Ein chinesischer Kampfjet hat am Freitag ein US-Aufklärungsflugzeug abgefangen und für mehrere Minuten begleitet. Doch der Vorfall ist mehr Regel als Ausnahme.
München – Die Spannungen zwischen den USA und China dauern weiter an. Am Freitag ereignete sich im Luftraum über dem südchinesischen Meer ein Showdown zwischen einem Flugzeug der US-Navy und einem chinesischen Kampfjet. Der Vorfall wurde besonders gut dokumentiert, da sich ein Reporter-Team des US-amerikanischen Fernsehsenders CNN ebenfalls an Bord des Flugzeugs befand.
USA und China auf Konfrontationskurs: Erneuter Vorfall im Südchinesischen Meer
Doch was war passiert? Ein Aufklärungsflugzeug vom Typ P-8 Poseidon der US-Navy war für einen Routineflug im Luftraum über dem südchinesischen Meer unterwegs gewesen. Dabei verfolgte die Maschine eine Route, die sie auf knapp 50 Kilometer an die Paracel-Inseln heranführte. Die Inselgruppe mit knapp 1.700 Einwohnern sorgen seit Jahren für Streitigkeiten. De facto untersteht das Atoll chinesischer Kontrolle – das Gebiet wird jedoch auch von Taiwan und Vietnam beansprucht.
Die chinesische Armee hat auf den einzelnen Inseln mehrere Militärbasen errichtet, um den Anspruch der Volksrepublik deutlich zu machen. Die Präsenz US-amerikanischer Flugzeuge nahe dem Gebiet wird daher als Provokation und Bedrohung angesehen. Auch am Freitag startet deswegen ein mit Raketen bewaffneter chinesischer Jet, um den US-amerikanischen Aufklärungsflieger in die Schranken zu weißen.
Chinesischer Jet fängt US-Flugzeug ab – Reporter beobachten Vorfall aus nächster Nähe
Wie die bei dem Vorfall anwesenden CNN-Reporter berichteten, näherte sich der Jet dem US-Flugzeug bis auf 150 Meter und wich ihm nicht mehr von der Seite. Kurz darauf nahm der chinesische Pilot Funkkontakt auf: „Amerikanische Flugzeuge. Der chinesische Luftraum ist 12 Seemeilen lang. Kommen Sie nicht mehr näher oder sie tragen die ganze Verantwortung.“ Dem Bericht zufolge kam der Jet dabei so nah, dass die Reporter erkennen konnten, wie der Pilot seinen Kopf wiederholt zu ihnen drehte.
Der US-Pilot beharrte in seiner Antwort auf die Rechtmäßigkeit des Fluges. „Ich habe Sie an meinem linken Flügel und ich beabsichtige, nach Westen weiterzufliegen. Ich bitte Sie, dasselbe zu tun, over“, sagte er dem chinesischen Piloten. Zu einem weiteren Funkkontakt soll es anschließend nicht mehr gekommen sein. Der chinesische Jet folgte dem US-Flugzeug noch 15 Minuten, ehe er abdrehte und den Rückweg zu seiner Basis antrat.
Immer wieder Spannungen zwischen USA und China: „weiterer Freitagnachmittag im Südchinesischen Meer“
Der Vorfall war symptomatisch, für die Spannungen zwischen den USA und China. Das Pentagon hatte mit Blick auf das südchinesische Meer die Rechtmäßigkeit der Einsätze betont. US-Schiffe und -Flugzeuge würden regelmäßig dort verkehren, wo internationales Recht es zulasse. Die Regierung in Peking sieht die US-Präsenz jedoch als Grund für zunehmenden Spannungen an.
Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute
Dass sich US-amerikanische und chinesische Flugzeuge im Luftraum über dem südchinesischen Meer gegenüberstehen, ist deswegen längst keine Seltenheit mehr. Das zeigt auch die Reaktion des US-Piloten am Freitag. „Ich würde sagen, es ist ein weiterer Freitagnachmittag im Südchinesischen Meer“, kommentierte dieser den Vorfall mit dem chinesischen Kampfflugzeug trocken. (fd)