Waffen im Ukraine-Krieg

Russland will auf mehr Drohnen setzen: „Viele Kommandeure verstehen ihren Wert noch immer nicht“

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Der Ukraine-Krieg verkommt immer mehr zu einem Drohnenkrieg. Russland will deswegen mehr kleinere Drohnen herstellen, die auf dem Schlachtfeld sehr wichtig sind.

Moskau – Drohnen sind im Ukraine-Krieg für beide Seiten inzwischen unersetzbar geworden. Sie dienen nicht nur der Bombardierung feindlicher Ziele, sondern auch der Aufklärung. Besonders die Ukraine setzt auf die unbemannten Fluggeräte. Mit seiner Kultur der Technologie-Start-ups hat sich das Land schnell angepasst. Mehr als 200 ukrainische Unternehmen liefern heute Militärdrohnen, unterstützt von einem Ökosystem aus gemeinnützigen Organisationen und Freiwilligengruppen. Russland mit seiner starren zentralen Kontrolle und seiner Neigung zu Monopolen hat sich nicht so schnell entwickelt. Aber es verfügt über weitaus größere Ressourcen, und je länger der Krieg andauert, desto bedeutender werden diese.

Drohnenkrieg zwischen Russland und der Ukraine – Zivilisten unerlässlich

Auch Russland baut seine Drohnenproduktion immer weiter aus, wenn auch noch langsamer als die Ukraine. Laut Samuel Bendett, Experte für russische Drohnen und Berater der Thinktanks CNA und CNAS setzten beide Länder dabei auf die Unterstützung von Zivilisten. Bendett hatte zuletzt ein Bild geteilt, auf dem Angehörige des Militärs neue Drohnen des Herstellers DJI präsentieren. „Ein weiterer bedeutender Einsatz russischer Freiwilliger – die im Video gezeigten Materialien wurden mithilfe der Zivilgesellschaft beschafft und umfassen Drohnen und andere wichtige Güter“, schreibt Bendett zu dem Beitrag auf X.

Inzwischen sollen sich laut dem Experten auch kleinere Drohnen in Russland als wichtiges Mittel etabliert haben. Laut des US-Magazins Forbes unter Berufung auf den Drohnen-Experten könnte die Produktion kleinerer Drohnen bei inzwischen einer Million pro Jahr liegen.

Den größten Teil des Bedarfs an kleineren Drohnen werde allerdings weiterhin von Freiwilligenorganisationen gedeckt, die sie aus China beziehen oder aus chinesischen Teilen zusammenbauen. Laut Bendett hänge es deswegen an den russischen Offizieren oder sogar Soldaten, ob sie Kontakte zu Freiwilligengruppen haben, um kleinere Drohnen zu erhalten.

Russische Kommandeure im Ukraine-Krieg zögerlich bei kleinen Drohnen

„Russische Blogger und Freiwillige stellen fest, dass einige russische Kommandeure den Wert dieser Drohnen immer noch nicht verstehen, nicht wissen, wie diese Technologie und kleine Drohneneinheiten in die größere Streitkräftestruktur passen und sich manchmal gegen einen breiteren Einsatz dieser Technologie auf taktischer Ebene sträuben“, sagt Bendett. Präsident Wladimir Putin habe deswegen kürzlich das Verteidigungsministerium unter dem neu ernannten Verteidigungsminister Andrei Beloussow angewiesen, enger mit den Freiwilligengruppen zusammenzuarbeiten.

Solche kleinen Drohnen werden im Ukraine-Krieg immer wichtiger. (Symbolfoto)

Die Gesamtanstrengungen für den Bau kleinerer Drohnen sei in Russland größer als in der Ukraine. „Aber selbst wenn die russischen Freiwilligen mehr als 100.000 FPV-Drohnen pro Monat zusammenbauen können, leiden viele dieser Drohnen unter schlechter Qualität und mangelnder Standardisierung bei der Montage, viele werden beim ersten Start nicht weit fliegen, viele werden durch EW und andere Gegenmaßnahmen verloren gehen“, so Bendett gegenüber Forbes.

Russland mangelt es im Ukraine-Krieg auch an Drohnenpiloten

Hinzukommt, dass es nur eine geringe Anzahl von Drohnenpiloten vorhanden seien. Auch andere Probleme verhindern Erfolge russischer Drohnen. 50 Prozent der russischen Drohnen würden von Russlands eigenen Störsendern abgeschossen werden, bevor sie die ukrainischen Linien erreichen, sagt der Experte. Dies sei auf die mangelnde Koordinierung zwischen den Einheiten für elektronische Kriegsführung und den Drohnenbetreibern zurückzuführen.(erpe)

Rubriklistenbild: © dpa/Jan Woitas

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