CSU will „Dämon“ nicht „aus der Flasche lassen“: Bayern revoltiert gegen Berlins Cannabis-Pläne
VonStephanie Munk
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Der Streit um Cannabis zwischen der Ampel-Koalition und der CSU wird schärfer. Die CSU kündigt jetzt rechtliche Mittel an - und warnt vor einem „Dämon“.
Berlin/München - Darf in Deutschland Cannabis bald legal konsumiert und verkauft werden? Darüber ist ein erbitterter Streit zwischen der Bundesregierung in Berlin und der CSU in Bayern entbrannt. Die Ampel-Koalition will den kontrollierten Verkauf und Konsum in Modellregionen testen - auch in Bayern.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, hatte zuvor Bayern am Dienstag (2. Mai) energisch davor gewarnt, die Cannabis-Pläne der Ampel-Regierung zu torpedieren. „Wir werden nicht zulassen, dass Modellprojekte nicht zustande kommen, weil sie Landesregierungen aus ideologischer Verblendung nicht passen“, sagte Blienert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Koalition werde deshalb nun prüfen, ob die Mitsprache der Länder bei der Gesetzgebung für die Modellversuche überhaupt notwendig sei.
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hielt in einer Mitteilung dagegen, die er am Dienstag (2. Mai) unter anderem an Merkur.de von IPPEN.MEDIA verschickte. Der CSU-Politiker griff darin den SPD-Drogenbeauftragten scharf an: „Es ist ein Skandal, dass Blienert die Legalisierung von Cannabis und damit die Gefährdung insbesondere von jungen Menschen unterstützt. Sein Vorwurf der ‚ideologischen Verblendung‘ fällt auf ihn selbst zurück.“
Holetschek will Cannabis-Freigabe mit „allen rechtlichen Mitteln“ verhindern
Nachgeben will der bayerische Gesundheitsminister keinen Millimieter: „Es bleibt dabei, dass wir in Bayern keine Cannabis-Modellprojekte zulassen wollen“, stellte er klar: „Sobald der Gesetzentwurf vorliegt, werden wir ihn prüfen und alle rechtlichen Mittel einsetzen, um Modellprojekte in Bayern zu verhindern“, kündigte der CSU-Politiker an. Holetschek verwies erneut auf europa- und völkerrechtliche Grenzen bei der Schaffung eines „staatlich lizenzierten Drogenangebots“.
Cannabis-Freigabe in Deutschland? „Brauchen keine weitere Drogen-Baustelle“
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, warnte auf Anfrage von Merkur.de ebenfalls eindringlich vor der geplanten Cannabis-Freigabe: „Wir brauchen in Deutschland keine weitere Drogen-Baustelle“, so der CSU-Abgeordnete. „Wir lassen hier einen Dämon aus der Flasche, den wir dann nicht mehr kontrollieren können.“
Die teilweise Legalisierung von Cannabis werde in jedem Fall auch den Konsum unter Jugendlichen erhöhen, glaubt der gesundheitspolitische Sprecher - auch wenn Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Droge nur für Erwachsene freigeben will. „Der 18-Jährige wird natürlich seinem 16-jährigen Kumpel auch etwas davon geben“, warnte Seidenath. Das Argument der Ampel-Koalition, der Jugendschutz verbessere sich durch eine Freigabe von Cannabis, sei daher „völliger Käse“.
Fixe Idee der „Berliner Bubble“? Gesundheitspolitischer Sprecher der CSU warnt vor Folgen
Der Konsum von Alkohol sei für Jugendliche schon gefährlich genug, erklärte Seidenath. Da Bayern aber nun einmal seit Jahrhunderten ein „Bier- und Weinland“ sei, seien strengere Regeln beim Alkohol utopisch. In Sachen Cannabis solle man dafür aber keinesfalls „sehenden Auges“ ein zusätzliches Fass aufmachen. „Und das klarste Statement gegen die Gefährlichkeit einer Droge ist eben das Verbot“, sagte der CSU-Politiker.
In der „Berliner Bubble“ werde Cannabis-Konsum derzeit als witzig und harmlos angesehen. Jugendpsychiater und Mediziner würden aber eindringlich davor warnen. Auch die Erfolge in der Bekämpfung des Zigarettenkonsums bei Jugendlichen mache die geplante Cannabis-Freigabe zunichte: Joints enthielten auch gefährliche Stoffe wie Nikotin und Teer, „doch darüber redet keiner“.
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Cannabis-Besitz und -Konsum soll in Deutschland legal werden
Erlauben will die Ampel in Deutschland den Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis. Legal sein soll auch der Eigenanbau von maximal drei Pflanzen. Außerdem will die Bundesregierung den Anbau und die Abgabe der Droge in speziellen Vereinen ermöglichen. Der ursprünglich geplante freie Verkauf von Cannabis für Erwachsene in Fachgeschäften soll erst in einem zweiten Schritt erprobt werden. (smu mit Material von dpa und AFP)