Royaler Klima-Showdown: Charles konfrontiert Trump bei Windsor-Treffen mit unbequemer Wahrheit
Charles III wird Donald Trump bei ihrem Treffen in Windsor auf Klimaschutz ansprechen, da sind sich Vertraute des Königs sicher. Doch das könnte ein Balanceakt werden.
Windsor – König Charles III ist seit Jahrzehnten ein engagierter Klimaschützer. Schon bei Donald Trumps letztem Staatsbesuch 2019 hat Charles ausführlich mit Trump über das Thema gesprochen. Am Mittwoch (17. September) besucht Trump Charles erneut auf Schloss Windsor. Vertraute des Königs sagen gegenüber Politico: Auch dieses Mal wird Charles versuchen, das Thema zu platzieren. Doch dabei ist er nicht so frei wie beim letzten Mal.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Denn damals war Charles Prinz, dieses Mal ist er König. Und als König muss er sich an das Gebot der britischen Verfassung halten, „die [gewählte] Regierung in ihren außenpolitischen Zielen zu unterstützen“. Laut dem britischen Verfassungsexperten Craig Prescott heißt das im weitesten Sinne: Charles muss sich mit Trump gut stellen.
Starmer will Trump mit Königs-Prunk beeindrucken
Denn das ist das Ziel des britischen Premiers Keir Starmer: Trump butterweich zu klopfen, damit er für Großbritannien günstige Handels- und Wirtschaftsverträge unterschreibt und Europa mit der Ukraine nicht alleine lässt. Dafür lässt Starmer allen Prunk und Glamour auffahren, den das britische Königshaus zu bieten hat: Ein Empfang auf Schloss Windsor, eine Militärprozession mit Kutschfahrt, Treffen mit Prinzessin Kate, Prinz William und nicht zuletzt: König Charles III.
Trump auf Staatsbesuch in Großbritannien: König Charles III ist ein engagierter Klimaschützer
Charles setzt sich seit Jahrzehnten für den Klimaschutz ein. 2010 veröffentlichte er sein Buch „Harmony“, in dem er seine Ansichten zu dem Thema darlegt. Er schreibt: „Wenn wir uns weiterhin von den zunehmend unverantwortlichen Stimmen der Skeptiker täuschen lassen, die den vom Menschen verursachten Klimawandel anzweifeln, wird es bald zu spät sein, das Chaos, das wir mit ausgelöst haben, wieder rückgängig zu machen.“ Er befürchte, „meine Pflicht gegenüber zukünftigen Generationen und der Erde selbst zu vernachlässigen“, wenn er sich nicht zu Wort melden würde.
Royal-Experte Dimbleby: Charles wird mit Trump über Klimawandel sprechen
In den Jahren seit dem letzten Treffen zwischen Trump und Charles haben sich die Ansichten des Königs nicht geändert, sagte der Rundfunkmoderator Jonathan Dimbleby, ein Freund und Biograf des Königs gegenüber Politico: „Wenn überhaupt, dann empfindet er sie wahrscheinlich stärker denn je. Für mich ist es daher selbstverständlich, dass er die Haltung von Präsident Trump gegenüber dem Klimawandel und der Umwelt als potenziell katastrophal ansieht.“
„Ich wäre sehr überrascht, wenn er bei diesem Treffen, wie auch schon beim letzten Treffen, nicht bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet, privat mit Trump über Klimawandel und Biodiversität sprechen würde“, sagte Dimbleby. „Er wird das Thema nicht vermeiden. Es liegt ihm zu sehr am Herzen.“
Trump leugnet den Klimawandel, Charles hört er dennoch zu
Donald Trump hat den Klimawandel wiederholt geleugnet und setzt sich für die Förderung fossiler Energien ein. Aus dem Pariser Klimaabkommen haben sich die USA zurückgezogen. Laut Michael Martins hat Charles allerdings bessere Chancen als den Meisten, zu Trump durchzudringen. Martins war während des letzten Staatsbesuchs Politik- und Wirtschaftsexperte in der US-Botschaft in London. Er sagte Politico: „Präsident Trump wird bei einer Tasse Tee mit dem König nicht zum Umweltschützer werden. Aber ich glaube, dass er ihm auf jeden Fall zuhören wird – auf eine Art und Weise, wie er es bei anderen Leuten vielleicht nicht tun würde.“
Denn Donald Trump hat ein Faible für die britische Monarchie. „Er mag die Pracht. Er mag die Optik. … Im Umgang mit einem König wird Trump das Gefühl haben, auf Augenhöhe zu sein. Er wird ihm mehr Gehör schenken als beispielsweise … Ed Miliband“, sagte Martins. Erst am Dienstag attestierte Trump Charles: „Es ist eine Ehre ihn als König zu haben, er repräsentiert das Land so gut, ich habe es mir angesehen, er ist ein so eleganter Gentleman“. Bei seinem Besuch in Großbritannien gehe es „hauptsächlich“ darum, seine guten „Freunde“ Charles und Camilla zu besuchen. Das sagte er kurz vor seinem Abflug nach Großbritannien vor dem Weißen Haus.
