KI im Krieg

Schlag aus heiterem Himmel: Ukraine sprengt russische Panzer-Kolonne mit Drohnen-Schwarm

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Spektakulärer Schlag gegen Russlands stählerne Aggression: Drohnen der Ukraine sprengen eine russische Panzerkolonne – und zeigen so auch der Bundeswehr Gefahren auf.

Solodke – Andreij Nemtsev macht einen deprimierten Eindruck auf die Journalisten. Der Batallionskommandeur befiehlt über Abteilungen mit deutschen „Wunderwaffen“ und zeigt sich tief betrübt über deren weitgehende Wirkungslosigkeit. Das Hamburger Abendblatt beobachtet Nemtsev dabei, wie die Ukraine gegen die Truppen von Wladimir Putin das Blatt im Ukraine-Krieg wenden wollte – und mit ihrer Gegenoffensive gegen Russlands Aggression steckengeblieben ist.

Allerdings sind vielleicht lediglich die hohen Erwartungen in die westeuropäische High-Tech verpufft; aber mit ihren Do-It-Yourself-Lösungen scheint die Ukraine ihrem Feind mindestens auf Augenhöhe begegnen zu können, wie jetzt ein Video in den sozialen Netzwerken zu belegen scheint. Der Inhalt ist für die Russen derart erschütternd, dass selbst die Blogger auf Seiten von Russlands Feldzug auf den Zinnen sind, wie die Bild schreibt. Die Invasionsarmee soll eine Panzerkolonne verloren haben, weil sie offenbar die ukrainischen Drohnen unterschätzt hat. Der Tod kam aus heiterem Himmel.

Die Aufnahmen von Ende Januar zeigen eine Kolonne von elf gepanzerten Fahrzeugen auf dem Marsch nahe des Dorfs Solodke in der Region Donezk in westlicher Richtung; mit dabei drei Kampfpanzer, ein Schützenpanzer und sieben gepanzerte Fahrzeuge. Sie marschieren in der Mittagszeit ohne jegliche Deckung oder infanteristische Unterstützung beziehungsweise ohne Überwachung des Luftraumes. Ihr Ziel soll laut Angaben von Bild gewesen sein, den umkämpften Ort Nowomichajliwka südlich zu flankieren und zur strategisch wichtigen Straße nach Wuhledar vorzustoßen.

Tatsächlich kamen weder Fahrzeuge noch viele russische Soldaten dort an. Offenbar hatte die Ukraine aufgrund guter Aufklärung von dem Durchbruchsversuch Lunte gerochen und einen Schwarm von ungefähr 20 FPV-Drohnen (First Person View) auf die Angreifer gehetzt – gegen die auf die Fahrzeuge geworfenen Granaten hatten die Russen keine Abwehrmöglichkeit, was für die russlandfreundlichen Militärblogger offenbar Grund genug war, die die selbstmörderische Taktik der russischen Offiziere zu verurteilen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, schreibt Blogger Dem Z-Krieg zugewandt, laut Bild, „wie zum Teufel kann man ignorieren, dass der Feind FPV-Drohnen zur Verfügung hat?“

Blogger kritisiert russische Führung: „Alles, was wir auf die Fahrzeuge packen, ist veraltet.“

Weiterhin soll der mit etwa 720.000 Followern auf Telegram reichweitenstarke Blogger offen die Militärführung kritisiert haben: „Aktuell besitzen wir keinen Schutz gegen diese Drohnen. Alles, was wir auf die Fahrzeuge packen, ist veraltet und hält die Drohnen nicht auf.“ Das Video wird in Berlin ebenfalls für ein Beben gesorgt haben; die Hilflosigkeit der Nato- sowie speziell auch der deutschen Panzer gegenüber die Bedrohung aus dem Baumarkt schleppt sich durch die Jahre und wird mit Fortschreiten des Ukraine-Kriegs um so prekärer für die westlichen Länder. Der Krieg gegen den Westen wird wahrscheinlicher, und Russland hat gerade Generalprobe.

