In den kommenden Tagen wird Pekings Spitzendiplomat Wang Yi in Moskau erwartet. China und Russland verbindet eine enge Freundschaft – trotz des Kriegs in der Ukraine.
München/Peking/Moskau – Chinas oberster Diplomat bricht am heutigen Dienstag zu einer ausgedehnten Europa-Reise auf: Wie das Außenministerium in Peking am Montag bekannt gab, wird Wang Yi neben Frankreich, Ungarn und Italien auch Russland besuchen. Zudem wird Wang gegen Ende der Woche auf der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Die genaue Reihenfolge der Reise war zunächst nicht bekannt.
Beobachter sprechen von einer neuen „Charmeoffensive“ Pekings, nachdem China seine selbstauferlegte Corona-Isolation zuletzt aufgegeben hat und sich wieder zunehmend der Welt öffnet. Wang Yi war bis Ende vergangenen Jahres chinesischer Außenminister, bevor er zum obersten Außenpolitiker der Kommunistischen Partei und damit auch des gesamten Landes aufstieg. Als Außenminister folgte ihm Qin Gang, der ehemalige chinesische Botschafter in Washington.
Wang Yi hatte seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs immer wieder die „felsenfeste Freundschaft“ seines Landes zu Russland betont. Offiziell behauptet China, sich in dem Konflikt neutral zu verhalten. Tatsächlich aber kommt aus Peking keinerlei Kritik am russischen Vorgehen in der Ukraine, stattdessen profitiert Peking von günstigem Öl und Gas aus Russland. Zudem sollen chinesische Staatsunternehmen einem Medienbericht zufolge weiterhin Güter an Russland liefern, die auch für militärische Zwecke genutzt werden können.
Nach Ballon-Eklat: Trifft Wang Yi in München mit Antony Blinken zusammen?
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin hatten wenige Tage vor Beginn der Ukraine-Invasion ein Abkommen über eine „grenzenlose Partnerschaft“ zwischen den beiden Ländern geschlossen. Peking teilt zudem die russische Behauptung, die NATO und die USA trügen die Schuld an der Eskalation des Krieges.
Wangs Auftreten bei der Münchner Sicherheitskonferenz wird der erste Besuch eines hohen chinesischen Regierungsvertreters bei dem Spitzentreffen seit Beginn der Corona-Pandemie. In der bayerischen Landeshauptstadt werde Wang „eine Rede halten, um die von Präsident Xi Jinping vertretene Vision einer gemeinsamen, umfassenden, kooperativen und nachhaltigen Sicherheit zu vermitteln, Chinas anhaltendes Engagement für eine friedliche Entwicklung zu verdeutlichen und Chinas Position zu wichtigen internationalen Fragen im Lichte des Konferenzthemas darzulegen“, hieß es aus dem Pekinger Außenministerium.
Laut der US-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte Wang in München auch mit US-Außenminister Antony Blinken zusammentreffen. Blinken hatte unlängst einen geplanten Peking-Besuch abgesagt, nachdem ein mutmaßlicher chinesischer Spionageballon über den USA entdeckt worden war.
Ob Wang in Moskau mit Präsident Putin oder nur mit seinem „alten Freund“ Sergej Lawrow zusammenkommen wird, ist noch nicht bekannt. Aus dem Pekinger Außenministerium hieß es lediglich, „China ist bereit, diesen Besuch als Gelegenheit zu nutzen und mit Russland zusammenzuarbeiten, um ein stetiges Wachstum der bilateralen Beziehungen in der von den beiden Staatschefs festgelegten Richtung zu fördern, die legitimen Rechte und Interessen beider Seiten zu verteidigen und eine aktive Rolle für den Weltfrieden zu spielen“. Noch im Frühjahr wird zudem Xi Jinping im Kreml erwartet. (sh)
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