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Die Bundeswehr hat mehrere Baustellen: Ob kaputte Panzer oder zu wenig Munition — die Liste ist lang. Das Verteidigungsministerium will offenbar auch an der Gleichstellung ansetzen.
München - Die Lage der Bundeswehr ist seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu einem der zentralen Themen in der deutschen Verteidigungspolitik geworden. In den vergangenen Jahren wurde die Bundeswehr herunter gespart. Defizite lassen sich beim Material, Personal oder in der Infrastruktur finden. Das Thema Personal soll das Verteidigungsministerium nun mit einem Entwurf angehen, der vor allem darauf abzielt, die Bundeswehr für Frauen attraktiver zu gestalten. Dafür sollen etwa Stellenbeschreibung alle Geschlechter ansprechen oder die Pflege von Angehörigen übernommen werden.
Bundeswehr will mehr Frauen fördern: Unterstützung bei Pflege und Kinderbetreuung
Spekulationen über gravierende Veränderungen der Bundeswehr gibt es schon länger. Verteidigungsminister Boris Pistorius soll den Umbau der Bundeswehr-Führungsebene planen, wie Kreiszeitung.de berichtete. Nun soll das Militär auch attraktiver für Frauen werden. Das schreibt der Spiegel und bezieht sich auf einen Referentenentwurf für ein neues Gleichstellungsgesetz, das dem Blatt vorliegt. Darin enthalten sind Punkte wie die Erhöhung des Soldatinnen-Anteils in allen Bereichen, vor allem in Führungspositionen und die bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Dienst.
Laut Bundeswehr sollen 23.500 Soldatinnen beim Bund ihren Dienst leisten, das macht jedoch nur 13 Prozent der gesamten Bundeswehrangehörigen aus. Der Entwurf soll ein „Gesetz zur Fortentwicklung gleichstellungsrechtlicher Regelungen für das militärische Personal“ vorsehen. Dabei sollen auch Änderungen an bestehenden Gesetzen gemacht werden. Zusätzlich soll die Rolle des Gleichstellungsbeauftragten gestärkt werden, wie der Spiegel weiter berichtete.
Der Entwurf sieht vor, dass Beauftragte einen höheren Einfluss auf Personalentscheidungen nehmen sollen. Gleichzeitig soll das Amt auch attraktiver gemacht werden, indem etwa Kosten für die Kinderbetreuung erstattet werden, wenn Beauftrage Fortbildungen besuchen. Auch die Pflege von Angehörigen soll übernommen werden. Stellenausschreibungen sollen zukünftig alle Geschlechter ansprechen und „bei gleicher Qualifikation sind Frauen bevorzugt zu berücksichtigen, wenn sie in einzelnen Bereichen unterrepräsentiert sind“, zitiert der Spiegel den Entwurf.
Wehrbeauftragte Högl über Bundeswehr-Personal: „Herausforderung größer als beim Material“
„Die Herausforderung beim Personal ist noch größer als beim Material“, sagte die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, der Morgenpost am Sonntag (2. April). Das Verteidigungsministerium will bis zum Jahr 2031 die Anzahl von etwa 183.000 Soldatinnen und Soldaten auf 203.000 erhöhen, wie Högl erzählte. Sie denkt jedoch nicht, dass diese Erhöhung erreichbar ist. „Im vergangenen Jahr sind die Bewerbungen um elf Prozent zurückgegangen. Die Einstellungen stiegen zwar um zwölf Prozent, aber die Abbrecherquote bei den Rekruten lag bei 21 Prozent. Das ist viel zu hoch“, so Högl.
Dass so viele die Bundeswehr wieder verlassen, liege unter anderem daran, dass Erwartungen nicht erfüllt werden. „Manche haben falsche Erwartungen, weil sie spannende Videos der Bundeswehr gesehen haben, aber dann gibt es in einem Panzerbataillon nicht ausreichend Panzer oder auf der Stube kein Internet“, erklärte Högl. Mit der Gleichstellung der Soldatinnen und Soldaten könnte zumindest ein erster Schritt in Richtung einer modernisierten Bundeswehr getan werden. (vk)
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