„Die Verteidigungsministerin gesteht beim Schutz gegen Drohnen ,eine akute Fähigkeitslücke‘ der Bundeswehr ein. Denn: Diese hatte ihre Flugabwehr abgeschafft. Jetzt braucht sie wegen der Gefahr von Drohnenangriffen dringend Ersatz“ – das schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits vor fast drei Jahren, also lange bevor der erkaltete Krieg zwischen Ost und West plötzlich wieder Temperatur bekam. Die deutschen Streitkräfte waren damals in einem kläglichen Zustand. „Doch das Eingeständnis, dass die Bundeswehr nahezu wehrlos gegen Drohnenangriffe ist, hat doch überrascht“, schrieb die FAZ. Es bestehe „eine akute Fähigkeitslücke“, gestand die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wörtlich. Die eigene Ohnmacht war durch den kurzen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan offensichtlich geworden. Während der Kämpfe hatten aserbaidschanische Drohnen aus israelischer und türkischer Produktion mehr als 190 armenische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet.

Der Tod startet aus der erhobenen Hand: Die Ukraine setzt in ihrer Gegenoffensive inzwischen auch auf den Einsatz von Drohnen mit künstlicher Intelligenz. (Archivfoto)

Schock bei der Bundeswehr: wehrlos gegen Angriffe aus der Luft

Berichte darüber hatten in der Bundeswehr für einen Schock gesorgt. Unter Hochdruck hatte die Verteidigungsministerin laut der FAZ deshalb Vorschläge vorbereiten lassen, um die Lücke rasch zu schließen und die Flugabwehr insgesamt neu zu konzipieren. Geschehen ist diesbezüglich bisher wenig bis gar nichts. Die Gefahr zieht künftig tatsächlich in Schwärmen herauf: Drohnen werden kleiner und günstiger, ihre Zahl wird steigen. Effektiv dagegen wirkt bisher vor allem der Killer aus der Mottenkiste: der deutsche Flugabwehrkanonen-Panzer Gepard.

Für die deutschen Veteranen war das Thema ebenfalls bereits lange vor dem Ukraine-Krieg klar, wie Björn Müller in deren Magazin loyal schreibt: „Im Kalten Krieg war die mobile Flugabwehr der Bundeswehr ein Glanzstück innerhalb der Nato. Optimiert für ihren Hauptauftrag – Verzögerung eines Großangriffes der Sowjets – war die Bundeswehr vor allem eine Panzerarmee. Für deren Schutz gegen Luftangriffe wurde eine leistungsstarke Flugabwehr der Bodentruppen aufgebaut. Ausgerüstet waren diese Einheiten mit dem ,Gepard‘-Flugabwehrkanonenpanzer und mit dem Raketensystem ‚Roland‘. Doch das ist lange her.“ Heute ist nichts mehr davon übrig, die Bundeswehr steht gegenüber einer Bedrohung aus dem Osten fast blank dar.

Drohnen-Abwehr: Experte warnt eindringlich vor dem Glauben an einfache Lösungen

Ähnlich argumentiert der deutsche Militärhistoriker Sönke Neitzel in einem Interview mit der taz auf die Frage, ob Deutschland darauf vorbereitet sein muss, dass Russland auch massiv aus der Luft angreift: „Exakt. Das ist die Debatte über die Flugabwehr. Was passiert, wenn Putin Raketenangriffe auf Berlin vornimmt? Sind wir dafür bereit? Ganz blank sind wir da nicht, aber gut vorbereitet auch nicht“, antwortet Neitzel.

Einzelfahrzeuge gegen Drohnen zu schützen, scheint technisch schwer realisierbar, wie gegenüber dem Militärmagazin cpm DefenceNetwork der Geschäftsführer von Krauss Maffei Wegmann kürzlich zugegeben hat – die Rüstungsschmiede von Ralf Ketzel produziert beispielsweise den Leopard in seinen verschiedenen Ausführungen – ihm zufolge ist eine effektive Abwehr von Kleinstflugkörpern lediglich mit verbundenen Waffensystemen zu realisieren: „Wir müssen uns meiner Ansicht nach von der Vorstellung lösen, dass man alle Aufgaben in einem System realisieren könnte. Wir haben bei KMW sehr erfolgreich demonstriert, dass man mit dem Schützenpanzer Puma Drohnen bekämpfen kann. Das heißt also, das Tandem Puma und Leopard besäße an der Front einen sehr guten Schutz gegen Drohnen. Der Leopard bringt die Durchschlagskraft mit, der Puma – oder ein anderes Fahrzeug – den Schutz vor Drohnen.“

