Krise in der Taiwan-Straße

Konflikt mit China: US-Republikaner will Taiwan „bis an die Zähne“ bewaffnen

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Bereit für den Ernstfall? Taiwans Präsidentin posiert im vergangenen Jahr mit einem Raketenwerfer zur Panzerabwehr.

Schon jetzt unterstützen die USA Taiwan mit Waffen. Das sei aber angesichts der Drohungen aus China nicht genug, erklärt ein prominenter US-Republikaner.

München/Washington, D.C. – In den USA mögen Republikaner und Demokraten in vielen Punkten untrschiedlicher Meinung sein. Bei einem Thema aber herrscht überparteilicher Konsens: Beide Parteien liefern sich seit Längerem eine Art Wettstreit darüber, wer China gegenüber am härtesten auftreten kann. Ein besonders lautstarker Kritiker der Volksrepublik ist der Republikaner Mike Gallagher, Vorsitzender eines neuen Kongressausschusses, der sich mit der Kommunistischen Partei Chinas beschäftigt. Am Donnerstag ließ Gallagher nun im US-Kongress einen chinesischen Angriff auf Taiwan durchspielen. Sein Fazit: Die USA müssten die demokratisch regierte Insel, die China als abtrünnige Provinz betrachtet, „bis an die Zähne“ bewaffnen.

Peking strebt seit Jahrzehnten die „Wiedervereinigung“ mit Taiwan an, obwohl die Insel nie Teil der Volksrepublik China war. Laut Staats- und Parteichef Xi Jinping soll das möglichst friedlich geschehen; die Anwendung von Gewalt schließt Xi jedoch nicht aus. Chinas Drohungen in Richtung Taiwan haben seit dem vergangenen Sommer zugenommen – im August hatte Nancy Pelosi, die damalige Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Taipeh besucht. Peking reagierte darauf mit mehrtägigen Militärmanövern rund um Taiwan. Nach einem Treffen von Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen mit Pelosis Nachfolger Kevin McCarthy in Kalifornien vor wenigen Wochen probte Chinas Volksbefreiungsarmee zudem unter anderem die Abriegelung der Insel.

