„Dreist, dreister, Olaf Scholz“ - Maschmeyer schießt gegen Kanzleramts-Baupläne
VonChristoph Gschoßmann
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Fast 800 Millionen Euro kostet der Ausbau des Kanzleramts in Berlin. Carsten Maschmeyer kritisiert Bundeskanzler Olaf Scholz für diese Pläne.
Berlin / München - Das Kanzleramt soll erweitert werden, und das kostet den Steuerzahler in Deutschland eine stattliche Summe: Satte 777 Millionen Euro sollen fließen, damit der Arbeitsplatz von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den neuesten Anforderungen entspricht. Dieser Plan stößt bei Unternehmer Carsten Maschmeyer auf Unverständnis.
„Dreist, dreister, Olaf Scholz“, äußerte sich Maschmeyer am Freitag (24. März 2023) auf der Online-Plattform LinkedIn. Dass Scholz den Neubau mit Steuergeld vorantreibe, sei ein „unglaublicher Größenwahn“. Die Bürger seien von hoher Inflation und „horrenden“ Energiekosten bereits belastet.
Maschmeyer weiter: „Wenn der Bundeskanzler so weiter macht und signalisiert, dass er sich selbst wichtiger nimmt als die Bevölkerung, wird er das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger noch weiter verspielen!“
Auch Christian Lindner kritisiert Scholz und die Neubau-Pläne
Kritik hatte es auch von einem Ampel-Koalitionspartner gegeben, namentlich von Finanzminister Christian Lindner (FDP). Dieser hatte Pläne für den Neubau seines Ministeriums auf Eis gelegt. In der ARD-Sendung „Maischberger“ hatte Lindner am Mittwochabend zu dem Thema gesagt, er sei sicher, „dass wir für den Haushalt 2024 auch im Bereich der Regierung im engeren Sinne sparen müssen.“ Lindner glaube außerdem, „dass in Zeiten von mehr Homeoffice und orts-flexiblem Arbeiten ein mindestens 800 Millionen teurer Neubau neben dem Kanzleramt entbehrlich ist.“
Zum Homeoffice-Vorwurf schreibt das Kanzleramt übrigens selbst: „Trotz dieses Angebots muss eine auskömmliche Anzahl von Büroräumen für die Beschäftigten des Bundeskanzleramtes zur Verfügung stehen, da Arbeitsplatzkonzepte wie Desksharing (Teilen des Schreibtisches) nur bedingt in die täglichen Arbeitsabläufe (unter anderem wegen der Sicherheit und Vertraulichkeit von Vorgängen) integrierbar sind.“
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Maschmeyer forderte Scholz auf, sich an Lindner ein Beispiel zu nehmen. Er sagt: „Das macht es nicht günstiger, aber gerade jetzt werden Steuergelder an anderen Stellen dringender benötigt!“ Als Beispiel dafür nennt er „verwahrloste Schulen, marode Straßen, Ausbau der Netzabdeckung“.
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Auch der Bund der Steuerzahler betonte, angesichts hoher Schulden, einer lahmenden Konjunktur und weiterhin hoher Inflation sei eine Verdopplung des Kanzleramts völlig unpassend. „Das Mega-Projekt mit einer Kostenprognose von inzwischen 777 Millionen Euro muss in dieser Form gestoppt werden!“, sagte Präsident Reiner Holznagel. Das Bundeskanzleramt sei bereits heute größer als das Weiße Haus in Washington und der Élysée-Palast in Paris. „Wir brauchen eine Generalrevision für Prestigebauten der Politik“, forderte Holznagel.
Kanzleramt-Ausbau: Baustopp unwahrscheinlich
Ein Stopp ist allerdings unwahrscheinlich. Der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Hebestreit, sprach von einer klaren Beschlusslage, die auch im September vom Bundesministerium der Finanzen erlassen wurde. Seit vielen Jahren, also bereits unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel, seien die Planungen immer wieder überprüft und im September 2022 entschieden worden. Wie eine Regierungssprecherin bekannt gab, würde eine Verschiebung des Baus noch einmal 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr kosten.
Nötig ist der Neubau aus Sicht der Regierung, weil die Belegschaft im Kanzleramt in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gewachsen ist. Nach Angaben vom September gab es 770 Mitarbeiter, von denen sich 600 in das für nur 400 Mitarbeiter ausgelegte Kanzleramt zwängten. Die restlichen 170 verteilten sich auf drei weitere Standorte in Berlin. (cgsc mit dpa)