Hagel-Video sorgt vor BW-Wahl für Wirbel: CDU-Mann entschuldigt sich live für Schülerinnen-Aussage
VonFranziska Schwarz
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CDU-Mann Hagel muss sich aktuell für ein altes Video rechtfertigen. Sein grüner Konkurrent Özdemir plädiert in dem Fall für politische Fairness.
Cem Özdemir als Gegner von „Negative Campaigning“, also den Gegner durch Fehler zu schwächen? Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg kritisiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel scharf – ihr Parteikollege Özdemir hingegen springt seinem direkten Konkurrenten zur Seite. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier will im TV-Triell im SWR von den Vorwürfen gegen Hagel Profit schlagen, scheitert aber.
Vor Landtagswahl BW 2025: Hagel für Aussage in „Auf ein Bier mit“-Video in der Kritik
Mayer hatte auf X ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist. Das Gespräch war im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet. Der Clip zeigt Hagel bei einem Interview in einer Ulmer Gaststätte für die Regio-TV-Sendung „Auf ein Bier mit“. Er war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU.
CDU-Spitzenkandidat für Landtagswahl BW in Video von 2018: „Sie hieß Eva“
Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. „Also da gibt“s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“, sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd‘s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“
Grünen-Politikerin Mayer kritisiert CDU-Politiker Hagel – „Einstieg war Mist“
Die Grünen-Politikerin Mayer postete den Clip und kritisierte: „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“ Mayer fragt auch, warum es um das Aussehen eines minderjährigen Mädchens gehen müsse, wenn doch ihre Frage im Mittelpunkt stehe, und was das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen sende, die sich in der Politik engagieren wollten.
Hagel reagierte auf die Vorwürfe mit einer Mischung aus Selbstkritik und Gegenangriff:„Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, sagte Hagel daraufhin unter anderem der Nachrichtenagentur dpa. „Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät.“
Eigentlich möchte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss, schreibt die dpa.
Landtagswahl in Baden-Württemberg: Özdemir strebt Kretschmann-Nachfolge an
TV-Triell zur Landtagswahl BW: AfD-Kandidat Frohnmaier greift Vorwürfe gegen Hagel auf
Am Dienstagabend (24. Februar) wurde das Thema in der Live-Sendung „Die Debatte – wer überzeugt Baden-Württemberg?“ aufgegriffen. Als gegen Ende die drei Spitzenkandidaten eine Frage an einen Konkurrenten ihrer Wahl stellen konnten, wollte AfD-Mann Markus Frohnmaier von Özdemir wissen, ob er sich vor diesem Hintergrund weiter eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen könne.
Der Grünen-Spitzenkandidat Özdemir antwortete: „Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren. Im Übrigen sind wir uns, glaube ich, einig, dass man Frauen so beurteilen sollte, wie man Männer beurteilt: nach ihrer Leistung, nach nichts anderem. So wollen wir Männer auch beurteilt werden.“
Grünen-Kandidat Özdemir hält sich mit Verteidigung Hagels Tür zu Koalition mit CDU offen
Dann räumte er noch Hagel die Chance ein, sich selbst zu äußern. Der wiederholte dabei im Grunde seine vorherige Äußerung und schilderte die damalige Situation. Die Schülerin habe kritisiert, Politiker sagten immer das Gleiche. Er habe darüber am Ende der Veranstaltung noch mit ihr gesprochen.
Özdemir sagte, die Parteien sollten im Wahlkampf anständig und fair miteinander umgehen. Auf die Bemerkung Frohnmaiers, seine Partei habe den Clip veröffentlicht, entgegnete der Grünen-Politiker: „Meine Partei hat nichts veröffentlicht, sondern eine Abgeordnete hat was veröffentlicht, was im Netz frei zugänglich ist.“ Hagel habe gesagt, dass er das so heute nicht mehr sagen würde. „Und das gilt für mich.“ (Quellen: dpa, SWR Mediathek) (frs)