische Hauptverteidigungslinie vorzubereiten, welche etwa der Vorsitzende des britischen Verteidigungsausschusses, Tobias Ellwood, alsbald erwartet. Dabei ist der Verschleiß an Militärfahrzeugen schon jetzt offensichtlich groß.

Das Nachrichtenportal CNN hatte am Dienstag berichtet, die Ukraine habe zuletzt 16 von den USA gelieferte Bradleys verloren. Dies würde 15 Prozent der 109 Bradleys bedeuten, die Washington zur Verfügung gestellt hatte, erklärte Jakub Janovsky von der niederländischen Open-Source-Website Oryx, die Verluste an militärischer Ausrüstung dokumentiert. Damit nicht genug: Laut demselben Analyse-Portal verlor einzig die 47. Brigade „Magura“ der ukrainischen Armee im Donbass sieben Leopard-2-Panzer und 17 Schützenpanzer Bradley. Wären 22 verlorene Bradleys insgesamt – mindestens. Und „Leos“?

Gegenoffensive der Ukraine: Deutschland hatte 18 Leopard-2A6-Kampfpanzer geliefert

Deutschland hatte 18 moderne Leopard-2A6 geliefert, Polen stellte 14 Exemplare bereit. Drei „Leo“-2-Panzer sollten aus Portugal und zehn aus Schweden kommen. Hinzukamen acht Leopard-2A4 aus Kanada sowie vier finnische Leopard 2 zur Minenräumung – macht insgesamt 57 Stück. Einzig drei der finnischen Panzer verlor unbestätigten Berichten zufolge die 33. Panzerbrigade in nur einem Einsatz. Die Entwicklung setzt die Partner der Ukraine aus den Reihen der Nato unter Druck, während Deutschland 110 Kampfpanzer vom Typ Leopard 1A5 aus Industriebeständen zur Ausfuhr vorbereitet.

Wir bestellen gerade neue Leopard 2. Das ist der A7, das neueste Modell. Weil wir aus dem Bestand der Bundeswehr welche an die Ukraine abgeben.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) im Gespräch mit IPPEN.MEDIA

Kampfpanzer-Lieferungen für die Ukraine: Kommt Deutschland nicht mehr hinterher?

Kommt die Ampel-Bundesregierung so nicht mehr nach, dezimierte Kapazitäten der Bundeswehr aufzufüllen? Im Gespräch mit IPPEN.MEDIA hatte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) Ende März erklärt, dass von dem, „was wir abgeben, das Neueste bestellt wird, um dies der Truppe zuzuführen“. 

Konkret: „Wir bestellen gerade neue Leopard 2. Das ist der A7, das neueste Modell. Weil wir aus dem Bestand der Bundeswehr welche an die Ukraine abgeben. Und in diesem Zug haben wir sofort den Auftrag erteilt, dass neue hergestellt werden“, erzählte die Vorsitzende im Verteidigungsausschuss damals. Seither wurde jedoch keine Bestellung öffentlich publik. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Russian Defence Ministry

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