Trump laut Ex-Vertrautem vor dem Ruin – Gerichtspost seiner Anwälte schürt Spekulationen
VonFlorian Naumann
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Donald Trumps finanzieller Niedergang könnte bevorstehen. So sieht es zumindest Ex-Anwalt Michael Cohen. Neue Dokumente befeuern die Gerüchte.
Update vom 18. März, 17.07 Uhr: Ein ehemaliger Vertrauter hatte Donald Trump zuletzt an der Schwelle zum finanziellen Ruin gesehen (siehe Meldung unten) – eine Einlassung von Trumps Anwälten könnte diese These nun stützen. In einem Gerichtsakt, aus dem das Portal Newsweek zitierte, heißt es: 464 Millionen Dollar Strafe aus einem Urteil im Betrugsprozess gegen die Trump Organization aufzubringen, sei eine „praktische Unmöglichkeit“.
Obwohl man den Markt „durchkämmt“ habe, sei man nicht erfolgreich gewesen, „eine Sicherheitsleistung zu erhalten“. Der „simple Grund“ sei, dass es schlicht unmöglich sei, einen solchen Betrag „unter den gegebenen Umständen“ zu erhalten. Trumps Anwaltsteam beantragte nun offenbar, die Zahlung bis zum Ergebnis eines Berufungsprozesses auszusetzen. In den USA ist es üblich, dass solche Strafen zunächst bezahlt werden, um in Berufung gehen zu können. Dies gilt als Sicherheit für den Fall, dass der Beklagte während des Berufungsprozesses bankrott geht – und als Hebel, um ein juristisches Spiel auf Zeit zu vermeiden.
Dem Bericht zufolge hatten Trumps Rechtsbeistände bereits zuvor angefragt, ob es möglich sei, zunächst 100 Millionen Dollar der Strafe zu begleichen, um eine Berufung zu ermöglichen. Diese Zahlen zeigen einerseits, dass Trump immer noch fraglos Teil der Reichsten ist – trotz seiner Anwürfe gegen „Eliten“ in den USA. Andererseits lässt sich spekulieren, dass eine finale Strafe in Höhe mehrerer 100 Millionen Dollar für den Ex-Präsidenten den Ruin bedeuten könnte. Der fragliche Prozess dreht sich ausgerechnet um die Frage, ob Trump den Wert seiner „Organization“ künstlich hochrechnen ließ, etwa um an günstigere Kredite zu gelangen.
Trump am Ende? „Wir werden erleben, wie er alles verliert“
Erstmeldung: Washington, D.C. – Seinem Wahlkampf und den Umfragewerten konnten Donald Trumps ungezählte Prozesse bislang wenig anhaben. Anders könnte es mit Besitz und Kontostand des designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner aussehen – jedenfalls nach Einschätzung eines früheren Vertrauten: Trumps einstiger Rechtsbeistand Michael Cohen sieht den Ex-Präsidenten am finanziellen Abgrund.
Trump werde „das meiste seines Geldes“ verlieren, urteilte Cohen jüngst in seinem Podcast „Mea Culpa“, wie das US-Portal Newsweek am Samstag (16. März) berichtete. „Ich denke, wir werden erleben, wie er alles verliert“, sagte der Anwalt. „Er hat bereits seinen Verstand verloren und das meiste seines Geldes.“
Trumps hohe Gerichts-Rechnung: „Millionen“ alleine für Anwaltsgebühren?
Mit Blick auf zurückliegende Richtersprüche in Zivilprozessen sprach Cohen von „Millionen und Abermillionen alleine an Anwaltsgebühren“ zulasten von Donald Trump. Der Besitz des Ex-Präsidenten sei bereits durchgehend verschuldet. Anlass für Cohens Thesen dürften unter anderem die Urteile in den Rechtsstreitigkeiten mit der US-Autorin E. Jean Carroll und zu Tätigkeiten der Trump Organization sein. Darin geht es potenziell um mehrere hundert Millionen Dollar.
Cohen ist kein Unbekannter: Der 58-jährige Jurist hat Trump unter anderem bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 beraten. In dieser Funktion soll er auch damit befasst gewesen sein, Vorwürfe und Berichte über Übergriffe Trumps gegen mehrere Frauen aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Im Jahr 2018 geriet Cohen selbst ins Visier der Justiz und bekannte sich unter anderem in Sachen illegaler Wahlkampffinanzierung und Steuerbetrug schuldig. Später erhob er selbst Vorwürfe gegen Trump – und erhielt 2023 eine enorme Forderung des Ex-Präsidenten.
Trump verliert Millionen Dollar in Gerichtsprozessen – 450-Millionen-Urteil zur Trump Organization
Der Hintergrund von Cohens Äußerungen: Nach seinem verlorenen Verleumdungsprozess gegen Carroll hat Trump mehr als 90 Millionen US-Dollar Kaution beim Gericht hinterlegt – er ging allerdings zugleich in Berufung, wie die dpa berichtete. Eine New Yorker Geschworenenjury hatte als erwiesen angesehen, dass Trump Carroll 1996 in einem New Yorker Nobelkaufhaus angegriffen, sexuell missbraucht und später verleumdet hatte. Zuletzt riskierte Trump durch seine Äußerungen eine weitere Klage in dem Fall.
In einem Betrugsprozess wurde Trump zuletzt ebenfalls schuldig gesprochen und muss mehr als 450 Millionen Dollar aufbringen. In diesem Zivilprozess ging es um die Zukunft seines Firmenimperiums. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Trump, dessen Söhne und Mitarbeiter den Wert der Trump Organization jahrelang manipuliert zu hatten, um an günstigere Kredite und Versicherungsverträge zu kommen. Das Urteil kratzt an Trumps Image als erfolgreicher Geschäftsmann.
Trumps Prozesse: Ein Novum ist möglich
Eine Gefängnisstrafe oder direkte Auswirkungen auf Trumps Bewerbung um das Präsidentenamt drohten in den Zivilprozessen nie. Der Ex-Präsident ist derzeit allerdings noch in weitere Verfahren verwickelt. Zuletzt war der Beginn eines Prozesses in Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar am 25. März von einem Richter bestätigt worden.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Es wäre der erste strafrechtliche Prozess gegen einen früheren Präsidenten in der Geschichte der USA. Drei weitere Strafprozesse sind in Vorbereitung, unter anderem wegen des Vorwurfs versuchter Wahlmanipulation. Zudem laufen noch Zivilprozesse. (fn mit Material von dpa)