China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt

Taiwans F-16-Kampfjet (links) überwacht einen der beiden chinesischen H-6-Bomber, die den Bashi-Kanal südlich von Taiwan und die Miyako-Straße in der Nähe der japanischen Insel Okinawa überflogen.
Seit Jahrzehnten schon schwelt der Taiwan-Konflikt. Noch bleibt es bei Provokationen der Volksrepublik China; eines Tages aber könnte Peking Ernst machen und in Taiwan einmarschieren. Denn die chinesische Regierung hält die demokratisch regierte Insel für eine „abtrünnige Provinz“ und droht mit einer gewaltsamen „Wiedervereinigung“. Die Hintergründe des Konflikts reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. © Taiwan Ministry of Defence/AFP
Chinas letzter Kaiser Puyi
Im Jahr 1911 zerbricht das viele Jahrtausende alte chinesische Kaiserreich. Der letzte Kaiser Puyi (Bild) wird abgesetzt, die Xinhai-Revolution verändert China für immer. Doch der Weg in die Moderne ist steinig. Die Jahre nach der Republikgründung waren von Wirren und internen Konflikten geprägt.  © Imago
Porträt von Sun Yatsen auf dem Tiananmen-Platz in Peking
Im Jahr 1912 gründet Sun Yat-sen (Bild) die Republik China. Es folgen Jahre des Konflikts. 1921 gründeten Aktivisten in Shanghai die Kommunistische Partei, die zum erbitterten Gegner der Nationalisten (Guomindang) Suns wird. Unter seinem Nachfolger Chiang Kai-shek kommt es zum Bürgerkrieg mit den Kommunisten. Erst der Einmarsch Japans in China ab 1937 setzt den Kämpfen ein vorübergehendes Ende. © Imago
Mao Zedong ruft die Volksrepublik China aus
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans flammt der Bürgerkrieg wieder auf. Aus diesem gehen 1949 die Kommunisten als Sieger hervor. Mao Zedong ruft am 1. Oktober in Peking die Volksrepublik China aus (Bild).  © Imago Images
Chiang Kai-shek
Verlierer des Bürgerkriegs sind die Nationalisten um General Chiang Kai-shek (Bild). Sie fliehen 1949 auf die Insel Taiwan. Diese war von 1895 bis 1945 japanische Kolonie und nach der Niederlage der Japaner an China zurückgegeben worden. Auf Taiwan lebt seitdem die 1912 gegründete Republik China weiter. Viele Jahre lang träumt Chiang davon, das kommunistisch regierte Festland zurückzuerobern – während er zu Hause in Taiwan mit eiserner Hand als Diktator regiert. © Imago
Richard Nixon und Zhou Enlai 1972
Nach 1949 gibt es zwei Chinas: die 1949 gegründete Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan, die 1912 gegründet wurde. Über Jahre gilt die taiwanische Regierung als legitime Vertreterin Chinas. Doch in den 70er-Jahren wenden sich immer mehr Staaten von Taiwan ab und erkennen die kommunistische Volksrepublik offiziell an. 1972 verliert Taiwan auch seinen Sitz in den Vereinten Nationen, und Peking übernimmt. Auch die USA brechen mit Taiwan und erkennen 1979 – sieben Jahre nach Richard Nixons legendärem Peking-Besuch (Bild) – die Regierung in Peking an. Gleichzeitig verpflichten sie sich, Taiwan mit Waffenlieferungen zu unterstützen. © Imago/UIG
Chiang Ching-Kuo in Taipeh
Im Jahr 1975 stirbt Taiwans Dikator Chiang Kai-shek. Neuer Präsident wird drei Jahre später dessen Sohn Chiang Ching-kuo (Bild). Dieser öffnet Taiwan zur Welt und beginnt mit demokratischen Reformen. © imago stock&people
Chip made in Taiwan
Ab den 80er-Jahren erlebt Taiwan ein Wirtschaftswunder: „Made in Taiwan“ wird weltweit zum Inbegriff für günstige Waren aus Fernost. Im Laufe der Jahre wandelt sich das Land vom Produzenten billiger Produkte wie Plastikspielzeug zur Hightech-Nation. Heute hat in Taiwan einer der wichtigsten Halbleiter-Hersteller der Welt - das Unternehmen TSMC ist Weltmarktführer. © Torsten Becker/Imago
Tsai Ing-wen
Taiwan gilt heute als eines der gesellschaftlich liberalsten und demokratischsten Länder der Welt. In Demokratie-Ranglisten landet die Insel mit ihren knapp 24 Millionen Einwohnern immer wieder auf den vordersten Plätzen. Als bislang einziges Land in Asien führte Taiwan 2019 sogar die Ehe für alle ein. Regiert wurde das Land von 2016 bis 2024 von Präsidentin Tsai Ing-wen (Bild) von der Demokratischen Fortschrittspartei. Ihr folgte im Mai 2024 ihr Parteifreund Lai Ching-te. © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping
Obwohl Taiwan nie Teil der Volksrepublik China war, will Staats- und Parteichef Xi Jinping (Bild) die Insel gewaltsam eingliedern. Seit Jahrzehnten droht die kommunistische Führung mit der Anwendung von Gewalt. Die meisten Staaten der Welt – auch Deutschland und die USA – sehen Taiwan zwar als einen Teil von China an – betonen aber, dass eine „Wiedervereinigung“ nur friedlich vonstattengehen dürfe. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Die kommunistiche Diktatur Chinas ist für die meisten Taiwaner nicht attraktiv. © Dale de la Rey/AFP
Militärübung in Kaohsiung
Ob und wann China Ernst macht und in Taiwan einmarschiert, ist völlig offen. Es gibt Analysten, die mit einer Invasion bereits in den nächsten Jahren rechnen – etwa 2027, wenn sich die Gründung der Volksbefreiungsarmee zum 100. Mal jährt. Auch das Jahr 2049 – dann wird die Volksrepublik China 100 Jahre alt – wird genannt. Entscheidend dürfte sein, wie sicher sich China ist, einen Krieg auch zu gewinnen. Zahlenmäßig ist Pekings Armee der Volksrepublik den taiwanischen Streitkräften überlegen. Die Taiwaner sind dennoch gut vorbereitet. Jedes Jahr finden große Militärübungen statt; die Bevölkerung trainiert den Ernstfall, und die USA liefern Hightech-Waffen.  © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping auf einem chinesischen Kriegsschiff
Analysten halten es für ebenso möglich, dass China zunächst nicht zu einer Invasion Taiwans blasen wird, sondern mit gezielten Nadelstichen versuchen könnte, den Kampfgeist der Taiwaner zu schwächen. So könnte Xi Jinping (Bild) eine Seeblockade anordnen, um die Insel Taiwan vom Rest der Welt abzuschneiden. Auch ein massiver Cyberangriff wird für möglich gehalten.  © Li Gang/Xinhua/Imago
Protest in Taiwan
Auch wenn die Volksrepublik weiterhin auf eine friedliche „Wiedervereinigung“ mit Taiwan setzt: Danach sieht es derzeit nicht aus. Denn die meisten Taiwaner fühlen sich längst nicht mehr als Chinesen, sondern eben als Taiwaner. Für sie ist es eine Horrorvorstellung, Teil der kommunistischen Volksrepublik zu werden und ihre demokratischen Traditionen und Freiheiten opfern zu müssen. Vor allem das chinesische Vorgehen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong hat ihnen gezeigt, was passiert, wenn die Kommunistische Partei den Menschen ihre Freiheiten nimmt. © Ritchie B. Tongo/EPA/dpa

