VonStefan Kriegerschließen
Der britische Finanzminister Rishi Sunak bittet Premierminister Boris Johnson um Untersuchung seiner privaten finanziellen Angelegenheiten.
London – Wegen eigentlich legaler Steuertricks seiner wohlhabenden Ehefrau und dem jahrelangen Besitz einer Green Card für die USA ist der britische Finanzminister Rishi Sunak unter Druck geraten. Der 41-Jährige, der als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für eine Nachfolge von Premierminister Boris Johnson gilt, bat den britischen Premierminister schriftlich um eine Untersuchung seiner Einkommenserklärungen durch den regierungsinternen Gutachter Christopher Geidt.
Sunaks Ehefrau Akshata Murty, Tochter des indischen IT-Unternehmers N.R. Narayana Murty, zahlte wegen ihres Steuerstatus bisher in Großbritannien keine Steuern auf Einkünfte im Ausland. Sie ist Nicht-Britin und hat ihren ständigen Wohnsitz im Ausland. Dadurch sparte die Inderin 2021 nach Recherchen der BBC auf legale Weise rund 2,1 Millionen Pfund (2,5 Mio. Euro). Nach heftiger Kritik kündigte Murty an, ab sofort alle Einnahmen in Großbritannien versteuern zu wollen.
Großbritannien: Finanzminister Rishi Sunak weist alle Vorwürfe zurück
Sunak betonte in einer Mitteilung vom Sonntagabend (10.04.2022), er habe sich stets korrekt verhalten. Zuvor hatte er von einer „Schmierenkampagne“gegen seine Familie gesprochen. Sunak sagte weiterhin nach Angaben der britischen Zeitung The Guardian, er sei zuversichtlich, dass die Prüfung ergeben würde, dass „alle relevanten Informationen ordnungsgemäß deklariert wurden“, und zwar unter Mitarbeit von Steuerexperten.
Sunak wurde mangelnde Transparenz vorgeworfen, nachdem er zugegeben hatte, dass er bis zum vergangenen Jahr im Besitz einer dauerhaften US-Aufenthaltsgenehmigung, der sogenannten Green Card, war. Medienberichten zufolge tauchte sein Name außerdem im Zusammenhang mit Offshore-Treuhandgesellschaften in Steuerparadiesen auf.
Großbritannien: Auch Labour bittet um Auskunft
Durch die Green Card genoss er in den USA bestimmte Steuervorteile. Die Opposition verlangt nun volle Transparenz über die Einkünfte der Familie. Angela Rayner, die stellvertretende Vorsitzende der Labour-Partei, hat sich ebenfalls schriftlich an Johnson und Geidt gewandt und eine Reihe detaillierter Fragen gestellt, u.a:
- Ob Sunak bei Erhalt seiner Greencard den USA rechtlich zugesichert hat, dass dort sein ständiger Wohnsitz sei.
- Ob dies, falls ja, bedeutet, dass er rechtlich gesehen ein Bürger der USA war, als er ins Parlament einzog und Minister wurde.
- Ob der Minister und seine Familie „volle Transparenz“ über alle ihre Auslandseinkünfte und die Orte, an denen sie diese versteuern, abgegeben haben.
- Ob Sunak jemals Geld in Steuerparadiesen angelegt habe.
Sunak und Murthy hatten sich während ihres Studiums an der Stanford University in Kalifornien kennengelernt. Nach ihrer Heirat 2009 in Indien zogen sie 2013 nach Großbritannien, kurz bevor Sunak Abgeordneter wurde.
Großbritannien: Sunak gilt als aussichtsreichster Nachfolger von Boris Johnson
Der Fall ist mit der Bitte um Untersuchung allerdings nicht erledigt. So kritisiert die Opposition, dass der von Akshata Murtys Vater mitgegründete IT-Konzern Infosys, an dem sie 0,9 Prozent hält, Verträge mit der britischen Regierung hat. Diese Verbindung soll Sunak in seinen Erklärungen nicht erwähnt haben.
Sunak gilt eigentlich als aussichtsreichster Nachfolger von Premierminister Boris Johnson, sieht sich aber derzeit bereits wegen der steigenden Inflation mit schlechten Umfragen konfrontiert. Eine aktuelle YouGov-Umfrage ergab, dass seine Umfragewerte in den vergangenen zwei Wochen um 24 Prozentpunkte gesunken sind. (skr mit AFP/dpa)
Rubriklistenbild: © Dominic Lipinski

