Spionage-Ballon aus China: Abschuss für Hollywood? Staatsmedien machen sich über Biden lustig
VonChristian Stör
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Nach dem Abschuss eines mutmaßlichen chinesischen Spionageballons durch die USA sieht China schweren Schaden für die Beziehungen.
Peking/Washington, D.C. - Die Ballon-Affäre hat die Atmosphäre zwischen den USA und China nachhaltig vergiftet. Nach dem spektakulären Abschuss eines mutmaßlichen chinesischen Spionageballons vor der Küste der USA hat China jetzt noch einmal seine Kritik an den Vereinigten Staaten verschärft. Aus Protest bestellte das Außenministerium den Geschäftsträger der US-Botschaft in Peking ein.
Spionage: Ballon ohne Steuerung – Laut China verdrehen die USA die Tatsachen
Das Eindringen des Ballons sei nur ein „Unfall“ gewesen, der durch „höhere Gewalt“ passiert sei. Der Ballon sei durch Westwinddrift und mangelnde Steuerungsmöglichkeit weit vom Kurs abgekommen. „Die Fakten sind klar und können nicht verdreht werden.“ Trotzdem hätten sich die USA „taub gestellt“ und darauf bestanden, „Gewalt gegen ein ziviles Luftschiff zu missbrauchen, das dabei war, den Luftraum der USA zu verlassen“.
Spionageballon über den USA in großer Höhe abgeschossen: China hält sich für völlig schuldlos
Dass der Spionageballon in großer Höhe abgeschossen worden sei, sei eine „offensichtliche Überreaktion“ gewesen und verletze „den Geist des Völkerrechts und internationale Normen“. Die chinesische Regierung behalte sich das Recht auf notwendige Reaktionen vor, sagte ein Außenamtssprecher in Peking. In einem Leitartikel der chinesischen Staatszeitung China Daily hieß es, dass die USA den Vorfall in einen „Hollywood-Blockbuster“ verwandelt hätten.
Anders beurteilt China-Experte Bill Bishop die Lage. „Ich glaube nicht, dass die (chinesische) Führung versteht, zu welch einer großen politischen Sache dieser Spionageballon in (Washington) D.C. wird“, schrieb Bishop auf Twitter. „Es verdunkelt eine bereits stark düster werdende Stimmung im Kapitol.“ Im Kongress wird US-Präsident Joe Biden am Dienstag (7. Februar) seine jährliche Rede zur Lage der Nation halten.
Blinken sagt wegen Spionageballon China-Besuch ab
Die Biden-Regierung wirft China eine „inakzeptable Verletzung“ der Souveränität der USA vor. Der Ballon habe strategisch wichtige Militärstandorte ausspionieren sollen. Nach dem Abschuss sagte ein hoher Vertreter des Pentagons, dass die Bergung des Ballons in vollem Gange sei. Von den Geräten erhoffen sich die USA nähere Informationen über die Mission. Der Ballon war unter anderem im US-Bundesstaat Montana nahe einer US-Luftwaffenbasis gesichtet worden, wo mit Atomsprengköpfen bestückte Interkontinentalraketen lagern.
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Chinesische Staatsmedien unterstellten Blinken, den Ballon nur als Vorwand für die Absage benutzt zu haben. Ein Pekinger Außenamtssprecher ging jedenfalls in die Offensive: „Einige Politiker und Medien in den USA haben die Situation ausgenutzt, um China anzugreifen und in Verruf zu bringen.“
Verhältnis zwischen USA und China liegt wegen Abschuss vom Spionage-Ballon in Trümmern
Das Verhältnis beider Länder ist auf den tiefsten Stand seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1979 gefallen und liegt in Trümmern. Für Streit sorgen Chinas Rückendeckung für Russlands Krieg in der Ukraine, seine Ansprüche im Südchinesischen Meer, US-Exportkontrollen für Hightech und der Handelskrieg. Ein US-General hielt jüngst einen Krieg mit China um Taiwan schon 2025 für möglich. (cs/dpa)