König Charles wird vorsichtig mit Trump beim Staatsbesuch in Großbritannien sprechen
Aufgrund seiner verfassungsrechtlichen Pflicht wird Charles bei dem Thema Vorsicht walten lassen. Ein ehemaliger britischer Regierungsbeamter versicherte gegenüber Politico: „Er wird nicht sagen: ‚Ihr, Amerika, solltet etwas unternehmen.‘ Er wird sagen: ‚Auf internationaler Ebene halte ich es für wichtig, dass wir in dieser Frage Fortschritte erzielen und ehrgeiziger sein müssen.‘ Oder er könnte seine Besorgnis über einige der Auswirkungen des Klimawandels auf das globale Wetter und all diese extremen Wetterereignisse zum Ausdruck bringen.“
Sowohl Trump als auch Charles werden sich auf den Besuch vorbereiten. Charles bekommt regelmäßige Briefings zur Außenpolitik und wird sich daher genau überlegen, wie er Trump auf seine Sache ansprechen kann.
Noch subtiler wäre es, Trump eine Ausgabe seines Buches, „Harmony“, zu schenken. Chinas Machthaber Xi Jinping hat bereits ein Exemplar. „Ich bin mir sicher, dass [der König] [Trump] nicht aus den Augen lassen wird, bevor er ihm ein Exemplar gegeben hat“, prophezeite Charles‘ Freund Dimbleby Politico.
Trump wird vom Königspaar auf Schloss Windsor begrüßt
Donald Trump wurde am Mittwoch auf Schloss Windsor von den Thronfolgern Prinz William und Prinzessin Catherine begrüßt. Gemeinsam schritten sie über den Rasen, dort wartete König Charles III auf die vier.
Bei der Begrüßung unterlief Trump gleich ein royaler Fauxpas: Freundschaftlich griff er Charles am Arm als er ihm mit der anderen Hand die Hand schüttelte. Doch das ist nach der royalen Etikette eigentlich verboten. Die Regel geht zurück auf das Mittelalter, als Könige noch Göttern gleich behandelt wurden. Inzwischen wurde sie etwas gelockert, aber immer noch gilt: Nicht umarmen, nur ein Händedruck ist erlaubt. Doch aufgrund der besonderen Situation ist Charles darüber sicher höflich hinweggegangen.
Das letzte Treffen zwischen Trump und Charles ging 1,5 Stunden
Das Treffen zwischen Trump und Charles 2019 endete statt den geplanten 15 Minuten erst nach eineinhalb Stunden. Dieses Mal ist ein ganzer Tag geplant. Dem Moderator Piers Morgan sagte Trump hinterher, dass er Charles‘ Ansichten für „großartig“ halte und dass er ihm „voll und ganz zugehört“ habe. Es mag wohl sein, dass Trump von Charles fasziniert ist – ob er ihm deswegen zuhört, steht auf einem anderen Blatt. Seine politischen Handlungen lassen jedoch eher das Gegenteil vermuten.
Sowohl die britische Krone als auch die britische Regierung haben sich nicht dazu geäußert, ob Charles mit Trump über Klimaschutz sprechen wird. (Quellen: Politico, ntv) (cdz)