VonJens Kiffmeierschließen
F35, Puma, Panzerhaubitze 2000: Die Pannenserie bei der Bundeswehr reißt nicht ab. Für die Union ist die Schuldfrage klar: Ministerin Lambrecht.
- Der Ausfall von Puma-Schützenpanzer sorgt für Aufsehen
- Auch die F35-Jets und die Panzerhaubitze 2000 machen Probleme
- Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) steht in der Kritik.
- Dieser Ticker berichtet über die Entwicklung bei der Bundeswehr
Update von Dienstag, 20. Dezember 2022, 12:41 Uhr: Nach der erneuten Pannenserie bei der Bundeswehr wächst der Druck auf Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). Wegen des Ausfalls der Puma-Schützenpanzer machte die Union die Politikerin persönlich verantwortlich. „Nach Munitionsdebakel, F-35 und schlechter Haushaltsplanung setzt sich nun beim Schützenpanzer Puma die Serie der Unfähigkeit fort“, sagte der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn der Augsburger Allgemeinen. Die Ministerin setze die falschen Schwerpunkte. Und auch aus der CDU kamen kritische Stimmen. So sprach deren Verteidigungspolitiker Hennig Otte von einem „Fiasko für die Verteidigungsbereitschaft“.
Probleme beim Puma: Union macht Verteidigungsministerin Christine Lambrecht für Bundeswehr-Fiasko verantwortlich
Zuvor war bekannt geworden, dass die Bundeswehr Probleme mit dem Schützenpanzer Puma hat. Eigentlich gilt er als einer der modernsten Waffen seiner Art. 18 Panzer sollen ab dem kommenden Jahr der Schnellen Eingreiftruppe der Nato zur Verfügung gestellt werden. Doch bei Übungen fielen nun alle 18 komplett aus. Von den 350 Stück, die die Bundeswehr besitzt, sollen derzeit nur 150 einsatzbereit sein.
Die Bundesverteidigungsministerin wies die Kritik an ihrer Person zurück und nahm umgekehrt die Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Landsysteme GmbH in Verantwortung. „Ich erwarte jetzt, dass diejenigen Pumas, die als fehlerhaft festgestellt wurden, schnellstmöglich von der Industrie instandgesetzt werden. Das ist der erste Schritt. Das hilft uns aber nicht dauerhaft weiter, sondern ich erwarte eine Perspektive, wie wir verlässlich mit diesen Pumas rechnen können“, sagte Lambrecht im ZDF und schloss zur Not einen Rückzug aus dem Auftrag nicht aus.
Nach Puma auch die Panzerhaubitze 2000: Bundeswehr plagt sich mit langer Mängelliste
Der Puma ist jedoch nicht die einzige Baustelle der Ministerin. Wie die Bild-Zeitung berichtet, zickt auch die Panzerhaubitze 2000 herum. So soll derzeit nur jede dritte einsatzbereit sein. Insgesamt gebe es 105 solche Panzerhaubitzen, von denen aktuell 73 im Heer genutzt würden, berichtete die Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf ein vertrauliches Papier des Verteidigungsministeriums. Von den Waffensystemen in diesem sogenannten Verfügungsbestand der Truppe sei aber nur etwa die Hälfte – also rund 36 Haubitzen – einsatzbereit. Die anderen seien in der Instandsetzung oder würden für Trainingszwecke genutzt.
Peinliche Pannenserie beim Puma: Bundeswehr setzt wieder auf Marder
Update von Montag, 19. Dezember 2022, 13:23 Uhr: Nach dem Ausfall von 18 Puma-Schützenpanzer hat Verteidigungsministerin Lambrecht einen Nachkauf weiterer Schützenpanzer Puma für die Bundeswehr vorerst ausgesetzt. „Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweist, wird es kein 2. Los geben. Die Kritik aus dem Parlament ist vollkommen berechtigt“, teilte Lambrecht am Montag in Berlin mit. „Unsere Truppe muss sich darauf verlassen können, dass Waffensysteme auch im Gefecht robust und standfest sind. Und die NATO kann sich weiter auf unsere Pflichterfüllung bei der VJTF verlassen. Wir haben den Schützenpanzer Marder bereits bei den Vorbereitungen eingeplant und das hat sich als klug erwiesen.“
Peinliche Pannenserie beim Puma: Bundeswehr setzt wieder auf Marder
Und damit will sich die Bundeswehr nun an der Eingreifgruppe beteiligen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, der Ausfall der Pumas bei der jüngsten Übung sei „ein herber Rückschlag“. „Wir waren nach den vorangegangenen Übungen noch recht zuversichtlich, weil der Puma sich gut geschlagen hatte. Und nun kommt dieser ungewöhnlich hohe Ausfall“, sagte er.
