„Verstehe nicht, was du tust“

Brisanter G7-Vorschlag mit Russland-Beteiligung: Trump leakt plötzlich Chats mit Macron und Rutte

  • schließen

Macron schlägt Trump ein G7-Treffen vor, an dem auch Russland teilnehmen soll. Auch Grönland könnte dann auf der Themenliste stehen.

Paris – Frostig ist es nicht nur in Grönland. Auch die Beziehungen zwischen Europa und den USA sind seit den Plänen von Donald Trump zur Übernahme der größten Insel der Welt merklich abgekühlt. Längst ist ein neuer Zollstreit entbrannt. Inmitten der neuen Dramatik versucht sich nun allerdings wohl ein Staatschef erneut als Vermittler.

Trump postet Chats von Macron und Rutte – Frankreichs Präsident will einen G7-Gipfel.

Demnach wagt Emmanuel Macron offenbar im Zuge des Weltwirtschaftsforums, das aktuell im schweizerischen Davos läuft, einen brisanten Vorstoß. Frankreichs Präsident hat Trump den Vorschlag eines G7-Treffens in Paris unterbreitet – mit Beteiligung Russlands. Der Weg, wie der Vorschlag an die Öffentlichkeit geriet, ist derweil selbst höchst kurios.

Trump postet Macron-Chat – Frankreichs Präsident schlägt brisantes G7-Comeback mit Russland vor

Denn Donald Trump selbst postete ihn auf seiner Social-Media-Plattform „Truth Social“. Allerdings nicht als einfachen Text, sondern als Screenshot der von Macron geschickten Nachricht. Das veröffentlichte Foto wurde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP aus Macrons Umfeld als echt bestätigt.

„Mein Freund, wir sind total auf einer Linie bei Syrien“, schreibt Macron im Chat. Und weiter: „Wir können großartige Dinge im Iran tun. Ich verstehe nicht, was du mit Grönland machst. Lass uns versuchen, großartige Sachen zu machen: 1) Ich kann ein G7-Meeting nach Davos in Paris am Donnerstag organisieren. Ich kann die Ukrainer einladen, die Dänen, die Syrer und die Russen am Rande. 2) Lass uns gemeinsam in Paris am Donnerstag zu Abend essen, bevor du wieder in die USA fliegst.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

„Mein lieber Donald“: NATO-Generalsekretär umschmeichelt Trump in veröffentlichter Chat-Nachricht

Der Vorstoß kommt in politisch brisanten Zeiten. Auch Frankreich hatte sich an der NATO-Mission in Grönland mit Soldaten beteiligt. Trump stieß das Vorgehen der Europäer sauer auf. Er drohte Paris unlängst mit 200 Prozent Zöllen auf Wein und Champagner. Auch der Vorstoß, Russland in der G7-Runde wieder leicht zu integrieren, dürfte Reaktionen nach sich ziehen.

Trump beließ es übrigens nicht nur bei einer Nachricht, die er in seinem sozialen Netzwerk zeigte. Der US-Präsident postete ebenfalls einen Chat von NATO-Generalsekretär Mark Rutte. „Mr. Präsident, mein lieber Donald – was du in Syrien vollbracht hast, ist unglaublich. Ich werde meine Medienpräsenz in Davos nutzen, um deine Arbeit dort, in Gaza und in der Ukraine hervorzuheben. Ich bin entschlossen, einen Weg nach vorn bei Grönland zu finden. Ich kann es nicht erwarten, dich zu treffen“, heißt es in der Nachricht.

Nicht nur Macron-Nachricht: Trump postet auch Rutte-Chat zu Grönland

Den Chat postete Trump verbunden mit einem Dank an den NATO-Generalsekretär. Kurz zuvor war herausgekommen, dass Trump und Rutte sich in einem Telefonat auf ein multilaterales Treffen zum Thema Grönland verständigt haben. (Quellen: dpa, AFP, Truth Social) (han)

Rubriklistenbild: © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson + dpa/Pool AP | Philippe Magoni + dpa/AP | Omar Havana

Kommentare