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Der Experte warnt nachdrücklich davor, nach vermeintlich einfachen Lösungen zu suchen: „Zum einen haben wir für Schweden und Griechenland einen wirklich schweren Schutz gegen Artilleriegeschosse realisiert, die Hohlladungen verschießen. Das ist aber ein wirklich schwerer Schutz. Dann haben wir noch das Trophy-Selbstschutzsystem, das nun auch einige deutsche Leoparden erhalten werden. Auch dieses bietet einen gewissen Schutz gegen Drohnen. Aber wirklich ausreichend sind beide Lösungen nicht.“

Gegenoffensive der Ukraine: Science-Fiction wird von Tag zu Tag realistischer

Allerdings scheint der Countdown unbarmherzig zu laufen, wie der Ukraine-Krieg zeigt: „Die Ukraine ist in den letzten Jahren und insbesondere seit Beginn des Krieges zu einer Drohnenmacht geworden“, sagte Ulrike Franke, vom European Council on Foreign Relations gegenüber dem ZDF. Und sie ist sich ziemlich sicher: „Es ist wahrscheinlich, dass die Ukraine aus diesem Krieg als wichtiges Drohnenherstellerland hervorgehen wird.“ Bisher hat Russland ein Stück weit Souveränität in der Ukraine zurückgewonnen, indem die elektronische Kriegführung ihre Anstrengungen erfolgreich auf die Entwicklung von Störsendern konzentriert und Macht über den Äther gewinnt. Aber das ist lediglich die eine Seite des Wettlaufs um den militärischen Fortschritt. Die Gegenseite entwickelt mit.

Diese Störsender stellten bisher eine direkte Bedrohung für die FPV-Drohnen dar und unterbrachen die wichtige Kommunikationsverbindung zwischen den Bedienern und ihren mit Sprengstoff beladenen Drohnen, schreibt der Digital-Journalist Aamir Sheikh im Blog Cryptopolitan. Scheikh prognostiziert deshalb einen Konflikt zwischen traditionellen Militärstrategien und modernen Technologien der Künstlichen Intelligenz – und damit einen entscheidenden Moment in der sich modernisierenden Kriegführung: „Um ihren Vorsprung im Drohnenkrieg zu behaupten, prüfen die ukrainischen Streitkräfte die Integration von KI in ihre Operationen. Das favorisierte KI-System würde lernen, Ziele über die Kamera der Drohne zu erkennen, sodass es die Drohne auch dann weiter auf das Ziel steuern kann, wenn keine Funkverbindung besteht.“

Erschwerend kommt hinzu, dass der Kampfpanzer Leopard in der Ukraine anders eingesetzt wird, als sich das die Konstrukteure gedacht hatten – ihm fehlen die von KMW-Geschäftsführer Ketzel herbeigewünschten Tandempartner, und als Solist im Gefecht sind seine konstruktiven Vorteile schnell dahin – neben den Flanken sind auch das Heck und die Oberseite schwächer gepanzert und bieten einer Drohne insofern eine hervorragende Angriffsfläche. Die Achillesferse des Leopard tritt in einer Notlage also schnell zutage, wie der ukrainische Kommandeur Andreij Nemtsev dem Hamburger Abendblatt gegenüber klagt: „Anstatt aus dem Hinterhalt zu attackieren, nutzen wir den Panzer für direkte Angriffsoperationen. Wir können nicht anders, weil wir keine anderen Kampfpanzer in unserem Bataillon haben.“

Insofern mag auch der Marsch der russischen Kolonne ohne jegliche Deckung vielleicht weniger zu tun zu haben mit fehlendem militärischen Sachverstand, sondern könnte lediglich aus der Not heraus geboren gewesen sein.

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