Zuvor hatte bereits der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, die Bundesregierung wegen der fortgesetzten Pannen beim Schützenpanzer Puma aufgefordert, Regressansprüche gegen die Hersteller zu prüfen. „Schrott für sechs Milliarden Euro ist peinlich für Deutschland. Der Schützenpanzer Puma war von Anfang an ein Fehlkonstrukt, ein Milliardengrab für die Steuerzahler“, kritisierte Bartsch. Er betonte zudem: „Schon 2017 waren von 71 fabrikneuen Puma nur 27 einsatzbereit. Dennoch haben sich die Kosten in der Folge verdoppelt.“
Peinliche Pannenserie beim Puma: Scholz soll Bundeswehr zur Chefsache machen
Bartsch forderte Verteidigungsministerin Lambrecht auf, vollständige öffentliche Transparenz über die Einsatzbereitschaft und die Kostenentwicklung des gesamten militärischen Großgeräts herzustellen. „Ferner muss ein Beschaffungsmoratorium wirksam werden. Angesichts des ,Sondervermögens‘ für die Bundeswehr droht eine weitere Steuergeldverbrennung im dreistelligen Milliardenbereich“, warnte Bartsch. „Zieht die Ampel-Koalition jetzt nicht die Beschaffungsnotbremse, handelt sie grob fahrlässig.“
Erstmeldung von Montag, 19. Dezember 2022, 10:43 Uhr: Berlin – Ein Test mit Folgen: Nach der Pannenserie beim Schützenpanzer Puma ist die Debatte um den Zustand der Bundeswehr erneut entbrannt. So sieht die CDU die deutsche Bündnistreue in der Nato gefährdet, weswegen sie Kanzler Olaf Scholz (SPD) zum Handeln aufforderte. „Der Bundeskanzler muss sich der Sache ebenso annehmen, denn wir müssen unserer Bündnisverpflichtung in der Nato auch gerecht werden können“, sagte Czaja am Montag (8. Dezember 2022) bei RTL/ntv. Die Probleme mit dem Schützenpanzer seien unangenehm und peinlich. Für Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) jedenfalls wächst der Druck.
Bundeswehr: Puma-Schützenpanzer macht Probleme – 18 Fahrzeuge nicht einsatzbereit für Nato
Die Bundeswehr hat den Puma seit 2015 in ihrem Bestand. Bei der Übernahme wurde er als einer der modernsten Schützenpanzer der Welt gefeiert. Im kommenden Jahr soll er Teil der Nato-Nato-Eingreiftruppe VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) werden. Doch bei Übungen fielen jetzt alle 18 Gefechtsfahrzeugen aus, berichtete der Spiegel am Wochenende. Vor allem die Elektronik der Hightech-Panzer ist dem Bericht zufolge fehleranfällig. Die Kampfkraft der Bundeswehr ist demnach beim Puma-Panzer für die Nato auf null gesunken.
Krisengipfel zum Puma: Pannenserie beim Schützenpanzer setzt Verteidigungsministerin Lambrecht unter Druck
Bei einem Krisengespräch sollen Vertreter der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie an diesem Montag über das weitere Vorgehen beraten. An dem Gespräch soll auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) teilnehmen. Für die Sozialdemokratin ist die neue Pannenserie heikel. Denn es ist nicht das erste Problem, das sie in den Griff bekommen muss. Nach dem Ausrufen der Zeitenwende und dem Bereitstellen des 100-Milliarden-Sondervermögens, mit dem die Bundeswehr für die Zukunft gerüstet werden soll, ist ins Stocken geraten.
Wie viele Puma hat die Bundeswehr?
Die genaue Anzahl einsatzbereiter Schützenpanzer ist unklar. Auf dem Papier hat die Bundeswehr 350 Puma angeschafft. Berichten zufolge stehen derzeit aber nur 150 Fahrzeuge davon zur Verfügung. Für die Beteiligung an der Schnellen Eingreiftruppe der Nato waren 18 Panzer eingeplant.
Die Opposition forderte bereits vor dem Puma-Ausfall den Rücktritt der Ministerin. Lambrecht sei überfordert, lästerten Unionspolitiker mehr als einmal. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), legte am Montag nach. Das Vertrauen in der Nato sei nach dem jüngsten Vorfall enorm beschädigt, sagte er im SWR. „Deutschland hat sich verpflichtet, die schnelle Nato-Eingreiftruppe mit modernem Waffenmaterial zu unterstützen.“ Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine sei es wichtig, dass die Bündnispartner sich auf die deutschen Waffensysteme verlassen könnten.
Bundeswehr: Nach Problemen beim Schützenpanzer Puma fordern Opposition und Verband Konsequenzen
Beim Bundeswehrverband sieht man das ähnlich. Nachdem die Bundeswehr jahrzehntelang zu einer eher kleinen Einsatzarmee umfunktioniert worden war, mahnte der Verband nun ein Umsteuern in der Verteidigungspolitik an. „Wir brauchen endlich wieder Landstreitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung, die ihren Namen verdienen, denn für Abschreckung und Verteidigung braucht es Kräfte, die im Streitfall siegen“, sagte der Vorsitzende André Wüstner den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Das gelinge nur mit Waffensystemen, die unter allen Bedingungen einsatzbereit blieben. Daher müsse das Verteidigungsministerium die Landstreitkräfte in den Fokus nehmen. „In der Vergangenheit lag aufgrund der Unterfinanzierung des Verteidigungshaushaltes kein Schwerpunkt auf den Rüstungsprojekten des Heeres“, sagte Wüstner. Dies räche sich nun. (jkf/dpa)