Drohungen aus China: USA liefern Anti-Schiffs-Raketen an Taiwan

Das Angriffsszenario, das nun im US-Kongress durchgespielt wurde, wurde von der in Washington ansässigen Denkfabrik Center for a New American Security unterstützt, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Eines der Ergebnisse: Sollte tatsächlich ein bewaffneter Konflikt zwischen China und Taiwan ausbrechen, wäre es unmöglich, dem Inselstaat Waffen zu liefern. Deshalb müsse die Regierung in Taipeh bereits im Vorfeld unterstützt werden. Die USA erkennen Taiwan zwar nicht offiziell an, haben sich aber bereits vor Jahrzehnten dazu verpflichtet, dem Land Abwehrwaffen zur Verfügung zu stellen. Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass die USA den Taiwanern bis zu 400 Harpoon-Raketen verkaufen wollen. Taipeh zahlt rund 1,17 Milliarden US-Dollar für die Anti-Schiffs-Raketen, so der Wirtschaftsdienst Bloomberg.

US-Dokumente, die Teil eines vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Daten-Leaks sind, zeigten unlängst Schwachstellen in der Verteidigungsfähigkeit Taiwans auf. Laut Washington Post heißt es in den Analysen, dass China bei einem Angriff schnell die Lufthoheit über Taiwan gewinnen könnte: Taipeh besitze zu wenige Flugzeuge und habe Schwierigkeiten bei der Erkennung anfliegender Raketen.

Joe Biden verspricht Taiwan Unterstützung im Konflikt mit China

Ob und wann China wirklich Taiwan angreift, ist völlig ungewiss. Die allermeisten Geheimdienste gehen davon aus, dass eine Invasion in naher Zukunft unwahrscheinlich ist. Nach einer Simulation des Center for Strategic and International Studies (CSIS) vom Januar würde China eine „konventionelle“ Invasion Taiwans außerdem in absehbarer Zeit verlieren – vorausgesetzt, die USA und Japan griffen aufseiten Taiwans in den Konflikt ein, was derzeit als wahrscheinlich gilt. So hatte US-Präsident Joe Biden mehrfach erklärt, sein Land werde Taiwan bei einem chinesischen Angriff militärisch zur Seite stehen.

Neben einer groß angelegten Invasion gelten auch andere Angriffsszenarien als möglich, etwa eine chinesische Attacke auf die Inseln Matsu und Kinmen, die von Taiwan kontrolliert werden, aber unmittelbar vor der chinesischen Küste liegen. Erst am Donnerstag wurde auf Matsu der Ernstfall geübt: Im Rahmen einer jährlich stattfindenden Zivilschutzübung wurde ein chinesischer Angriff im Sommer 2025 simuliert. „Wenn sich die Situation zwischen Taiwan und China zuspitzt, werden alle Kollegen des Einsatzteams wissen, was sie zu tun haben“, zitierte Reuters einen örtlichen Politiker. (sh)

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